Bis Ende der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts war der Musikgenuss auf die eigenen vier Wände beschränkt. Einzig das UKW-Radio gestattete es bis dahin, auch mal im Freien den angesagtesten Hits der damaligen Zeit zu lauschen. Mit dem Walkman begann im Sommer 1979 eine neue Ära, die Geburtsstunde der mobilen Berieselung war gekommen: Musik unterwegs, auf Reisen, am Bahnhof, auf Klassenfahrt oder im Wartezimmer beim Arzt – quasi über Nacht veränderte sich das Verhalten unzähliger Musikfreunde. Plötzlich wurde es möglich, die Sieger der Hitparade überall dabei zu haben. Aus heutiger Sicht zwar nur auf Kassette mit überschaubarer Songauswahl, regelmäßigem Bandsalat und nervigem Gespule – aber der Walkman prägte das Bild der 80er-Jahre.
Der Trend des mobilen Musikkonsums hat bis heute nicht nur angehalten, er hat sich zu einem wahren Boom entwickelt. Auf den MP3-Player folgten Smartphones, Tablets und portable Festplatten-Spieler, die den Discman für die CD-Wiedergabe unterwegs komplett vom Markt verdrängt haben. Mittlerweile schlummern auf den Mobilgeräten mitunter hunderte oder gar tausende Audio-Dateien, die immer öfter nicht nur per Kopfhörer, sondern auch via Lautsprecher zum Leben erweckt werden sollen. Während der Gartenparty, im Freibad oder auf dem Campingplatz sind kompakte Boxen mit Akkubetrieb die idealen Lösungen, um alleine oder in der Gruppe für gute Stimmung zu sorgen.
Mit der Musicbox S mischt auch Canton seit kurzem im Markt der mobilen Schallwandler mit. Der 24,5 x 14 x 5,5 Zentimeter kleine Lautsprecher arbeitet mit Bluetooth 4.0 und bietet damit gegenüber vergleichbaren WLAN-Lautsprechern bedeutende Vorteile: Er kann überall völlig autark (und ohne Steckdose) betrieben werden, da er auf kein drahtloses Netzwerk angewiesen ist und mit jedem aktuellen Smartphone oder Tablet agiert. Bluetooth gestattet zudem eine extrem einfache Einrichtung, die innerhalb von Sekunden abgeschlossen ist. Hinzu kommt die hohe Wiedergabequalität, die mit der von CD zu vergleichen ist, insofern die aktuelle Bluetooth-Version 4.0 mit apt-X unterstützt wird, doch dazu später mehr.
Beim Auspacken der Musicbox S fällt auf Anhieb deren hohes Gewicht auf. 2,1 Kilogramm hören sich zunächst nicht viel an, doch für den handlichen Lautsprecher ist das schon eine ganze Menge. Eine vergleichbare Plastik-Box vom PC wirkt dagegen wie ein Fliegengewicht. Das Geheimnis steckt im Inneren: Hier hat der hessische Hersteller hochwertigste Komponenten verbaut und jeweils zwei Tiefton-, zwei Mittelton- und zwei Hochtonchassis untergebracht – sowohl aus Metall (Tieftöner) als auch aus Graphit und Gewebe. Damit legt Canton rein vom Papier her die Grundlage, dass das Zweiwege-Bass-Reflexsystem mit zwei Passivmembranen nicht nur dudelt wie ein Reisewecker, sondern für anspruchsvolle Musikwiedergabe ausgelegt ist. Die Systemleistung beläuft sich auf 60 Watt.
Das Gehäuse besteht nicht aus irgendeinem X-beliebigen Material, sondern wurde aus Aluminium gegossen – für optimalen Klang und maximalen Augenschmaus. Autokenner wissen, dass das leichte Metall sonst eigentlich nur in der Oberklasse anzutreffen ist. Eine Gummilippe an der Unterseite der Box sorgt für einen sicheren Stand und verhindert das Zerkratzen empfindlicher Holz- und Kunststoffoberflächen von Tischen. Ein Blickfang sind die sogenannten polierten Diamont-Cut-Kanten, eine silberne Umrandung auf der Vorder- und Rückseite. Die Front ziert ein schwarzes Gitter.
Wohlwollend dezent präsentiert sich die Anschlussleiste der Musicbox S: Hier sitzen lediglich der AUX-Eingang, um ein Smartphone oder einen Player per Klinkenkabel zu verbinden, die Buchse für das Netzteil sowie ein Service-Terminal (Mini-USB) für mögliche Updates. Das war’s dann auch schon. Ähnlich aufgeräumt geht es auf der Oberseite zu. Dort hat Canton gummierte Bedienfelder plan eingelassen, um die Box ein- und auszuschalten, Bluetooth zu aktivieren, die Lautstärke zu verändern und externe Zuspieler auszuwählen. Puristische Musikfans, die selbige wirklich nur genießen und nicht an deren Klangbild herumdoktern wollen, werden aufatmen: Es gibt keine Menüs, keine Optionen zum Setup oder zur Sound-Anpassung, die nur unnötig ablenken und dafür sorgen, dass man sich möglicherweise verzettelt. Auch auf eine Fernbedienung verzichtet Canton – denn man braucht sie schlichtweg nicht. Smartphone oder Tablet ermöglichen schließlich die volle Kontrolle über Songauswahl und Lautstärke.
Das Koppeln mit Mobilgeräten über Bluetooth ist ein Klacks: Bluetooth am Lautsprecher und am Audio-Lieferanten aktivieren, anschließend die entsprechende Taste an der Musicbox für zwei Sekunden drücken, und das Thema ist durch. Eine freundliche Stimme verrät, dass der Prozess läuft beziehungsweise erfolgreich abgeschlossen wurde (»Bluetooth Pairing«, »Connected«). Ebenso meldet sich die Dame unter anderem, um auf einen niedrigen Akkustand hinzuweisen. Ein gutes Gefühl, speziell für technische Laien, auf diesem Weg Bestätigungen und Hinweise zu erhalten.
Noch simpler, was kaum vorstellbar ist, ist die Einbindung des Mobilgeräts über NFC (Near Field Communication). Jetzt muss das Smartphone lediglich auf den mittigen Sensor auf dem Lautsprecher gelegt werden. Stimmen Sie der automatisch gestellten Kopplungsanfrage zu, fertig! Denken Sie bei diesem Vorgehen aber daran, NFC in Ihrem Mobilgerät zu aktivieren. Maximal können zwei Geräte gleichzeitig per Bluetooh verbunden werden.
Der in der Musicbox integrierte Lithium-Ionen-Akku liefert bis zu 18 Stunden Energie – das reicht auch für Partys bis weit nach Mitternacht. Drei Anzeigemodi per LED signalisieren, ob der Akku noch voll ist (90 bis 100 Prozent), schon ein bisschen Arbeit hinter sich hat (20 bis 90 Prozent) oder bald an die Tankstelle muss (weniger als 20 Prozent). Das ist wichtig, damit das kabellose Musikvergnügen nicht ein unerwartetes und nicht einkalkuliertes Ende nimmt. Etwa drei Stunden muss man einplanen, damit der Akku wieder vollständig aufgeladen ist.
Mag einem diese Zeit der Stille lang vorkommen, so vergehen 180 Minuten wie im Flug, wenn die Musicbox S aufspielt. Kräftig, erwachsen und souverän – diese drei Adjektive, die man normalerweise nur von einem Soundsystem mit deutlich größeren Dimensionen erwarten würde – charakterisieren den Canton-Schallwandler sehr treffend. Man hört die Masse der Box, und das verwindungssteife Aluminium-Gehäuse, das den Lautsprecher satt auf dem Tisch liegen lässt und jegliche Vibrationen und Anfälle von Nervosität im Keim erstickt, überzeugt auf ganzer Linie. Überraschend ausgeprägt ertönt das Bassfundament, das tiefe Töne als solche erlebbar macht. Die Musicbox fiept nicht, sie kann durchaus auch poltern und grollen – und das bei einer Grundfläche von lediglich 24,5 mal 5,5 Zentimetern. Stimmen gibt die Box klar und sehr gut verständlich wieder. Nicht nur bei musikalischen Darbietungen, sondern auch bei Hörbüchern, Nachrichten oder einem Podcast. Die Fülle der Genres und audiophilen Möglichkeiten ist im Internet-Zeitalter schließlich riesig.
Auch die Trennung von Instrumenten und Gesang gelingt der Musicbox sehr akzeptabel, wobei die Klarheit naturgemäß nicht mit einem fülligeren Lautsprecher mit deutlich mehr Volumen mithalten kann. Die Stereo-Bühne ist gut, tatsächlich schafft es Canton, ein echtes Raumgefühl zu erzeugen. Dieses nimmt deutlich zu, wenn mittels sogenannter True-Wireless-Funktion eine zweite Musicbox mit eingebunden wird. Optional kann man zwischen dem Stereo-Modus und dem Party-Modus wählen. Je nachdem gibt eine Box den linken, die andere den rechten Kanal wieder, oder beide schicken das Stereotonsignal auf die Reise.
Das hohe Auflösungsvermögen ist eine Folge des apt-X-Codecs: Dieser gestattet es, mehr Audio-Daten für ein detaillierteres Klangbild zum Hörer zu senden. Ergebnis: Die Musik klingt reiner und ist von Stücken auf CD kaum zu unterscheiden. Der ältere Standard A2DP (Advanced Audio Distribution Profile) setzt im Gegensatz zu apt-X auf eine verlustbehaftete Kodierung, die den Audio-Dateien hörbar ein wenig Luft zum Atmen nimmt. Diesbezüglich hat die Musicbox S keine Probleme: Mit ihrem maximalen Schalldruck von 90 Dezibel muss sie sich auch in größeren Räumen nicht verstecken. Bis zu einer Entfernung von zehn Metern spielt sie die Inhalte von Smartphones und Tablets zuverlässig ab.
Ein Griff, und schon wandert der kleine Lautsprecher von der Küche mit ins Arbeitszimmer oder in den Hobbykeller. Auch im Wohnzimmer ist die Box durchaus in der Lage, als einziger Akteur für gute Stimmung zu sorgen. Wer hier keine Klassikabende in Vollendung praktizieren möchte und den Klang voluminöserer Systeme nicht als Referenz im Hinterkopf hat, kann mit dem Zweiwege-Stereosystem durchaus eine glückliche und dauerhafte Musik-Ehe eingehen. Der klangstarke Allrounder muss sich jedoch darauf einstellen, nicht nur für den Innen-, sondern speziell in der wärmeren Jahreszeit auch für den Außendienst eingeteilt zu werden – als Zeichen inniger Zuneigung.
Hersteller: Canton, Weilrod
Modell: Musicbox S
Kategorie: Portabler Bluetooth-Lautsprecher
Preis: 299 Euro
Garantie: 2 Jahre
Konstruktion: Zweiwege Bass-Reflexsystem mit Passivmembran
Systemleistung: 60 Watt
Tieftonchassis: 2 x 105 x 70 Millimeter (Metall), Wave-Sicke (Passiv)
Mitteltonchassis: 2 x 70 Millimeter (Zellulose Graphit)
Hochtonchassis: 2 x 19 Millimeter (Gewebe)
Anschlüsse: AUX-IN, DC-IN (12V-1A), Mini-USB (Service), Bluetooth 4.0 mit apt-X
Abmessungen (B x H x T): 24,5 x 14 x 5,5 Zentimeter
Gewicht: 2,1 Kilogramm
Canton Elektronik GmbH & Co KG
Neugasse 21 - 23
61276 Weilrod
Internet: www.canton.de
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Telefon: 0 60 83 / 28 70
Musik zum Mitnehmen – wie optisch ansprechend, einfach und qualitativ hochwertig das mittlerweile funktioniert, beweist Canton eindrucksvoll mit seiner Musicbox S. Der kleine Lautsprecher ist ein Universaltalent und fühlt sich zu Hause dauerhaft an der Steckdose oder dank Akkubetrieb punktuell auch auf der Terrasse, im Garten oder auf dem Campingplatz pudelwohl. Akustisch weiß die Box vollkommen zu überzeugen, das einfache Bedienkonzept mit der Konzentration auf das Wesentliche begeistert. »Love Is Everywhere« sang Caught in the Act bereits 1994. 22 Jahre später würde der Klassiker dank Canton wohl als »Music Is Everywhere« ein erfolgreiches Comeback feiern. Jochen Wieloch
| Canton Musicbox S |
| Preis: 299 Euro |
| Garantie: 2 Jahre |