In der digitalen Welt muss ein HiFi-Stereo-Receiver weit mehr können als nur Radio, Phono, CD und 2 x Tape. Audio über das Netzwerk ist gefragt – und chic aussehen sollte er auch. Folgerichtig bricht Traditionshersteller Denon beim DRA-100 radikal mit dem klassischen 43er-Rastermaß sowie der einhergehenden Ästhetik und verspricht eine zukunftsfähige Vollausstattung bei gewohnt überdurchschnittlicher Klangqualität. Also das Beste von gestern und das Neueste von heute? Das wollten wir genauer wissen.

Obgleich der DRA-100 nicht dem klassischen Receiver-Format entspricht, überrascht beim Auspacken sofort seine massive Präsenz. Das Gerät ist größer, als es auf den ersten Fotos gewirkt hat: fast quadratisch und von nicht unerheblichem Gewicht. In der Kombination aus Glasfront und Aluminium-Verschalung strahlt der Denon einen gehobenen Qualitätsanspruch aus, der durch makellose Verarbeitung untermauert wird. Seine hier interpretierte Design-Sprache haben wir zwar schon bei Rechnern aus Cupertino gesehen – aber sich an den Besten zu orientieren ist immer eine gute Entscheidung.

Die Bedienungselemente sind auf das Notwendigste reduziert: Volumen-Regler, Power-Knopf plus Buchsen für USB (A) und Kopfhörer (6,3 Millimeter) – letzterer übrigens ausnehmend hochwertig konzipiert mit drei wählbaren Anpassungen für unterschiedliche Impedanzen. Vorwiegend wird der Netzwerk-Receiver via Fernbedienung gesteuert; das aus der Entfernung noch gut sichtbare OLED-Display signalisiert hierbei leuchtstark die jeweils getroffene Wahl plus Zusatzinformationen. Auch wenn die mitgelieferte klassische Fernbedienung viele Funktionen übermitteln kann, richtig zeitgemäß und hochgradig komfortabel gerät die Handhabung des DRA-100 erst mit der Denon Hi-Fi Remote-App, die für Smartphones oder Tablets unter IOS/Android kostenlos zum Download bereit steht.

Der Receiver bietet zwar auch je zwei analoge Eingänge und Ausgänge, ist  ansonsten aber durchgängig im digitalen »Hier und Jetzt« verortet: Der frontseitige USB-Port nimmt wahlweise iPod/iPhone oder Speichersticks/Festplatten auf, während auf der Rückseite zwei optische und ein koaxialer Eingang für Zuspieler zur Verfügung stehen, wenn eine Verbindung via Kabel erfolgen soll, zum Beispiel zum Smart-TV oder zur Set-Top-Box.

Die beiden Antennen signalisieren unmissverständlich: Die moderne Audio-Vielfalt lässt sich kabellos per WLAN oder Bluetooth verwirklichen.
Mit dem Denon DRA-100 lassen sich per Netzwerkbuchse unendliche Musikbibliotheken betreten. So sieht die gelungene Kombination aus Komfort und Klangqualität heute aus.

Darüber hinaus besitzt der DRA-100 eine umfassende Wireless-Sektion, die sich an zwei rückwärtigen Antennen deutlich bemerkbar macht. Von im Heimnetzwerk befindlichen Musikservern und freigegebenen Festplatten kann der DRA-100 gemäß DLNA 1.5-Protokoll Audio-Files abspielen. Sämtliche relevanten Formate werden unterstützt:  WAV, AIFF und FLAC hochauflösend bis zu 24 Bit/192 Kilohertz plus DSD in 2.8 und 5.6 MHz. Damit dürfte man nicht nur für die Gegenwart, sondern auch eine digitale Audio-Zukunft bestens gewappnet sein.

Ergänzend lässt sich bei diesem Netzwerk-Receiver ein Streaming-Dienst wie Spotify nutzen, der via Spotify Connect-Funktion besonders leicht eingebunden ist. Hier wird man direkt zur eigenen Spotify-Seite geleitet und hat sofort Zugriff auf seine Favoriten, Wiedergabelisten und weitere Optionen des Streaming-Accounts. Wer kein Abonnement abschließen möchte, wählt eine von tausenden Internetradio-Stationen an, die sich komfortabel organisieren lassen. Auch dabei erweist sich die App wieder als höchst hilfreich. Möglichkeiten zum Empfang von UKW oder DAB+ sucht man jedoch vergebens, hier ist der Denon kompromisslos internet-orientiert ausgelegt.

Locker über die Hürden

Die Einrichtung von Netzwerk-Geräten kann eine zähe, weil komplexe und fehlerbehaftete Angelegenheit sein. Nicht so beim DRA-100. In weniger als zwei Minuten war die kabellose Netzwerkverbindung hergestellt, der Receiver erkannt und vollständig spielfertig. Kurz noch die Denon Hi-Fi Remote-App auf das iPad geladen und der Reise in die digitale Musikvielfalt steht nichts mehr im Weg.

Zum Aufwärmen liefert der Computer via iTunes/Airplay in unkomprimierter CD-Qualität die Musikdateien – und schon erklingen über den angeschlossenen Kontroll-Kopfhörer die ersten Takte von José González' neuem Album »Vestiges & Claws« – klanglich gut aufgefächert, komplett rauschfrei und absolut stabil in der kabellosen Übertragung. Das geht genauso gut auch direkt vom iPhone. Alle geeigneten Apple-Mobilgeräte lassen sich alternativ per Kabel am frontalen USB-Port digital verlustfrei einbinden. Angenehmer Nebeneffekt: Sie laden sich dabei auf. Durch die Denon Hi-Fi Remote-App sind diese iOS-Devices währenddessen weiterhin steuerbar und fungieren wie USB-Sticks beziehungsweise Festplatten. Solche USB-Datenträger können an diesem Port alternativ genutzt werden.

Die klare Frontgestaltung des DRA-100 wird durch ein OLED-Display ermöglicht, das stets Aufschluss über die gewählten Funktionen gibt.
Trotz des hohen Ausstattungsumfangs kann per sorgfältig gestalteter Fernbedienung zielgerichtet gesteuert werden.

Wer nicht im Apple-Kosmos unterwegs ist oder beispielsweise nur den Ton von YouTube-Videos hören möchte, wird durch eine umfassende Bluetooth-Ausstattung bedient. Auch hier wieder: Nach zügiger Erstinstallation in vier Schritten ertönen über den Denon-Netzwerk-Receiver die Audio-Signale verschiedener Apps und Streams. Bei NFC-fähigen Geräten geht es sogar noch flinker: einfach an den NFC-Sensor auf der Frontplatte halten – und schon ist die Verbindung hergestellt.

HiFi mit Hi-Res

Die kabellose Wiedergabe via Bluetooth dient wunderbar der angenehmen Unterhaltung oder komfortablen Nebenbei-Beschallung – aber damit ist der DRA-100 klanglich unterfordert. Er kann mehr. Deswegen füttern wir den Receiver für den konzentrierten Musikgenuss mit hochaufgelösten Dateien. Ein direkter Anschluss des MacBook via USB ist jedoch nicht möglich. Man könnte zwar auf die optischen/koaxialen Eingänge ausweichen, da es sich hier aber um einen Netzwerk-Receiver handelt, sollen die Dateien auch derartig eingespeist werden. Über die App wählen wir in der Rubrik »Music Server« komfortabel die gewünschten Titel an, die auf der Netzwerk-Festplatte im Nebenzimmer residieren.

Als untrügliche Gradmesser für gehobene klangliche Qualität dienen meine KEF LS 50 Referenz-Lautsprecher. Deren Empfindlichkeit gerät mit 85/db/w zwar nicht sonderlich hoch, aber damit geben sie einen realistischen Partner für den aparten DRA-100 ab, der im wirklichen Leben eher mit solchen hochwertigen Kompakt-Lautsprechern als potentiell wirkungsgrad-stärkeren Standboxen gepaart werden dürfte. Der Denon ist von Haus aus mit 70 Watt pro Kanal ausgestattet und verfügt an der diskret aufgebauten Ausgangsstufe über eine hauseigene DDFA-Technologie, die geringere Verzerrungen und höhere Rauschabstände gewährleisten soll. Derart präpariert zeigt der DRA-100 im Zusammenspiel mit den LS 50, wie gut Class-D-Verstärker heute klingen können. Alyn Coskers »Twitter And Bisted« ist musikalisch zwar eher im swingenden Altherren-Jazz beheimatet, aber exzellent aufgezeichnet: Von einer 24Bit/96 Kilohertz-ALAC-Datei gefüttert, lässt der Denon die Bläser äußerst zackig intonieren, bildet das hyperaktive Schlagzeugspiel detailfreudig und dynamisch ab und gibt auch den flinken Läufen des Bassisten den nötigen Raum sowie eine angemessene Schubkraft.

Diese agile Präsentation setzt der DRA-100 in einem handelsüblichen Wohnzimmer zusammen mit den kleinen Kompakt-Lautsprechern auf Wunsch auch erstaunlich pegelfest um – ohne besonders angestrengt zu wirken. Nur wenn die Quadratmeterzahl deutlich über 30 liegt, müsste man nachlegen: Dann lässt sich der Netzwerk-Receiver via »Analog Out« aber leicht durch eine weitere Endstufe, Aktiv-Lautsprecher oder Subwoofer kräftigen. Unter gewöhnlichen Umständen braucht man das aber nicht – da spielt der schmucke Denon ganz alleine überzeugend muskulös auf.

Das Mehrwege-Prinzip

Gerade bei Hi-Res-Dateien ist die Leistungsfähigkeit des hauseigenen WLAN von extremer Bedeutung. Schieben Sie es nicht auf den Denon, wenn es Aussetzer gibt – es liegt am WLAN. Falls dort Hürden auftreten, ist das aber kein Problem: Der DRA-100 verarbeitet hochauflösende Dateiformate auch direkt von einer USB-Festplatte, die am Front-Eingang ankert. Denn bei diesem Netzwerk-Receiver führt oft mehr als nur ein Weg zum Ziel.

Grundsätzlich pflegeleichter als bei großen hochauflösenden Files gerät die kabellose Wiedergabe im gewohnten 16 Bit/44,1 Kilohertz-Format. Thomas Newmans faszinierender »American Beauty«-Soundtrack begeistert auch als herkömmlicher CD-Rip durch die besonders feine Aufnahme-Qualität. Das markante Xylophone-Motiv und die rasanten Tablas bei »Dead Already« bildet der Denon präzise ab, kontrolliert druckvoll auf den Punkt, transparent, aber nicht überbrillant.
Daran dürften sein jitter-reduzierendes Master Clock Design sowie das Advanced AL 32 Processing ihren Anteil haben. Dabei werden Signale durch digitale Filter und Noise-Shaping nicht nur in der Auflösung auf 32 Bit erweitert, sondern durch ein intelligentes Upsampling auf bis zu 192 Kilohertz ergänzt. Störende Quantisierungsverzerrungen entfallen, was selbst in extrem leisen Musikpassagen zu einer störungsfreien Wiedergabe führt. Das Ergebnis: ein erheblich erweiterter Dynamikbereich.

Von diesen bisher den Denon-High End-Modellen vorbehaltenen Technologien profitiert der Netzwerk-Receiver erheblich. Doch damit nicht genug: Auch durch vergangene Generationen von Netzwerk-Playern, den jüngeren USB-DACs und dem kabellosen HEOS-System hat der traditionsreiche Konzern eine umfassende moderne Audio-Kompetenz aufgebaut, die sich bei dem rundherum gelungenen DRA-100 jetzt deutlich auszahlt.

Hersteller:   Denon, Japan

Vertrieb:   D+M Germany GmbH, Nettetal

Produkt:   DRA-100

Kategorie:   HiFi-Netzwerk-Receiver

Preis:   999 Euro

Garantie:   2 Jahre (3 Jahre bei Registrierung)

Eingänge:
2 x Digital Optisch TosLink
1 x Digital Koaxial
1 x USB-Port A
2 x Analog Cinch
1 x Ethernet

Ausgänge:
1 x Analog Stereo
1 x Analog Mono Subwoofer
1 x Kopfhörer Klinke 6,3 mm
1 x Lautsprecher-Paar

Fernbedienung:   1 x System-Fernbedienung  

App:   Denon Hi-Fi Remote (iOS/Android)

Ausführung:   Silber-Schwarz

Abmessungen (B x H x T):   28 x 11 x 34 cm

Gewicht:   4,8 kg

 

 

Denon Deutschland
Division of D&M Germany GmbH
An der Kleinbahn 18
41334 Nettetal

Tel.:   0 21 57 / 12 08 - 0

www.denon.de

 

 

Nie zuvor habe ich einen derartig praxisnah konzipierten modernen Netzwerk-HiFi-Baustein wie den Denon DRA-100 in Händen gehabt. Für jede Anforderung hat diese attraktive Komponente eine leicht umzusetzende Antwort – und gerne führen mehrere Wege zum Ziel. Das Gerät richtet sich nach dem Anwender und nicht umgekehrt. Ob Airplay, Bluetooth oder DLNA – der Denon verarbeitet alles klaglos und erscheint dank Hi-Res-Fähigkeit samt DSD zukunftssicher konzipiert. Darüber hinaus hat der DRA-100 die klassischen HiFi-Qualitäten des Hauses verinnerlicht und präsentiert diese in einem geschmackvoll schlichten, sehr hochwertigen Design. In seiner Gattung definitiv ein »Highlight«.    André Schwerdt

Denon DRA-100
Preis: 999
Garantie: 2 Jahre (3 Jahre bei Registrierung)
sehr gut
sehr gut
überragend
sehr gut

TEST

Verstärker:
Denon DRA-100
Autor:
André Schwerdt
Datum:
07.09.2015
Hersteller:
Denon