Der größte Regal-Lautsprecher der nuBox-Serie gilt als Nubert-Klassiker schlechthin. Wenn von diesem populären Dauerbrenner eine neue Version ansteht, dann sind alle gespannt – auch wir bei i-fidelity.net. Ist die neue nuBox 383 weiterhin das Maß aller Dinge unter 500 Euro?

Eine typische nuBox steht seit 20 Jahren exemplarisch für alles, was Nubert groß gemacht hat: überragender Klang-Gegenwert bei sachlicher Optik, die vorrangig akustischen Anforderungen gehorcht. Die weiteren Serien des schwäbischen Direktversenders sprechen auch die Freunde feingliedriger Gestaltung an – aber bei den nuBoxen gilt es, glasklar Prioritäten zu setzen: Und die heißen Klang und Preis.

Mit allen Konsequenzen: Denn dass die nuBox 383 zumindest in der Form aus einer anderen Zeit stammt, ist unübersehbar. Eine große, dicke Kompaktbox auf den Mainstream-Markt zu bringen, das traut sich heute kaum noch einer. Entweder schlank im Stand oder schmal im Regal – aber so etwas? Nubert schert es nicht. Schließlich will der mächtige 220-Millimeter-Tieftöner im Gehäuse untergebracht werden, denn der ist wichtig für den Klang. Und darum geht es Günther Nubert und seinem Team.

Auch wenn sich jetzt der Eindruck eingeschlichen haben mag, dass wir es hier mir einem hässlichen Entlein zu tun haben – das stimmt so nicht (mehr). Ja, die NuBox 383 ist weiterhin eine rechteckige Kiste ohne Zierrat und »Gedöns«. Aber die Neue ist sauber und praktisch gestaltet, mit seidenmatter Frontpartie, abnehmbarem Stoffgitter und – neben den Klassikern Schwarz und Schwarz/Silber -– auch in einer schönen Ebenholz-Ausführung erhältlich. Wenn eine Box einfach nur eine Box sein darf, spricht auch optisch nichts gegen diese kantige Anmutung.

Die in Europa gefertigten 383er sind Teil einer komplett neuen Serie und nehmen dort die Position des größten Kompakt-Lautsprechers ein. Dieser kann als einzelnes Stereo-Paar oder für größere Räume in der 2.1-Kombination mit Subwoofer verwendet werden. Genauso ist er als Bestandteil eines imposanten, harmonisch abgestimmten Surround-Sets denkbar. Alle zehn Modelle der aktuellen Reihe haben neue Chassis und Weichen erhalten, mitunter auch an Gewicht zugelegt.

Mehr ist mehr

In Sachen Frequenzweiche ist Nubert traditionell kein Vertreter der Philosophie einer maximalen Reduktion. So herrscht auch bei der nuBox 383 eine aufwändige Bestückung vor: Langzeitstabile Folienkondensatoren verrichten hier ihr Werk, zusätzliche Schaltkreise optimieren Impuls- und Phase zum Wohle eines gutes vertikalen Abstrahlverhaltens, die selbst regulierende Schutzschaltung sorgt für Sicherheit bei den wertvollen Chassis.

Im Hochtonbereich arbeitet eine neu entwickelte 25-Millimeter-Seidenkalotte, die von den Erfahrungen der preislich höher angesiedelten Serien nuLine und nuVero profitiert. Durch Ferrofluid-Kühlung der Schwingspule und Bedämpfung der Rückkammer soll ein besonders gutes Verhalten im kritischen Übergangsbereich zum ebenfalls neuen Tiefmitteltöner erzielt werden. Dieser ist mit 22 Zentimetern im Durchmesser ein recht gewaltiger Vertreter. Üblich sind in dieser Preis- und Formatklasse sonst nur 13 bis 17 Zentimeter große Chassis.

Hier gibt es aber nicht nur zählbar mehr für das Geld. Auch in Sachen anspruchsvoller Technik wird nicht gespart. Durch ein strömungsgünstiges Design und die großzügige Hinterlüftung der Zentrierspinne werden Kompressionseffekte vermieden. Die Konstruktionsweise des Treibers regt die Polypropylenmembran zu einem außergewöhnlich großen Hub an. Als Folge dieser Maßnahmen erreicht dieser Regallautsprecher eine sehr respektable untere Grenzfrequenz von 52 Hertz (-3 dB). Ein Wert, den manche Standbox vergeblich anstrebt.

Sicher verpackt

Seinem großen Format entsprechend sitzt der Tiefmitteltöner in einem üppig bemessenen Gehäuse aus 19-Millimeter-MDF-Platten. Zusätzliche Innenverstrebungen dienen der mechanischen Stabilität und Vermeidung von Gehäuseresonanzen. Zwei Bassreflex-Öffnungen auf der Rückseite wirken zusätzlich tieftonunterstützend, verlangen aber bei der Aufstellung nach einem geringen Abstand zur Wand.

Als Anschlussfeld finden wir ein Terminal mit Bi-Wiring/Bi-Amping-Möglichkeit. Ob das in dieser Preisklasse wirklich Sinn macht, könnte bei einer Revision des Speakers überdacht werden. Ich meine – eher nicht. Praxisorientiert hingegen ist die von Nubert in Form eines Kippschalters gerne angebotene Möglichkeit des klanglichen Fein-Tunings: unten = linear, oben = brillant. Das ist je nach Raum, Aufstellung, Klangmaterial und Vorlieben einzustellen. Beim Hörtest entschieden wir uns für den linearen Weg.

nuBox im Ring

Obwohl die nuBox 383 nominell als Regal-Lautsprecher geführt wird, haben wir für die Hörsessions eine freie Platzierung des 11-Kilo-Schwergewichts auf einem 60 Zentimeter hohen Metallständer gewählt – leicht eingewinkelt (ca. 15 Grad) in Richtung Hörplatz, 30 Stunden vorab eingespielt mit gemischtem Musikprogramm. Auf geht’s!

Die Wiedergabe des epischen Eröffnungstracks »Weight Of Love« vom jüngsten Album »Turn Blue« der Black Keys begeistert schon nach den ersten Takten. Beim Einsatz des Schlagzeugs verblüfft die – nicht zuletzt der Stärke des Bass-Schubs geschuldete – Glaubwürdigkeit der Wiedergabe. So muss ein Drum-Set klingen! Die charismatische Stimme von Dan Auerbach sowie seine elegischen Gitarrenlinien werden absolut involvierend übermittelt. Wie auch manche produktionstechnische Kniffe über die nuBox gut »erhörbar« werden – was nicht leicht ist, stellt das radiogerecht produzierte Album wahrlich kein audiophiles Kleinod dar.

Eine akustische Anpassung des Hochtonpegels kann mit dem kleinen Kippschalter vorgenommen werden.

Ganz anders Testmusik #2: Die von mir bei den letzten Norddeutschen HiFi-Tagen bei einer Vorführung entdeckte, formidabel aufgenommene CD »Book Of Days« (ECM) von Meredith Monk ist mit der sehr klerikalen Chormusik ein guter Gradmesser für Transparenz, Gelöstheit und Authentizität. Hier kann die nuBox punkten, denn die einzelnen Schichten der ineinander verwobenen Gesänge werden sauber aufgefächert und in ihrer Komplexität überzeugend differenziert dargeboten; von etwaiger Behäbigkeit keine Spur, stattdessen Analytik pur.

Bass-Kontrolle

Abrupter Stimmungswechsel: Auf der sehr jeep-orientierten, extrem basslastigen Abmischung der 12-Inch-Single von Erykah Badus erstem Hit »On & On« zeigt der kompakte Kraftprotz erneut, was tieftonseitig in ihm steckt. Sehr fett, voll und massig tönt es aus dem Lautsprecher, während gleichzeitig die Badu-Stimme samt Chorus zart und fragil über dem Bassfundament mäandert. Diese Kombination aus Agilität und Autorität wird auch im nächsten Stück deutlich: Bei Thomas Newmans »Dead Already« vom »American Beauty«-Soundtrack begeistert die luftige, schlackenlose Wiedergabe der behenden Tabla-Arbeit und der kleinteiligen Perkussion, während punktuell das Bassmotiv mächtig schiebt.

Und die Impulstreue? Mit den zackigen Handclaps auf Gil Scott-Herons »New York Is Killing Me« wird deutlich, dass die optisch eher gemütlich wirkende Box es auch in Sachen akustischer Beweglichkeit mit schlanker bestückten Vertretern aufnehmen kann. Und nebenbei hört man noch so manches Detail, das wahrlich nicht jeder Lautsprecher so fein herausschält. Insbesondere nicht in dieser Preisklasse. Dabei muss man keinesfalls immer im »Sweet Spot« sitzen. Auch außerhalb der optimalen Sitzposition verliert die Box wenig von ihrer Auflösungsfähigkeit. Die Bühne des trotz Basspower eher hell abgestimmten Lautsprechers bleibt immer beeindruckend groß.

Der volle Teller

Bei allen gespielten Musikstücken vermochte die nuBox den knapp 30 Quadratmeter großen Hörraum überzeugend zu füllen – auch wenn es mal lauter wurde. Denn dank gutem Wirkungsgrad (87 dB) und hoher Nennbelastbarkeit von 150 Watt hat der großvolumige Kompaktlautsprecher solide Reserven in puncto Pegelfähigkeit.
Nur wer in weitläufigen Gemächern residiert oder ausgiebige Bass-Festivals feiern möchte, sollte über ein größeres Modell (etwa nuBox 483 oder 683) oder die Ergänzung durch einen hauseigenen Subwoofer nachdenken. Unter landläufigen Bedingungen jedoch hinterlässt die nuBox 383 niemals ein Gefühl des Mangels. Im Gegenteil: Hier wird sehr reichlich ausgeteilt.

Impedanzminimum:   3,7 Ohm @ 198 Hz

Nennimpedanz (± 20% Toleranz):   4 Ohm

Empfindlichkeit:   90 dB (2,83 V / 1m; 500 - 5.000 Hz)

Hersteller:   Nubert, Schwäbisch-Gmünd

Modell:   nuBox 383

Kategorie:   Kompaktlautsprecher

Paarpreis:   438 Euro

Garantie:   5 Jahre

Konstruktionsprinzip:   Zwei Wege, Bassreflex

Bestückung:   1 x 25-mm-Kalotten-Hochtöner, 1 x 220-mm-Tiefmitteltöner

Terminal:   Bi-Wiring / Bi-Amping

Ausführungen:   Schwarz/Schwarz, Schwarz/Silber, Schwarz/Ebenholz

Abmessungen (B x H x T):   25 x 38 x 31 cm

Gewicht:   11 kg

 

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Die nuBox 383 ist durch und durch Nubert. Wer das Maximale für sein Erspartes will, liegt hier absolut richtig. Der Preisvorteil durch Direktvertrieb, die schwäbische Tüftelbesessenheit und das gelebte No-Nonsens-Prinzip ergeben einen sehr harmonischen Dreiklang. Viele andere Boxen sind kleiner, manche sind schöner, aber keine klingt besser. Für 219 Euro pro Stück kenne ich keinen Lautsprecher, der in Sachen Wiedergabequalität mit der nuBox 383 konkurrieren kann.   André Schwerdt

Nubert nuBox 383
Paarpreis: 438 Euro
Garantie: 5 Jahre
überragend
gut - sehr gut
sehr gut
überragend

TEST

Lautsprecher:
Nubert nuBox 383
Autor:
André Schwerdt
Datum:
19.08.2014
Hersteller:
Nubert