Seit 69 Jahren gibt es nun schon die Firma Sennheiser. Das Unternehmen hat in diesen Jahren Pionierarbeit in Sachen kabelgebundener Mikrophone und Kopfhörer geleistet. Mit dem HD 700 und dem HD 800 gibt es aktuell gleich zwei Modelle, die anspruchsvolle Hörer umgarnen.

Sennheisers Audio-Studiotechnik ist in Rundfunkanstalten seit jeher sehr gefragt. Darüber hinaus sind die Hannoveraner aber auch bekannt für die exquisite Bügelhörer-Wiedergabe für den heimischen Bereich. Man erinnere sich nur an den Sennheiser »Orpheus« von 1990, ein Kopfhörer-Röhrenverstärker-Konzept, welches seinerzeit klanglich Maßstäbe setzte, aber auch das Budget eines heutigen Mittelklassewagens verschlang. Erwähnenswert ist auch der erste Kopfhörer in Leichtbauweise anno 1968, der HD 414. Seine Produktion war ein großer Erfolg für Sennheiser: Ohne dieses Modell mit den markanten gelben Schaumstoffpolstern wäre HiFi für unterwegs nicht denkbar gewesen. Über zehn Millionen Exemplare (er wird bis heute produziert) sollen bereits über die Ladentheke gegangen sein.

Ab 2003 war der HD 650 das Sennheiser-Aushängeschild für die originalgetreue Klang-Reproduktion hochwertiger Musik. Seine Wandlertechnik wurde stets weiterentwickelt und verfeinert. Mit den dynamischen Bügel-Systemen HD 700 und HD 800 läutete Chef-Vordenker Axel Grell jetzt eine neue Ära mit innovativer Technologie ein. Ziel war es, linear über den gesamten Frequenzbereich bestmögliche Abhörergebnisse zu verwirklichen. Dynamik, Feinzeichnung und exaktes Timing in der Wiedergabe waren oberste Prämisse.

Die beiden offenen, Ohrmuschel-umschließenden Komponenten – in eine samtartige Mikrofaser-Polsterung eingehüllt – bieten ein äußerst komfortables Trageerlebnis. Der Bügel, sei es nun die Edelstahlvariante des HD 800 oder die wertige Kunststoff-Ausführung des 700er-Modells, bietet eine Stufen-Rasteinstellung zur optimalen Ohranpassung. Selbstredend gehören bei beiden Bauformen als Zuleitung nur symmetrische, abnehmbare und drei Meter lange Kabel aus versilbertem Kupfer zur Grundausstattung.

Alles, was sich als klangverschlechternder Kompromiss erweisen könnte, haben die Sennheiser-HD-Entwickler nach eigenen Angaben von vornherein außen vor gelassen. So gibt es für den Anschluss an die eigene HiFi-Anlage »nur« massive 6,3-Millimeter-Klinkenstecker, die es auch haptisch in sich haben. Charakteristisch für die Hörmuscheln ist ihr minimalistisches Design. Diese Konstruktion wird von einer soliden Lamellen-Bauweise getragen. Sie soll über hervorragende akustisch abschirmende Eigenschaften gegen Außengeräusche verfügen und das Kapsel-Gesamtgewicht beider Testkandidaten erheblich verringern.

Beim direkten Vergleich der beiden Kopfhörer-Modelle war zunächst zu beachten, dass die Abhörpegel am Kopfhörerverstärker Lehmann SE angesichts der unterschiedlichen Nennimpedanzen von 300 beziehungsweise 150 Ohm (HD700) exakt markiert werden mussten. Nur so war ein authentisches Ergebnis zu erwarten. Als Schalldruckpegel ergaben sich nämlich bei 1 Kilohertz (1Vrms) für den 800er 102 dB, beim HD 700 waren es drei Dezibel mehr.

Ein musikalisches Feuerwerk

Bei der Jazzband Flim & the BB’s spielt die Intensität der Klavier-Tastenanschläge in den unterschiedlichsten Nuancen eine entscheidende Rolle. Mit welcher Finesse oder mit welchem Nachdruck auf der Klaviatur »geklimpert« wird, bringen die Musiker bei dem Titel »Tricyle« vom gleichnamigen Album zum Ausdruck (180-Gramm-Vinyl-Box, DMP/ ESA27021). Wechselnde Tempi, irrsinnige Dynamik-Hüpfer beim Schlagzeug und dem Piano sowie lässig gezupfte Fünf-Saiten-Bass-Akkorde machten diesen Track bereits Anfang der 80er-Jahre zu einer unverwechselbaren Instrumental-Referenz. Die pfeilschnellen, auf den Punkt genauen Drum-Beats haben beim HD 800 eine Spur mehr Kraft, die »Einschläge« sind in ihrer Urgewalt unverwechselbar. Doch auch der HD 700 kann sich hören lassen, wie »Sweet Winds Of Change« von der gleichen Platte belegt. Es startet mit hauchzarten Perkussion-Takten, Luftigkeit und Fingerspitzengefühl kommen hier hörbar etwas präsenter zur Geltung.

»Pearls«: was für eine zehnsaitige-Suite!

Und weil der erste Hörtest so beeindruckend war, fahre ich instrumental mit einem formidablen Doppel-Bass und einer K.Yairi-Konzertgitarre fort. Tom Götze und Stephan Bormann sorgen bei ihren Darbietungen für ein beeindruckendes Klangspektrum. Sie bezeichnen sich selbst als 10-String-Orchestra. Die beiden zelebrieren mit ihren »Pearls« (Acoustic-Music CD 319.1501 2) sehr ausgesuchte Harmonie-Kostbarkeiten. Mit ihrer Saiten-Ausrüstung zupfen so drauf los … und lassen dabei lediglich Takte und Noten für sich sprechen. Ihre Klangfülle hört sich nach einer ganzen Saiten-Armada an.

Mit dem Stück »Breathless« legt das Gitarren-Duo einen äußerst gelungenen Start hin. Satte Bassläufe umgarnen feinsinnige Gitarren-Figuren. Bei diesem quirligen Thema versuchen sich die Kumpels regelrecht »gegensaitig« durch ihre Finger-Akrobatik zu überbieten. »Don’t Give Up« hat mir bereits im Original mit Peter Gabriel und Kate Bush sehr gut gefallen. Es ist einfach imposant, in welcher »Machart« dieser Track nun von den beiden Gitarristen neu interpretiert wird. Die Bassmelodie spielt bei Gabriels Singstimme die entscheidende »Geige«, per Akustik-Gitarre wird hier der Gesangspart von Kate Bush versiert inszeniert. Dazu benötigt das Duo keine Worte – die Instrumente sind hier wahrlich federführend. Dieser akustische Dialog hat was!

Dank seines 56 Millimeter großen Treibers bietet große Sennheiser eine aggressivere Bass-Performance und das vollere Grundton-Fundament, der kleinere Bruder hinterlässt hier einen etwas braveren Eindruck. Bei komplexen Passagen kommt mir persönlich die Harmonie des HD 700 jedoch mehr entgegen. Ein kritischer Tester darf aber ergänzend nicht unterschlagen, dass sich der Anpressdruck um das Ohr und die Polstergröße insgesamt doch indirekt zusätzlich im »Feeling« bemerkbar machten. Der erwachsenere »Große« vermittelt trotz seines Gewichts mehr »Leichtigkeit«, verrutscht aber öfters in relaxter Schräglage.

Hersteller:   Sennheiser, Hannover

Modell:   HD800

Kategorie:   High-End-Stereokopfhörer

Preis:   1.199 Euro

Garantie: 
  2 Jahre

Wandlersystem:
   dynamisch, offen

Nennimpedanz:   300 Ohm

Tragesystem:
   ohrumschließend/Kopfbügel

Anschlussstecker:   6,3-mm-Klinke

Länge der Zuleitung:
   3 Meter

Gewicht:   330 Gramm

Ausführung:
   Silber



Hersteller:   Sennheiser, Hannover

Modell:   HD700

Kategorie:   High-End-Stereokopfhörer

Preis:   599 Euro

Garantie:   2 Jahre

Wandlersystem:
   dynamisch, offen

Nennimpedanz:   150 Ohm

Tragesystem:   ohrumschließend/Kopfbügel

Anschlussstecker:
   6,3-mm-Klinke

Länge der Zuleitung:
   3 Meter

Gewicht:
   270 Gramm

Ausführung:
   Titan

Sennheiser electronic GmbH & Co. KG

Am Labor 1
30900 Wedemark

Internet:   www.sennheiser.de
E-Mail:   contact@sennheiser.com
Tel.:   03 92 03 / 7 27 87

Im Doppel-Blindvergleich mit verbundenen Augen steht der HD 800 etwas mehr über den Dingen, mit einem leichten Hang zum Sezieren und analytischen Tendenzen. Da machte es sich der HD700 von vornherein etwas leichter. Er kann und will seine Klang-Gene gar nicht verleugnen und hat deshalb einfach nur den Anspruch, als äußerst homogenes Gesamtkonzept betrachtet zu werden. Fällt also nach dem Anhören die Entscheidung für die kostengünstigere Alternative HD700, wäre das nicht verwunderlich. Nachdrücklich gilt allerdings für beide: Play-Taste des Players drücken und tiefenentspannt Musik genießen, denn mit einer der beiden Sennheiser-Lösungen trifft man garantiert die richtige Wahl.   Günter Brämswig

Sennheiser HD800
Preis: 1.199 Euro
Garantie: 2 Jahre
 
Sennheiser HD700
Preis: 599 Euro
Garantie: 2 Jahre

Sennheiser HD800

überragend
überragend
sehr gut
überragend

Sennheiser HD700

überragend
überragend
sehr gut
überragend

TEST

Kopfhörer:
Sennheiser HD700 und HD800
Autor:
Günter Brämswig
Datum:
28.04.2014
Hersteller:
Sennheiser