PC-Lautsprecher haben eines gemeinsam: Sie klingen fast immer blechern und sind mehr Notlösung als Komfortbringer. KEF beweist mit den X300A eindrucksvoll, dass es auch anders geht.

Was für eine Windows-Fehlermeldung oder eine E-Mail-Benachrichtigung noch ausreicht, ist für die Wiedergabe eines anspruchsvollen Violinkonzerts oder einer hochwertigen CD mit glasklarem Solo definitiv zu wenig: Computer-Lautsprecher sind fast immer überfordert, wenn es um akustische Glanzleistungen geht. Die Billigboxen machen Dienst nach Vorschrift, mehr aber auch nicht. Übernehmen sogar nur die im Monitor oder im Notebook integrierten Mini-Lautsprecher die komplette tonale Arbeit, dann lässt der ungeliebte Radiowecker vom Nachttisch grüßen: Der poltert und scheppert mehr, als dass Höhen, Tiefen und Stimmen als solche zu erkennen wären. Ein Albtraum!

Doch es gibt eine schicke Lösung, die selbst in Ihrem Büro ein Konzertsaal-Feeling aufkommen lässt, ohne dass Sie eine komplette Heimkino-Anlage und XXL-Boxen an Ihren Rechner anschließen müssen. KEF bietet seit kurzem unter der Bezeichnung X300A ein kompaktes Lautsprecherset an, das nicht nur extrem einfach und schnell einsatzbereit ist, sondern darüber hinaus mit den Abmaßen 28 mal 18 mal 24,3 Zentimeter (je Box) erstaunlich handliche Dimensionen aufweist. Einen ersten Hinweis darauf, dass hier Spitzenqualität und kein billiges Plastikprodukt zum Einsatz kommt, liefert das Gewicht. Jeder der beiden metallgrauen Lautsprecher bringt stolze 7,5 Kilogramm auf die Waage. Haben Sie schonmal so viel Masse (und wir nehmen es vorweg: auch Klasse) auf dem Schreibtisch stehen gehabt?

Jede der beiden Boxen besitzt ein eigenes Netzteil mit Ringkerntrafo – zwei Steckdosen sind also erforderlich, aber PC und Co. hängen in der Regel ohnehin an einer Steckerleiste. Die Art der Installation ist ein echter Clou – die Verbindung zum PC oder Mac erfolgt nämlich nicht über ein Klinkenkabel, sondern per USB-Strippe. KEF selbst spricht vom einfachen Plug and Play, und so ist es tatsächlich. Während der linke Lautsprecher direkt mit dem Computer in Verbindung tritt, kommunizieren die beiden X300A untereinander ebenfalls per USB.

Bevor Mac und Konsorten hochgefahren werden, müssen zunächst die Lautsprecher eingeschaltet werden. Der gravierende Vorteil der USB-Methode: Die 96 Kilohertz und die 24 Bit werden digital auf beide Boxen verteilt, ein qualitativer Verlust der Audio-Signale kann auf diese Weise gar nicht erst auftreten. Zusätzliches Plus der KEF-Konstruktion: Der integrierte D/A-Wandler der Boxen von Burr Brown übernimmt den Job des D/A-Wandlers im Rechner – das bürgt für optimale Ergebnisse und lässt darauf hoffen, dass auch die Songs von MP3-Playern, Smartphones und tragbaren Abspielgeräten optimal zur Geltung kommen. Diese digitalen Musikspeicher treten mit den X300A per 3,5-Millimeter-Klinkenstecker in Kontakt. Dazu später mehr.

Technik aus der Referenz Blade

Im stabilen und verwindungssteifen Aluminiumgehäuse wurden Twin Class A/B-Verstärker (50 Watt Bass / 20 Watt Hochton) mit Uni-QTreiberanordnung – bekannt aus dem Blade-Lautsprecher – verbaut. Weitere relevante Merkmale sind ein Aluminium-Kalottenhochtöner, eine analoge Frequenzweiche sowie der große Neodymium-Magnet, der Verzerrungen reduzieren will. Jeder Treiber hat einen Verstärker – so leiden die belüfteten Hochtöner nicht, wenn die Tieftöner an ihre Grenzen gebracht werden. Selbst Laien dürften an dieser Stelle merken, dass das neue KEF-Duo viel mehr ist als ein Lautsprechersystem aus der Computertechnik. Hier wurden hochwertige Komponenten verbaut, die die höchsten Ansprüche klangverwöhnter HiFi-Spezialisten erfüllen.

Unterstützt werden die X300A von allen Windows-Systemen ab Version XP, auf denen ein USB-Audiotreiber installiert ist, und von allen Macs mit Betriebssystem ab OS 10.6. Unter Windows werden die Boxen tatsächlich nur per USB angestöpselt, mehr ist nicht zu tun. Mac-Freunde rufen im Menü die »Systemeinstellungen« auf, klicken hier auf das Auswahlfeld »Sound«, dann auf die Registerkarte »Ausgabe« und wählen in der Liste den Eintrag »KEF X300A Lautsprecher« aus. KEF empfiehlt, die Verstärkung auf einen Minimalwert einzustellen und die Hauptlautstärke des Rechners voll aufzudrehen. Wer parallel zum Konzert mit seinem PC arbeitet, sollte die Systemklänge (Windows: »Systemsteuerung« -> »Sound« -> »Sounds« -> »Soundschema« -> »Keine Sounds«; Mac OS: »Systemeinstellungen« -> »Sound« -> »Soundeffekte« -> »Soundeffekte der Benutzerschnittstelle wiedergeben«) deaktivieren, sonst stört beispielsweise jede neu eintrudelnde Mail das audiophile Vergnügen.

Und wie klingen die beiden Soundstrahler nun? So unerwartet brachial und raumfüllend, dass selbst die Ehefrau spontan im Arbeitszimmer vorbeischaut und fragt, was denn hier abgeht. Schließlich ist es eine Rarität, dass die Start-Fanfare von Windows im ganzen Haus zu hören ist. Doch das ist nur das Vorspiel. Die, zumindest farblich grauen Mäuse mutieren beim Abspielen eines ersten probeweisen YouTube-Clips zum dröhnenden Elefanten. Das ist in etwa so, als würde erst eine Quietsche-Ente und danach Benjamin Blümchen eine Sporthalle betreten. Während das kleine gelbe Schwimmtier in klassischer PC-Lautsprecher-Manier nur leise fiepst und kaum zu hören ist, übernimmt der Jumbo den Job der KEF-Klangkünstler – mit ausreichend Wumms, Klangvolumen und Druck. So lässt die Gänsehaut nicht lange auf sich warten, als die Münchner Philharmoniker mit ihrem Chefdirigenten Maestro Lorin Maazel erst die britische, dann die bayerische und zum Schluss die Champions-League-Hymne intonieren. Bläser und Streicher verwischen plötzlich nicht mehr zu einer inhomogenen Klangmasse, sondern es kommt einem so vor, als würde jeder einzelne Musiker akustisch detailreich herausgearbeitet.

Jeder Einsatz klingt viel präziser …

… als bisher, das Ensemble erscheint so wach wie noch nie. YouTube-Filme bereiten endlich nicht mehr nur den Augen, sondern auch den Ohren Freude. Die Zeit, in denen solche Clips als nette Berieselung für Zwischendurch dienten oder gar nur nebenbei im Hintergrund liefen, sind vorbei. Die X300A lassen es nicht zu, überhört oder als Beiwerk betrachtet zu werden. Dafür sind sie viel zu dominant – und das ist wunderbar.

Für ihre überschaubare Größe spielen die Lautsprecher unwahrscheinlich warm und homogen, sie als PC-Boxen zu bezeichnen, wäre genauso skandalös wie zu behaupten, die Darbietungen der Philharmoniker wären ohne Lorin Maazel ähnlich imposant. Die KEF-Zwerge sind in der Wahl des Zuspiel-Mediums nicht pingelig – sie verarbeiten MP3-Dateien genauso phänomenal wie iTunes-Songs, CDs, DVDs oder Filmchen aus den diversen Online-Portalen. Spaß bereiten dabei immer wieder die satten Bässe – es ist doch deutlich schöner, wenn sich die Arbeitsplatte des Schreibtischs nicht unter den Akten biegt, sondern durch die Power der Lautsprecher in die Knie gezwungen wird.

Die KEF-Boxen eignen sich nicht nur perfekt, um PC und Mac auf Vordermann zu bringen, sondern verleihen auch dem Smartphone und dem MP3-Player Flügel. Wer ab und zu mal seinen Beamer im Wohnzimmer aufbaut, kennt das traurige Szenario, wenn das Bild zwar bombastisch, der Ton aber mega-mickrig ist. Auch in diesem Beispiel springen die X300A in die Bresche. Per Klinkenstecker ist das Lautsprecher-Paar blitzschnell angeschlossen und betriebsbereit und lässt es krachen, wenn auf der Leinwand geschossen, geflüchtet, geliebt, gejagt und gejubelt wird. i-fidelity.net hat es am Abend des DFB-Pokalendspiels selbst ausprobiert und war begeistert: Projektor im Keller aufgebaut, 20 Fußballverrückte vor der Leinwand, und für die perfekte Stadion-Atmosphäre sorgten die KEFlinge. Warum sollte man schwere und unhandliche Monsterboxen durchs Haus wuchten, wenn das kompakte Duo so hervorragend aufspielt und dafür am Ende der Vorführung stehende Ovationen erntet?

In einem solchen Fall, wenn ein größerer Raum beschallt werden soll, rät der Hersteller zum Gebrauch eines fünf Meter langen USB-Kabels, um die Lautsprecher in einem Abstand von zwei bis drei Metern Entfernung aufzustellen. Nur dann, und das ist plausibel, kommt der Stereoklang voll zur Geltung. Empfehlenswert ist jetzt das Setup »Stand« (Schiebeschalter auf der Gehäuserückseite). Demgegenüber eignet sich die Einstellung »Desk«, wenn die Boxen auf dem Schreibtisch platziert werden. So werden Reflexionen von der Tischplatte effektiv ausgebügelt. KEF zufolge ist der Schreibtisch auch das Haupteinsatzterritorium der Lautsprecher – hier sollen sie zudem Spieler erfreuen, die klanglich vom Geschehen auf dem Bildschirm gefesselt werden möchten, aber nicht extra eine Surround-Anlage aufbauen wollen.

Fürs Hören perfektioniert

Zum Lieferumfang gehört ein Paar Schaumstoffeinsätze. Mit diesem lässt sich die Bassausgabe den eigenen Wünschen anpassen. Stehen die Boxen nah an einer Wand, erweisen sich die Schaumstoffteile als nützlich, wenn der Klag dröhnt oder einen zu fetten Eindruck hinterlässt. Dann wird das Bassreflexrohr abgedämmt. Die Konfiguration lässt verschiedene Niveaus zu – der Schaumstoff besteht nämlich aus einem äußeren Ring und einem inneren Zylinder. Je nachdem, wieviel Füllmaterial verwendet wird, wird der Bass stärker oder weniger intensiv abgeschwächt.

Worauf gilt es bei der Inbetriebnahme der X300A noch zu achten? Glücklicherweise auf gar nichts. KEFs »Plug and Play«-Versprechen – anschließen und loslegen – bewahrheitet sich glücklicherweise in vollem Umfang. Die Klangqualität ist von Natur aus bombastisch. Wer trotzdem noch einen qualitativen Sprung erleben will, sollte dem Hersteller zufolge ein wenig mit JRiver (www.jriver.com) experimentieren. Dieser alternative Mediaplayer kommt mit nahezu jedem Format und Musik, DVDs, Videos und Fernsehen zurecht und ermöglicht die Verwaltung umfangreicher Mediensammlungen über eine einzige Anwendung. Innerhalb einer 30-tägigen Phase kann die Software kostenlos getestet werden. Für experimentierfreudige Tüftler eine nützliche Gelegenheit, Gutes noch ein bisschen besser zu machen und den KEF-Lautsprechern den letzten Feinschliff zu verpassen.

Hersteller:   KEF
Modell:   X300A
Kategorie:   Aktiv-Lautsprecher

Konstruktion:   Zweiwege-Bassreflex

Anschlüsse:   Digitaleingang Mini USB, Analog-Eingang 3,5 mm Stereo-Klinke

Abmessungen (B x H x T):   18,0 x 28,0 x 24,3 Zentimeter (mit Kühlkörper)
Gewicht:
   7,5 Kilo

Preis:   800 Euro
Garantie:   2 Jahre

GP Acoustics GmbH
Am Brambusch 22
44536 Lünen

Telefon:   +49 (0) 2 31 / 9 86 03 20

Internet:   www.kef.com/de

E-Mail:   info@gpaeu.com

Mit dem Boxen-Set X300A definiert KEF den Begriff PC-Lautsprecher völlig neu. Vergessen Sie das bisherige Bild von kümmerlichen Schreibtisch-Dosen, die Musik und Spiele nur widerwillig und dafür mit zweitklassiger Qualität ausspucken. Die KEF-Neuheit erweckt Ihre Musik, CDs, DVDs, iTunes-Schätze und YouTube-Clips aus dem akustischen Dornröschenschlaf. Sie erleben klangliche Dynamik, Bassvolumen und tonale Kraft in einem solchen Ausmaß, von dem Sie in Ihrem Arbeitszimmer bisher nicht mal zu träumen gewagt hätten. Dank der Kompaktheit lassen sich die Boxen überall dort einsetzen, wo ein Abspielgerät mit den Hufen scharrt. Wetten, dass Ihre gute alte HiFi-Anlage in Zukunft auf Ihren PC ein wenig eifersüchtig ist?     Jochen Wieloch

KEF X300A
Paarpreis: 800 Euro
Garantie: 2 Jahre
überragend
gut - sehr gut
sehr gut
sehr gut

TEST

Lautsprecher:
KEF X300A
Autor:
Jochen Wieloch
Datum:
01.07.2013
Hersteller:
KEF