Changing of the guard for the DAC-7: With the DAC-700, Vincent positions a thoroughly revised D/A converter as its »supreme guardian of euphony«. Does the new converter flagship live up to the claim?

Warum nicht immer so? Der Pianist Iiro Rantala arbeitet sich durch seine Komposition »Thinking Of Misty« und zieht den Hörer mitten hinein ins Geschehen. Auch wenn man schon lange weiß, warum es so ergiebig und wertvoll sein kann, sich mit hochwertigen Wiedergabeketten zu beschäftigen, bestätigt es der laufende Titel erneut eindrücklich. Denn wenn zur Musik passende Bilder im Kopf entstehen und die durchaus mögliche Leichtigkeit des Seins spürbar wird, dann ist das Equipment perfekt.

Natürlich ist es immer die Summe aller Teile, die den Ohren dieses Erlebnis bietet. Der Austausch einer Komponente verändert nämlich stets das ganze System: mal zum Guten und mal zum Schlechten. Da machen es Komponenten aus dem Hause Marantz den Testredakteuren seit Jahren meistens leicht, schlägt doch das Pendel höchst selten in die verkehrte Richtung aus. So war die Reaktion auf das Auftauchen des massiven Vollverstärkers PM-11S3 im i-fidelity.net-Hörraum positiv geprägt, auch wenn 27 Kilogramm Gewicht Ansprüche an den Manövrierer stellen.

Eine souveräne Erscheinung

Für rund 4.000 Euro wechselt der in Champagner-Gold oder Schwarz erhältliche Marantz den Besitzer. 36 Monate Garantie werden für einwandfreien Betrieb gewährt, die Erfahrung zeigt aber, dass die japanischen Komponenten definitiv zu den Langlebigeren zählen. Wunderbar ist, dass die Entwickler nach wie vor keine Experimente beim Design nötig haben. Der PM-11S3 ist unverwechselbar als edler Verstärker aus dem Hause Marantz zu erkennen. Rechts auf der Frontplatte befindet sich der große, runde Lautstärkeregler und links der passende Eingangswahlknopf. In der Mitte sitzt das traditionell rund eingefasste Display, das über die gewählte Quelle und den Pegel in Dezibel informiert. Dabei reicht die Einstellung von -100 dB bis 0 dB und dazwischen werden 0,5 dB-Schritte gemacht, was wohl am besten mit dem Wort »feinfühlig« zu beschreiben ist.

Weitere Grundeinstellungen wie Wahl der Lautsprechergruppe, Aktivierung der Klangregelung, Abschalten der Anzeige, Pegelabsenkung, Einschalten des Vorverstärkerausgangs, ausschließliche Nutzung als Endverstärker und die Umschaltung des Phonoeingangs zwischen MM und MC werden über insgesamt acht Taster vorgenommen, die beidseitig eines indirekt blau beleuchteten Vorsprungs sitzen. Auf dem zentralen Teil der Frontplatte finden sich dann noch Hauptnetzschalter und Kopfhörerausgang. Ein Teil dieser vielfältigen Funktionen kann auch mit der im Lieferumfang enthaltenen Fernbedienung gesteuert werden.

Das volle Programm

Im Zentrum der Rückseite befinden sich acht verkupferte Lautsprecheranschlüsse. Beim denkbaren Parallelbetrieb von zwei PM-11S3 kann also Bi-Amping realisiert werden. Dafür muss ein Schalter umgelegt und das »Floating Control Bus System« aktiviert werden. Dafür sind die Komponenten über ein 3,5-mm-Kabel miteinander zu verbinden. Über die Zuweisung einer Identifikationsnummer »ID« wird dann festgelegt, wer Herr »Master« im Hause ist. Bei den Eingängen geht es recht reichhaltig zu. Insgesamt gibt es sechs Hochpegeleingänge, fünf davon Cinch und einer symmetrisch mit XLR-Anschlussbuchsen. Marantz hält tatsächlich noch für zwei Aufnahmesysteme Recorder-Ausgangsbuchsen bereit. Schließlich gibt es noch einen Phonoeingang, der Signale sowohl von MM- als auch MC-Tonabnehmern entgegennimmt.

In puncto Bedienkomfort bietet der PM-11S3 übrigens eine ganze Reihe von Kleinigkeiten, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. So freut man sich beispielsweise darüber, dass der Pegel nach Drücken der »ATT«-Taste um -20 Dezibel sinkt. Mit einer simplen Tastenkombination können aber auch -40 dB oder die vollständige Abschaltung des Ausgangs realisiert werden. Ein weiteres Beispiel ist die indirekte blaue Beleuchtung. Wer sie aus Purismus-Gründen deaktivieren will, erledigt das ebenfalls per einfachen Tastendrucken. Das ist in der Marantz-Entwicklung wirklich sorgfältig durchdacht und anschließend umgesetzt worden.

Nach dem Öffnen des Gehäusedeckels sticht einem das aus hochreinem Kupfer gefertigte Innenchassis in die Augen. Zu den Hauptklangverantwortlichen zählt im Marantz-Team Ken Ishiwata, der neben seinem technischen Sachverstand vor allem ein sehr feines Gehör mitbringt. Seine Versuche führten schließlich zum weitgehenden Einsatz des teuren Materials. Selbst die Schrauben bilden dabei keine Ausnahme. Während sich die Vorverstärkersektion auf einer senkrecht montierten Platine befindet, die wenig Platz in Anspruch nimmt, dominieren die Bestandteile des Endverstärkers das Gehäuseinnere. Fast übersieht man dabei, dass auch die Stromversorgung des Pres überdurchschnittlich dimensioniert ist: 15.000 µF Siebkapazität sprechen eine deutliche Sprache.

Neben dem gekapselten 750-VA-Ringkerntransformator befinden sich zwei massive 22.000-µF-Elkos, welche die Energie zwischenspeichern und bei Bedarf blitzschnell zur Verfügung stellen. Zur eigentlichen Erzeugung der Leistung setzt Marantz zwei ICs ein, die direkt auf massiven Kühlblechen arbeiten. Marantz gibt die Leistung des PM-11S3 mit 100 Watt an acht Ohm und 200 Watt an vier Ohm an. Zu bescheiden, wie die i-fidelity.net-Kontrollmessung ergab, denn an vier Ohm stellt der Bolide 252 und an acht Ohm 160 Watt zur Verfügung. Da ist auch beim Betrieb mit leistungshungrigeren Lautsprechern kaum eine Einschränkung zu erwarten.

Schlüsseltechnologien

Marantz verwendet seit 20 Jahren eine »Hyper Dynamic Amplifier Module« getaufte Schaltung, die seit ihrer Einführung verschiedene Evolutionsstufen erlebt hat. Auf kürzestem Wege wird über eine Gegenkopplungsschleife ein Teil des Aus- mit dem Eingangssignal verglichen und Abweichungen ausgeregelt. Der Preis dafür ist ein geringerer Verstärkungsfaktor, der über zusätzliche Stufen wettgemacht wird. In der aktuellen Ausführung hat sich das Entwicklungsteam dabei besonders auf die Vorstufe konzentriert. Dem HDAM-3-Modul sind zusätzliche Regelstufen spendiert worden, die den Arbeitspunkt gegen Schwankungen stabil halten. Beim Vorgänger sind die Arbeitspunkte der Endstufe noch per Diode fixiert worden, aber auch hier arbeitet jetzt ein »Hyper-Dynamisches-Verstärker-Modul«. Es wird Zeit zu hören, was diese Maßnahmen gebracht haben.

Im Hörraum durfte sich der PM-11S3 über folgende Zuspieler freuen: Audionet VIP G3 und Marantz SA-KI Pearl, für analoge Signale war Clearaudios Anniversary zuständig. Bei den Lautsprechern stritten KEF Reference 205/2, Canton Reference 5.2 DC und die brandneue Dali Epicon 2 um die Gunst des Marantz, der sie allerdings ausnahmslos perfekt versorgte. Bei der Verkabelung kam ein Mix aus Oehlbach- und HMS-Produkten zum Einsatz, je nachdem, was sich harmonisch in die Kette einfügte.

»Privateering«, zu deutsch Kaperei, heißt das aktuelle Album von Mark Knopfler. Wir nehmen das Titelstück und freuen uns zunächst über das hohe Maß an Plastizität in der Wiedergabe. Hier hängt nichts durch oder wirkt schlapp. Auch wird klar, dass das natürliche akustische Eigenleben der Lautsprecher stark eingeschränkt wird. Der PM-11S3 bestimmt, was die Chassis machen. Diese Form von Kontrolle prägt auch den präzisen Eindruck, den der Marantz hier hinterlässt.

Starker Auftritt

Mit dem Henrik-Schwarz-Remix von Marie Boines »Vuoi Vuoi Mu« fordern wir deutlich mehr Leistung ab. Bereitwillig stellt sie der Marantz zur Verfügung. Erstaunlich ist das energetische Maß bei gleichzeitiger Kontrolle vor allem in den unteren Oktaven. Auch Details, die aufgrund der Wucht im Bass gerne mal aus dem hörbaren Spektrum verschwinden, bildet der PM11-S3 sorgfältig ab. Bei aller Arbeitslast bleibt ihm dennoch die Fähigkeit zur feinsten Stimmenabbildung erhalten. Ohne Frage ist das allerhöchstes Klangniveau.

Ein phänomenales Beispiel für die Natürlichkeit der Wiedergabe liefert der Marantz-Bolide mit »That Ole Devil Called Love«, gesungen von Etta James. Angefangen beim dezenten Besenwischen auf den Becken, dem perlenden Klavier, jedem Ton, der auf den Saiten der Gitarre sitzt, bis hin zum absolut realistischen Gesang. Das Ganze findet auf einer breiten und tiefen Bühne statt. Kommt das Signal von SACD, steigt der Anteil von Licht und Luft erheblich an. Liefert der Clearaudio Musik von der Schallplatte, gewinnt die Sendequalität beim musikalischen Fluss. Genreunabhängig liefert der Marantz PM-11S3 kontinuierliche klangliche Bestleistung.

Messwerte Vollverstärker Marantz PM 11S3

Leistung:
Nennleistung @ 4 Ohm (1% THD):   252 W
Nennleistung @ 8 Ohm (1% THD):   160 W

Verzerrungen:
Klirrfaktor (THD+N, 10 Watt @ 4 Ohm):   0,0075 %
IM-Verzerrungen SMPTE (5 Watt @ 4 Ohm):   0,030 %
IM-Verzerrungen CCIF (5 Watt @ 4 Ohm):   0,0018%
 
Störabstände:
Fremdspannung (- 20 kHz):   -104,0 dB
Geräuschspannung (A-bewertet):   -107,4 dB
 
Sonstige:
Obere Grenzfrequenz (-3dB / 10 W @ 4 Ohm):   166 kHz

Kanaldifferenz:   0,088 dB

Eingangswiderstand:   20,2 kOhm

DC-Ausgangs-Offset:   2,8 mV

Stromverbrauch:
Stand-by:   < 1 W
Leerlauf:   48 W

Abmessungen (B x H x T):  44 x 17 x 40 cm
Gewicht:   27 kg

Preis:   3.999 Euro
Garantie:   3 Jahre

 

Hersteller:   Marantz
Modell:
   PM-11S3
Kategorie:   Vollverstärker

Preis:   3.999 Euro
Garantie:   3 Jahre

Anschlüsse

Eingänge:   Phono MM/MC (inkl. Erdklemme), XLR (symmetrisch), CD, Line 1, Line 2, Tape 1, Tape 2, Endverstärker In, zweipolige Kaltgerätebuchse (Netz)
Ausgänge:   Vorverstärker, 2 x Tape (fix)

Optionen:
   Anschluss Fernbedienungskontrollkabel, Anschluss eines Parallelverstärkers PM-11S3 für Bi-Amping, Anschluss F.C.B.S-Leitungen

Möglichkeiten:
   Mute mit drei Werten einstellbar, Klangregelung über Menü, Klangregelung abschaltbar, Display abschaltbar, automatische Stand-by-Funktion aktivierbar

Ausführungen:
   Schwarz, Champagner

 

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Der Marantz PM-11S3 ist ein überragend klingender Vollverstärker. Kein Wunder, liegt seine technische Ausrüstung doch über dem Klassendurchschnitt. Hinzu kommen zahlreiche sinnvolle Ausstattungsmerkmale, die den Betrieb erleichtern und den Umgang sehr komfortabel machen. Es gibt neben dem Phonoeingang weitere sechs Hochpegeleingänge, von denen einer gar symmetrisch ist. Mit der beiliegenden Fernbedienung kann der Verstärker in fast allen Funktionen bequem vom Hörplatz aus gesteuert werden. Sogar die Parallelschaltung eines zweiten PM-11S3 ist möglich, um passende Lautsprecher im Bi-Amping-Betrieb anzusteuern. Bei der Betrachtung aller  Einzelaspekte bleibt zudem eines festzuhalten: Das Preis-/Leistungsverhältnis des Marantz PM-11S3 ist sensationell!   Olaf Sturm

Marantz PM-11S3
Preis: 3.999 Euro
Garantie: 3 Jahre
überragend
sehr gut
überragend
sehr gut
überragend

TEST

Verstärker:
Marantz PM-11S3
Autor:
Olaf Sturm
Datum:
25.09.2012
Hersteller:
Marantz