Mit der nuPro-Serie bietet der schwäbische Hersteller Nubert zwei kompakte Aktivmonitormodelle an. i-fidelity.net hat das Modell nuPro A-10 getestet.

Vom Regen in die Traufe oder anders gesagt vom im Computer eingebauten Breitbandlautsprecher zum externen Plastikböxchen-Duo für 39,99 Euro – für guten Klang in der Umgebung eines Rechners wird in der Regel nichts oder viel zu wenig getan. Argumente wie »Mehr brauche ich für Youtube-Videos nicht« oder »Meine Musiksammlung ist ohnehin nur MP3« setzen der Motivation nach genussvolleren Klängen ein jähes Ende. Ein schwerer Fehler, wie die Installation der neuen Nubert nuPro A-10 am iMac zeigen wird.

Ihren Bedarf an externen Zusatzlautsprechern hat zuerst die Fraktion der »Gamer« kundgetan. Ein »Ballerspiel« macht offensichtlich keinen Spaß, wenn der akustische Eindruck eher dem von auf dem Boden aufschlagenden Erbsen gleicht. Abhilfe schaffen überwiegend kleine, aus Kunststoff gefertigte Böxchen, die mit einem oder mehreren Breitbändern bestückt sind und sich die Unterstützung eines aktiven Subwoofers sichern. Solche 2.1-Sets können vor allem eines: Krach machen. Mit High Fidelity hat das nichts zu tun. Im Gegenteil, diese unerträgliche Form der Wiedergabe zerstört jeglichen Genuss.

Doch die Schar derer, die auch an ihrem Rechner gut und ansprechend Musikhören möchten, wird größer. Kein Wunder, denn wenn man sich beispielsweise die Kombination aus »Pure Music« mit der iTunes-Datenbank vor Ohren führt, gibt es nur noch minimale Kritik an der Performance. Vorausgesetzt, es steht ein passender Lautsprecher zur Verfügung. Von Computern kann das Signal per Kopfhörer- oder USB-Buchse abgezweigt werden. In jedem Fall braucht man zum Hören aber noch einen Leistungsverstärker. Ideal, wenn der gleich in den Lautsprecher eingebaut ist.

Limitierungen sind nicht erwünscht

In der Nubert nuPro A-10 arbeiten gleich zwei 60-Watt-Verstärker parallel. Einer treibt den Tiefmitteltöner an, der andere übernimmt den Hochtöner. Das logische Fehlen einer passiven Weiche macht den Nubert zu einem »vollaktiven« System. Im Kontrast dazu stehen Systeme, die einen Verstärker eingebaut haben, der seine Leistung an eine Passivweiche abgibt. In solchen Konstruktionen werden die Vorteile der Aktivtechnik aber nur eingeschränkt genutzt. Und wie wir aus Erfahrung wissen, kann Günther Nubert mit dem Wort »Kompromiss« absolut gar nichts anfangen.

Deswegen finden die 10er auch nicht vor einer beliebigen Supermarktkasse gestapelt zum Discountpreis wieder, sondern sie können im Direktvertrieb für 470 Euro das Paar in Schleiflack Weiß oder Anthrazit bei Nubert direkt erworben werden. An der Qualität der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen. Eine nuPro kann also problemlos auf dem Schreibtisch platziert werden. Signale nimmt sie, wie nicht anders zu erwarten, per Analogeingang und per USB entgegen. Damit erweitert sich der Einsatzbereich auch deutlich über den Computer hinaus. Ein CD-Spieler reicht beispielsweise als Quelle aus – und schon hat man eine ordentlich klingende Anlage fürs Büro oder Schlafzimmer.

Kein Blender

Nubert setzt zur Übertragung des Tiefmitteltons eine 12 Zentimeter durchmessende Polypropylenmembran ein. Eingespannt ist sie nicht wie preisklassenüblich in einen Kunststoff-, sondern in einen Aluminiumdruckgusskorb – bei Nubert wird eben nicht geschwindelt. Kleiner als üblich ist der 19 Millimeter große Kalottenhochtöner, der gegenüber den typischen 25 Millimeter-Ausführungen ein verbessertes Rundstrahlverhalten zeigen soll. Das Gitter vor dem Dom dient lediglich als Schutz, hat also mit zusätzlicher Dispersion nichts zu tun.

Beide Chassis sitzen in einem soliden, aus MDF gefertigten Gehäuse. Ein Klopftest zeigt, dass Resonanzen kaum entstehen. Das ist eine Voraussetzung für akustische Präzision bei der Wiedergabe. Aus dem Rahmen fallen die acht Bedienungsmöglichkeiten auf der Front, denn normalerweise finden sich bei einem Paar Lautsprecher insgesamt nur zwei: Netzschalter und Lautstärkesteller. Bei der nuPro A-10 gibt es darüber hinaus einen Eingangswahlschalter analog/USB, einen Tieftonregler sowie einen Hochtonregler und natürlich einen Einstellknopf für die Lautstärke – und zwar an jedem Lautsprecher.

Was wie das Gegenteil von »Plug & Play« wirkt, ist in der Tat außerst professionell. Denn steht ein Schreibtisch beispielsweise nur mit einer kurzen Seite an der Wand und ragt frei in den Raum, dann finden die beiden Lautsprecher unterschiedliche Arbeitsbedingungen vor. Mit den feinfühlig arbeitenden Stellknöpfen kann man diese Situation einfach ausgleichen. Darüber hinaus kann aber auch dem persönlichen Geschmack Rechnung getragen werden. In der Praxis haben sich diese Einstellmöglichkeiten hervorragend bewährt.

Dem Rechner Flötentöne beibringen

In der Tat geht einem schon beim ersten Titel aus dem aktuellen Unheilig-Album »Lichter der Stadt« im wahrsten Sinne des Wortes »Das Licht (Intro)« auf. Aufgrund des massiven Tieftonanteils sollten die nuPro A-10 vom Untergrund mit Gummiabsorbern entkoppelt werden. Ist das getan, fragt man sich, was die bisher für den »Computereinsatz« gedachten Lautsprecher eigentlich machen. Mit den Nuberts ist eine akustische Bühne in drei Dimensionen vorhanden. Und sie steht auf einem soliden Fundament. Der dichte Klangteppich verkommt nicht zum undefinierbaren Brei, sondern jeder Bestandteil wird korrekt abgebildet.

Auch mit anspruchsvollerem Material wie der »Suite« vom Tord Gustavsen Quartet geht die Nubert sensibel um. Klavier und Cello finden ein harmonisches Miteinander, das hinzustoßende Saxophon klingt nicht nur authentisch, sondern auch der Luftstrom kommt beim Hörer an. Hinzu kommt ein vernünftiger Größeneindruck, der mit faustgroßen Lautsprechern einfach nicht zu erzielen ist. Feinste Beckenschläge werden komplett aufgelöst – nicht das durchaus vorhandene Einzelne dominiert, sondern es entsteht ein musikalisches Ganzes. Das ist wirklich gehobenes HiFi für nicht mal 500 Euro.

Das alles schreit geradezu danach, eine DVD in den Rechner zu legen. So darf Leonard Cohen seine überragenden Titel von der DVD »Live In London« aufführen. Man wähle das Gitarren-Intro von »Who By The Fire« und staune. Präzise kommen die Töne der zwölfsaitigen Gitarre an, ganz vorsichtig ist der Keyboard-Teppich unterlegt. Das wirkt aufgrund des im Vergleich zu normalen Lautsprecher-Hörer-Distanzen verringerten Abstands sehr eindrucksvoll. Und es geht so weiter, denn spätestens beim Applaus des Publikums wähnt man sich als Zuschauer mittenndrin in der O2-Arena dabei. Cohens tiefes, sonores Organ kommt tadellos über die Lautsprecher, und auch der ihn begleitende Chor geht nicht unter. Keine Frage, das ist eine neue Dimension akustischen Erlebens am Computer. Vorausgesetzt, die an den Lautsprechern getroffenen Klangeinstellungen passen.

Nubert nuPro A-10

Kategorie:   Vollaktiver Zwei-Wege-Bassreflexlautsprecher

Chassis:   1 x 12-cm-Tiefmitteltöner, 1 x 19-mm-Hochtonkalotte
Verstärker:   2 x 60 Watt
Stromverbrauch Stand-by:   0,5 Watt

Merkmale:   Klangregler für Bass und Mittelhochton, Cincheingang (analog) und USB-Eingang

Lieferumfang

  • USB Kabel
  • Cinchkabel mono
  • Klinke 3,5 mm auf Cinchkabel (stereo)
  • Netzkabel
  • 1,5 m
  • 3,0 m
  • 1,5 m
  • 2,0 m


Ausführungen:   Schleiflack weiß, Schleiflack anthrazit

Abmessungen (B x H x T):   17 x 27 x 19 cm
Gewicht:   5 kg

Paarpreis:   470 Euro
Garantie:   5 Jahre

 

Nubert electronic GmbH
Goethestraße 69
73525 Schwäbisch Gmünd

Telefon: 08 00 / 6 82 37 80 Mo. – Fr. 10:00 – 18:00 Uhr; Sa. 09:00 – 13:00 Uhr

Telefon: 07171 - 92690-0
Telefax: 07171 - 92690-47


E-Mail: info@nubert.de
Internet: www.nubert.de

Die Nubert nuPro A-10 sind vielseitig einsetzbare Aktivlautsprecher, die überragend klingen. Der Anschluss kann analog per Cinch oder über USB erfolgen. Die vielfältigen Einstellmöglichkeiten schrecken möglicherweise die Plug & Play-Fraktion, sind aber für die optimierte Klangwiedergabe in jedem Fall zweckmäßig. Zu berücksichtigen ist auch eine veränderte optische Situation bei der Platzierung der Boxen links und rechts des Computerbildschirms, da die Nubert mit ihren knapp 30 Zentimetern fast dreimal höher ist als die typischen faustgroßen Böxchen. Wer das toleriert, bekommt eine Tonqualität, die bisher nur die Nubert nuPro A-10 bietet und die deshalb neue i-fidelity.net-Referenz wird.  Olaf Sturm

Nubert nuPro A-10
Paarpreis: 470 Euro
Garantie: 5 Jahre
überragend
überragend
sehr gut
überragend

TEST

Lautsprecher:
Nubert nuPro A-10
Autor:
Olaf Sturm
Datum:
10.04.2012
Hersteller:
Nubert