Was ist natürlich? Diese Frage ist fast schon philosophischer Natur. Technik- und TV-Experten, die auf der Suche nach perfekten Fernsehbildern sind, hat dieses Thema schon schlaflose Nächte bereitet. Das Online-Nachschlagewerk Wikipedia hat hierfür eine gute Erklärung parat: Etwas ist dann natürlich, wenn es den eigenen Erwartungen entspricht. Ob der Toshiba 42RV555D diesem hohen Anspruch an ein optimales Bild gerecht wird?

Claus Kleber wirkt zumindest schon mal ganz natürlich. Nicht nur von seiner Art her, auch optisch. Der Nachrichtenmann des ZDF sieht auf dem Toshiba-Display so aus wie im echten Leben auf dem Mainzer Lerchenberg. Gesunde Hautfarbe, weißes Hemd und dunkelbraune Krawatte – alles ist wie immer tadellos. Auch sein Markenzeichen, die Husky-blauen Augen, die Frauenherzen schneller schlagen lassen, strahlen kristallklar.

Auf digitalem Übertragungsweg wie jetzt liefert der 42-Zöller ein brillantes Bild. Die Schärfe ist knackig und die Raumtiefe überzeugend. Das Nachrichtenstudio vom »heute journal« erscheint nicht als plane Fläche, sondern räumlich – realistisch eben und somit auch natürlich. Auch die unter den Fotos und Logos eingeblendeten Schriften und Buchstaben sind perfekt zu erkennen – sauber und klar umrandet mit Kanten, die so glatt sind wie ein Baby-Popo. 

Details bietet der TV-Apparat mit LCD-Technik und Full-HD-Auflösung, also mit 1920 mal 1080 Pixeln, in ansprechender Zahl. Lediglich bei ähnlichen Farben und minimalen Abstufungen – beispielsweise in einem Schneefeld – fehlt ihm die letzte Perfektion. Aber hierbei handelt es sich nur um Nuancen, die die Harmonie des Bildes nicht negativ beeinflussen. Kleinere Probleme hat der Toshiba – unabhängig davon, auf welchem Weg er ein Signal empfängt – bei horizontalen Schwenks und Kamerafahrten. Die sind etwas unruhig und leicht ruckelig. Hier vermisst man bei dem Gerät mit 107 Zentimetern Bilddiagonale ein wenig Souveränität. Verwöhnte Augen stört das schon. Aber ansonsten schafft es der Japaner, dass man der guten alten Röhre nicht mehr nachtrauert.

Zumindest in der digitalen Welt. Analog sieht die Sache leider anders aus. Da gehen Klebers Natürlichkeit und Brillanz – optisch, nicht auf seine Formulierungen bezogen – verloren. Die Tiefe im Bild bleibt auf der Strecke, und die Schärfe reduziert sich. Weiche Konturen und Übergänge dominieren plötzlich. Und je nach Sender sehen menschliche Gesichter teilweise auch leicht krank und unecht aus. Schriften kämpfen an ihren Rändern mit mal mehr, mal weniger starken Ausfransungen, so, als hätte ein hungriger Studio-Mitarbeiter an den Lettern dezent herumgeknabbert. Wer einen schlechten Tintenstrahl-Drucker und grobfaseriges Papier benutzt, der dürfte diesen Effekt kennen. 

Trotz aller Kritik: Im Vergleich zu manch anderem Flachbildfernseher sind die Aufnahmen über ein analoges Kabel immer noch akzeptabel. Vielmehr offenbart der Japaner ein generelles Problem, mit dem die TV-Flundern der Zukunft zu kämpfen haben: Sie sind primär für hochauflösendes Fernsehen optimiert, die atemberaubende Darstellung analoger Bilder ist nicht ihre Stärke. Deshalb sollten Anhänger von Spielfilmen, Nachrichten, Sportübertragungen und TV-Serien – sofern noch nicht vorhanden – mit dem Gedanken spielen, beim Einsatz eines Flachbildfernsehers digitale Signale einzuspeisen. Der Toshiba 42RV555D dankt dies mit einem deutlich besseren Seh-Erlebnis und -Ergebnis. 

Das trifft auch dann zu, wenn man den integrierten DVB-T-Tuner für das sogenannte digitale Überallfernsehen verwendet. Dazu muss an den Toshiba, der sich bei Bedarf auch drehen lässt, lediglich noch eine geeignete DVB-T-Antenne angeschlossen werden. Im Test entpuppte sich ein aktives Modell mit integriertem Verstärker und separatem Stromanschluss als die bessere Variante. Dann fand der Fernseher auf Anhieb alle zur Verfügung stehenden Sender, die terrestrisch, also erdgebunden, verbreitet werden. Die Qualität des Nachfolgers des analogen Antennenfernsehens ist auf dem Toshiba-Display ausgezeichnet. Schärfe, Farbnatürlichkeit und Raumtiefe geben keinen Anlass zur Kritik. Und auf unschöne Artefakte verzichtet der 42-Zöller glücklicherweise komplett.

Die Fernbedienung des Toshibas liegt gut in der Hand. Verschiedene Bediengruppen sind sauber voneinander abgegrenzt, was die fehlerfreie Bedienung erleichtert.

Die Erstinbetriebnahme dieses Fernsehers ist auch von technischen Laien problemlos zu schaffen, egal, ob die Signale über Kabel oder DVB-T ins Gerät gelangen. Der Toshiba nimmt die neuen Nutzer sofort an die Hand, und sobald er weiß, in welchem Land er künftig arbeiten soll und welches die bevorzugte Sprache ist, erledigt er seine Aufgabe ganz alleine. Der Zuschauer kommt lediglich noch in den Genuss, sich die Sender nach seinem Gusto zu sortieren – ein feiner Service, schließlich sind in diesem Punkt die Geschmäcker ganz verschieden.

Nachrichten-affine Menschen, die auch im Zeitalter des Internets noch gerne und häufig den Videotext benutzen, kommen mit dem Toshiba ebenfalls auf ihre Kosten. Die Teletext-Darstellung ist erfrischend scharf und erlaubt es auch aus großer Entfernung, die aktuellen Bundesliga-Ergebnisse oder die Gästeliste bei Maybritt Illner bequem zu erkennen. So liefert der Toshiba ein plausibles Argument, auch in Zukunft auf das aus technischer Sicht antiquierte TV-Magazin zu setzen. Ebenfalls positiv ist, dass sich Unterseiten im Videotext separat aufrufen lassen. Vorbei sind also die Zeiten der elenden Warterei, als man sich im Schneckentempo beispielsweise im »ZDF-Politbarometer« quälend langsam von Unterseite zu Unterseite vorarbeiten musste und keinen Einfluss darauf hatte, wann denn am Bildschirm endlich etwas passierte. 

Auch die Japaner setzen auf das bewährte und inzwischen weit verbreitete System, bei dem der Anwender über unterschiedliche Farbtasten auf seiner Fernbedienung diverse Themen im Videotext aufrufen kann. Das vereinfacht die Navigation und erlaubt das schnelle Wechseln von ganzen Inhaltsblöcken.

Die Fernbedienung des Toshibas liegt bequem in der Hand. Ergonomisch wohl geformt, heißt es nüchtern im Fachjargon. Die silberfarbenen Seitenflanken verleihen dem Steuerstab einen gewissen Schick, und auch der Kunststoff zählt zur höherwertigen Sorte. Billig sieht wirklich ganz anders aus. Vielmehr beschreibt das Adjektiv »zeitlos« sehr gut den Charme des Signalgebers. Auch in zehn Jahren dürfte dieser noch en vogue erscheinen, ohne dass man sich an ihm auf dem Wohnzimmertisch satt gesehen hat. 

Die Tasten haben einen exakten Druckpunkt, was bewirkt, dass der Fernseher auf Befehle umgehend reagiert und man nicht wie wild herumdrücken muss, damit Claus Kleber endlich lauter redet. Alle wichtigen Funktionstasten, speziell die zum Weiterschalten und zum Verändern der Lautstärke, sind bequem ohne Umgreifen zu erreichen und haben ausreichend große Zwischenräume, sodass sich die Finger nicht in die Quere kommen. Zusätzlichen Komfort beschert der zentral angebrachte Steuerkreis.

Der Toshiba bietet vielfältige, vor allem praxisgerechte Anschlussmöglichkeiten.

Einzig und allein die Taste zum Umschalten zwischen Fernseher, DVD-Spieler und Regza-Link ist sehr winzig ausgefallen und verursacht ein wenig Fummelei. Da sie jedoch nur selten benötigt wird, ist dieser Umstand locker zu verkraften. Apropos Regza-Link: Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit, Geräte wie Fernseher und DVD-Spieler von Toshiba, die über HDMI miteinander verbunden sind, komfortabel mit einer Fernbedienung anzusprechen. Dazu muss im Einstellungs-Menü des 42RV555D jedoch das Feld »Regza-Link aktivieren« eingestellt sein. 

Ein Plus erntet der Signalgeber auch für die separate Taste, um zwischen unterschiedlichen Sendungs-Formaten zu wechseln. Im Test erledigte die Toshiba-Automatik das jedoch in Eigenregie fehlerfrei, sodass Claus Kleber in voller Schönheit und nicht mit verformtem Kopf auf dem Display erschien. Lediglich mit zwischengeschaltetem Kabel-Receiver musste man öfter mal manuell eingreifen, um eine Sendung im Breitbildmodus auch ebenso darzustellen. Meistens genügt ein Blick in die Einstell-Optionen des Receivers, um auch dieses Problem zu lösen.

Das Glück bequemer »Couch-Potatoes« machen zwei andere kleine Tasten auf der Fernbedienung perfekt: Eine erlaubt das Auswählen der unterschiedlichen Signalquellen wie HDMI, PC oder Scart, mit der anderen lassen sich verschiedene Bildvoreinstellungen abrufen. Hierauf sollte man nach der Inbetriebnahme des Gerätes unbedingt mal einen Blick werfen. Fast alle TV-Apparate, so auch der Toshiba, sind von Geburt aus auf »Dynamisch« eingestellt. Dann  sieht Claus Klebers Nachrichtenstudio so bunt und knallig wie ein Süßigkeitenladen aus, und der grüne Rasen in einem Fußball-Stadion wirkt, als sei er nuklear verseucht worden. Der Dynamik-Modus hat einzig und allein einen Zweck: Er dient dazu, dass ein Fernseher in großen Elektromärkten mit der Konkurrenz um die Wette strahlen kann. Helligkeit, Kontrast und Farbsättigung sind hier sehr weit nach oben gedreht. Deutlich natürlichere Ergebnisse erhält man, wenn man sich im Toshiba-Menü für die Modi »Nutzer normal« oder »Nutzer standard« entscheidet. Die unterscheiden sich ein wenig in der Helligkeit, und letztendlich dürfte der individuelle Geschmack darüber entscheiden, zu welcher Variante man sich eher hingezogen fühlt.

Die Menüführung am Bildschirm erleichtert die Einstellungen für das »Beste Bild« erheblich.

Einstellungen im Menü überfordern den Zuschauer auf keinen Fall. Dieses ist farblich sehr ansprechend gestaltet, und die Bedienung ergibt sich durch große Symbole fast von selbst. Das Praktische hierbei ist: Das Menü verdeckt nur einen kleinen Teil des Bildes. So kann man jederzeit gut erkennen, ob sich das Justieren an bestimmten Parametern eher positiv oder negativ auswirkt.

Herumspielen sollte man unbedingt einmal mit der »MPEG-Rauschreduzierung«. Bei der DVD-Wiedergabe sorgt sie für eine minimale Kantenglättung. Im normalen TV-Betrieb ist es aber ratsam, diese Funktion zu deaktivieren, denn sonst droht wie im Test ein deutlich unschärferes Bild. Weichere Konturen schafft auch die Digitale Rauschminderung »DNR«. Je nach eingestellter Stufe kann sie unschöne und störende Effekte zugunsten der Schärfe reduzieren. 

Sinnvoll ist die Aktivierung des Feldes »4:3-Vollformat«. Dann werden Sendungen, die noch im 4:3-Format ausgestrahlt werden, automatisch bildschirmfüllend aufgeblasen. Das ist ratsam, denn nur die wenigsten Zuschauer wollen auf ihrem TV-Riesen rechts und links schwarze Balken sehen.

Positiv ist auf jeden Fall auch die Zahl der Anschluss-Optionen. Drei HDMI-Anschlüsse – einer davon ist praktischerweise seitlich angebracht – sind zeitgemäß und zukunftssicher. So kann neben der Spiele-Konsole und dem DVD-Recorder auch gleich noch ein zusätzliches Gerät mit dem Toshiba kommunizieren, ohne dass es Gedrängel an der digitalen Buchse für Bild und Ton gibt. Wer von Claus Kleber gar nicht genug bekommt und sich mit Hingabe alte »heute journal«-Sendungen im Internet aufruft, der kann diese vom PC auch gleich auf seinen Fernseher übertragen. Einen entsprechenden VGA-Eingang bietet der schwarze Flachmann an. Hinzu kommen zwei Scart-Buchsen, eine davon ist mit RGB belegt, und eine Palette für Komponenten-Stecker. Eine ältere Video-Kamera, die ihre Bilder noch über S-Video überträgt, darf dem Toshiba ebenfalls gerne von der Seite näher kommen. Um dem 42-Zöller tonal noch etwas auf die Sprünge zu helfen, lässt sich ein Subwoofer separat anschließen.

Für den normalen TV-Alltag ist das allerdings nicht unbedingt nötig. Natürlich reißt der Toshiba bauartbedingt – ein Röhrenfernseher hat einfach deutlich mehr Klangkörper zu bieten – keine Bäume aus. Aber Nachrichtensprecher sind genauso klar und deutlich zu verstehen wie Schauspieler in Spielfilmen oder jubelnde Fans beim Fußball. Nur wer sein Wohnzimmer in ein Heimkino verwandeln möchte und die ganz große Ton-Kulisse liebt, dürfte den Japaner für etwas zu schwachbrüstig halten.

Optisch kommt der RV555D dem perfekten Kino-Feeling aber ganz nah. Nämlich dann, wenn er hochauflösendes Futter in Form einer Blu-ray verarbeiten darf. Sehr viel harmonischer als das, was der Japaner dann feil bietet, geht kaum. Da sehnt man sich keine Sekunde mehr nach dem gegenwärtigen PAL-Fernsehen. Die Zeichnung ist sehr fein und detailreich, die Farben sind stimmig, und auch der Schwarzwert ist absolut in Ordnung. Strandbilder von den Seychellen werden auf dem Toshiba-Display zum Erlebnis. Sandfelder sind keine toten Flächen, sondern werden durch Fußabdrücke, Muscheln und plastische Strukturen zum Leben erweckt. Ein Wasserfall in Zeitlupe setzt sich aus einzelnen Tröpfchen zusammen, und türkisblaues Meer wirkt so strahlend schön wie Claus Klebers Husky-blaue Augen. Das gesamte Bild-Management ist im HD-Betrieb perfekt abgestimmt: nicht zu hart und nicht zu weich, die Schärfe passt ganz einfach.

Lediglich bei der Raumtiefe könnte es noch ein wenig mehr sein. Einziger richtiger Kritikpunkt ist jedoch die Bewegungsdarstellung: Bei schnellen Schwenks geraten die Aufnahmen ins Stolpern, und die dadurch verursachte Unruhe ist störend. Für ausreichend Schärfe in der Bewegung sorgt das Bildverbesserungssystem Active Vision M100 HD, das in der Lage ist, 100 Hertz auch in Full-HD-Auflösung zu berechnen.

Einen äußerst positiven Eindruck hinterlässt der Flat-TV auch, wenn er Material nicht mehr von einer Blu-ray Scheibe, sondern von einer DVD zugespielt bekommt. Das sieht richtig klasse aus: tolle Farben, kein Bildrauschen – einfach Harmonie pur. Und auch Hauttöne, die Fernseher oft vor Probleme stellen, präsentiert der Japaner dann so wie im wahren Leben.

Kategorie: LCD-Fernseher 

Auflösung: 1920 x 1080 Pixel

Anschlüsse: 3 x HDMI, 2 x Scart, VGA, Digital-Audioausgang, YUV, Subwoofer-Ausgang, S-Video, AV, Common-Interface-Slot, Kopfhörer

Stromverbrauch Stand-by/Betrieb: 0,8/226 Watt 

Abmessungen (B x H x T): 101 x 69 x 31 Zentimeter (mit Fuß)

Gewicht: 24,6 Kilogramm

Mit Hilfe des Erst-Installations-Menü wir der Toshiba 42RV555D auf den Standort zugeschnitten.
Für jeden Kanal bestimmt das Gerät die Empfangsqualität.
Der elektronische Programmführer verrät Sendeinhalte und deren Startzeiten.
Dank zahlreicher Einstellmöglichkeiten kann die Bildwiedergabe des 42RV555D optimiert werden.
Ambitionierte können per Feineinstellung der Farben das Panel kalibrieren.
Außer Name und Anfangszeit findet sich zu jedem Eintrag auch eine Inhaltsangabe.

Der Toshiba besitzt das, was in Zeiten der Flachbildfernseher schon beinahe Seltenheitswert hat: einen Netzschalter, um das Gerät komplett vom Stromnetz zu nehmen. Das dürfte weniger Claus Kleber, sondern vielmehr dessen früheren ZDF-Kollegen Peter Lustig von der Kindersendung »Löwenzahn« freuen. Schließlich verabschiedete der sich stets mit »Abschalten nicht vergessen!«. Der Sender bemängelte das anfangs. Heute ist dieser letzte Gruß für TV-Zuschauer so, wie ein gutes Bild sein sollte: ganz natürlich.     Jochen Wieloch

Toshiba 42R555D
Preis: 999 Euro
Garantie: 2 Jahre
gut - sehr gut
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TEST

TV/Displays:
Toshiba 42RV555D
Autor:
Jochen Wieloch
Datum:
31.07.2009
Hersteller:
Toshiba