Für den Kauf eines AV-Receivers gibt es gute Gründe. Zukunftsfähigkeit und Unterstützung moderner Medien dürften ebenso eine Rolle spielen wie die beeindruckende Fülle an Features und die umfangreiche Ausstattung, die Technikversessene in den Bann zieht. Im Vordergrund steht zumeist der Wunsch, Musik und Filme in Surround zu genießen. Daher leuchtet es nicht sofort ein, wenn jemand ein Mehrkanalgerät ersteht, um weiterhin zweikanalig Musik zu hören. Erst auf Nachfrage stellt sich vielleicht heraus, dass dieser jemand deshalb mit Mehrkanal liebäugelt, weil er sich die Erweiterung seiner HiFi-Anlage zu einer Surround-Anlage offenhalten möchte.
AV-Receiver besitzen immense Einstellmöglichkeiten zur Beeinflussung des Klangs, was verwirren und Neulingen den Spaß an der Musik schnell verderben kann. Und sie sind, im Hinblick auf ihren gedachten Einsatzzweck, vor allem auf Mehrkanal-Wiedergabe ausgelegt. Mit dem Ergebnis einer oftmals eher dürftigen Stereo-Performance. Wieso sonst werden vermehrt wieder klanglich ansprechende und leicht zu bedienende Stereo-Kombis aus CD-Player und Verstärker angeboten, wenn AV-Receiver den Job genauso gut erledigen könnten?
Marantz entkräftigt etwaige Vorbehalte und Vorurteile und hilft beim Einstieg in die Welt des SR6005 mit einer übersichtlichen und gut gegliederten Bedienungsanleitung. Unterteilt in eine einfache Installationsanleitung, eine Anleitung für den Schnelleinstieg und eine für Fortgeschrittene, gelingt es auch Neulingen ohne Mühe, Quellgeräte und Lautsprecher anzuschließen und Musik zu genießen, ohne dass Frustration entsteht. Mit der Anleitung für Fortgeschrittene kann sich der Einsteiger dann nach und nach weiter vorwagen und mehr Details entdecken, bis er im Umgang mit dem Gerät vertraut ist. Hilfreich auf dieser Entdeckungstour ist dabei die aufgeräumte Front des SR6005, die außer dem Netzschalter nur Drehschalter für Lautstärke und Quellenwahl, das Display und eine Abdeckklappe beherbergt.
Der Blick darunter zeigt die präzise arbeitenden Funktionstasten und die Anschlüsse für Kopfhörer, Messmikrofon, USB, Camcorder und einen optischen Digitalanschluss. Die übersichtliche Anordnung der Bedienelemente und der leichte Zugang zu den Anschlüssen erleichtern den Umgang mit dem Gerät und den Anschluss von Quellgeräten erheblich. Bedauerlich ist nur, dass der SR6005 an dieser Stelle keinen HDMI-Eingang aufweist. Sämtliche HDMI-Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite, die durch die Unterteilung der Anschlüsse in Gruppen mit unterschiedlicher Markierung von Ein- und Ausgängen vor falschem Anschließen schützt.
Übersichtlich ist auch die Fernbedienung, mit der sich neben anderen Komponenten von Marantz auch ein iPod steuern lässt. Sie liegt gut in der Hand und unterstützt den Benutzer auch in abgedunkelten Räumen. Durch Druck auf einen seitlich angebrachten Schalter werden alle Tasten und das kleine Display für zwei Sekunden beleuchtet. Mit der Makrofunktion kann eine Folge von bis zu zehn Einzelbefehlen abgespeichert und durch ein einziges Kommando ersetzt werden.
Der SR6005 ist auch innen durchdacht und sauber aufgebaut. Ins Auge fällt sofort die riesige Platine für die digitale Signalverarbeitung, die eine ganze Reihe von Mikrochips beherbergt. Die leistungsfähigsten sind integrierte Schaltkreise von Analog Devices und Anchor Bay für die Audio- und Videosignalverarbeitung. Vertrauen in die klanglichen Fähigkeiten erwecken der riesige Trafo und die beiden Elektrolytkondensatoren mit zusammen 24000 µF Kapazität, die den sieben vollständig diskret aufgebauten Endstufen genug Energie liefern können, um die Lautsprecher auch bei schnellen und komplexen Musikpassagen problemlos zu treiben.
Klar, dass ein moderner AV-Receiver wie der SR6005 mit solchen Zutaten die ganze Bandbreite aktueller Tonformate von Dolby True HD bis hin zu DTS-HD Master Audio beherrscht. Klar auch, dass dank solcher Prozessorunterstützung mit Audyssey auch ein automatisches Verfahren zur Einmessung und Anpassung der Lautsprecher an die akustischen Gegebenheiten von Räumen zur Verfügung steht. Eingemessen, in einem der vielen Dolby- oder DTS-Modi betrieben oder einfach Pure-Direct genossen, saugt der Marantz die Musikdaten von iPod oder iPhone, USB-Stick oder einer externen Festplatte ein.
Voraussetzung dafür ist, dass ihm die Daten in einem der Formate WMA, WAV, MP3 und AAC dargereicht werden. Komprimierte, verlustfreie FLAC-Dateien mag er ebensowenig wie das Streamen von Musik aus dem Internet oder einer ins Ethernet eingebundenen Festplatte. HDMI unterstützt der Marantz in der Version 1.4a. Er kann damit 3D-Videoinformationen von Blu-ray Playern zu Fernsehern und Beamern übertragen und über den Audio-Return-Channel der HDMI-Verbindung den Fernsehton ausgeben. Der Marantz ist damit auf der Höhe der Zeit. Worüber sich auch Besitzer von in die Jahre gekommenen CD-Playern oder DAT-Rekordern freuen dürfen, denn auch die Digital-Analog-Umsetzer sind auf dem neuesten Stand. Und über einen der zwei koaxialen oder drei optischen Eingänge angeschlossen, haucht ihnen der Marantz hörbar neues Leben ein.
Musikliebhaber, vor allem Digital-Fans, die sich mit dem Gedanken tragen, den Stereoverstärker gegen diese AV-Maschine einzutauschen, werden die technischen Möglichkeiten wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Damit die Gewöhnung nicht zu schwierig wird, werden sie am Anfang vielleicht die Pure-Direct-Taste am meisten schätzen, mit der alle Verbiegungstricks gnadenlos aus dem Signalweg verbannt werden. Und darüber nachdenken, wie sich die Musikwiedergabe durch konventionelle Methoden wie Bi-Amping oder eine externe Endstufe verbessern lässt. Der Marantz erlaubt beides, kann also im Falle von Bi-Amping Hoch- und Mittelton-Chassis sowie Tieftöner getrennt voneinander treiben, was zumindest theoretisch die Klangqualität erhöht. Für den Anschluss einer externen Endstufe hält der Marantz einen Mehrkanalausgang bereit. Einen Wehmutstropfen gibt es für Freunde der schwarzen Scheibe: Sie wird es schmerzen, dass Marantz beim SR6005 auf ein Phono-Modul verzichtet.
Um es vorwegzunehmen: Stereo klingt der SR6005 im Pure-Direct-Mode, also ohne zusätzliche Bassverstärkung oder andere Eingriffe in das Klangbild, am besten. Für den Hörvergleich wurde deshalb ausschließlich diese Betriebsart verwendet. Dabei behielt der SR6005 seinen analytischen Charakter und seine Vorliebe für satten Bass stets bei, egal ob die Musik vom USB-Stick, per Lichtleiter digital oder analog vom CD-Player kam.
Über USB ertönten die Stimme und das Gitarrenspiel von Mark Knopfler im CD-Ripp von »Remembrance Day« warm und ausgewogen, wenn auch leicht mit einem Schleier belegt und nicht ganz so frei und voll wie die Originalaufnahme. Dieser Eindruck bestätigte sich beim Song »Seagull« von Bad Company. Die Akustikgitarre klang flacher als beim Original, Zischlaute enthielten mehr Schärfe, als es auf der, trotz Remastering, klanglich nur durchschnittlichen CD ohnehin schon der Fall ist. Im Stück »Bad Company« verlor der Bass an Ortung, klang seinerseits leicht unscharf und aufgedickt.
Dass der SR6005 über USB auch anders klingen kann, demonstrierte er eindrucksvoll mit dem 24-Bit-Remaster von Marillions »Fugazi«. Ein Beweis dafür, dass nicht nur der Güte des CD-Ripps, sondern auch der ursprünglichen Auflösung des Musikmaterials bei USB-Zuspielung Bedeutung zukommt. Jetzt konnte der Marantz seine Vorliebe für knackigen Bass voll ausspielen. Zwar noch mit etwas Schärfe und Versatz in den Höhen, kamen Tief- und Mittelton bei »Incubus« mit Druck, sauber und trocken rüber, begeisterte Steve Rotherys virtuoses Gitarrensolo in »Jigsaw« beinahe ungetrübt.
Analog von der CD gehört, gewann der SR6005 trotz dieser Performance-Steigerung im USB-Durchgang insgesamt an Tiefe und Transparenz. Verloren ging nun auch einiges von der Schärfe, die vorher noch im Klangbild vorhanden war. Plötzlich wurde auch der Schleier angehoben, der bis dato das musikalische Geschehen bedeckte. Es war, als ob Luciano Pavarotti nun wie befreit und tiefer Luft holen konnte, um voller Inbrunst sein »Il gladiatore« zu schmettern.
Verglichen mit dem Wechsel von USB zu analoger CD-Wiedergabe, war der Unterschied zwischen analogem und digitalem CD-Eingang nicht mehr so groß. Verloren ging nun auch die letzte Schärfe, der Schleier wurde nicht nur angehoben, sondern gänzlich weggerissen. Knopflers Akustikgitarre erklang nun satt, voll und mit klaren Höhen, Bässe kamen punktgenau und standen felsenfest im Raum. Die leichten Vorteile, die der Marantz so noch gegenüber seinem Analogeingang verbuchen konnte, sprechen für die Qualität seiner Digital-Analog-Umsetzer.
Messwerte AV-Receiver Marantz SR 6005
Leistung:
Nennleistung @ 4 Ohm (1% THD): 207 W
Nennleistung @ 8 Ohm (1% THD): 138 W
Verzerrungen:
Klirrfaktor (THD+N, 10 Watt @ 4 Ohm): 0,010 %
IM-Verzerrungen SMPTE (5 Watt @ 4 Ohm): 0,035 %
IM-Verzerrungen CCIF (5 Watt @ 4 Ohm): 0,0025%
Störabstände:
Fremdspannung (- 20 kHz): -82,9 dB
Fremdspannung (- 250 kHz): -69,5 dB
Geräuschspannung (A-bewertet): -100,0 dB
Sonstige:
Obere Grenzfrequenz (-3dB / 10 W @ 4 Ohm): 157 kHz
Kanaldifferenz: 0,89 dB
Eingangswiderstand: 52 kOhm
DC-Ausgangs-Offset: 33 mV
Stromverbrauch:
Stand-by: 2,1 W
Leerlauf: 73 W
Abmessungen (B x H x T): 44 x 16 x 35 cm
Gewicht: 11,8 kg
Eingänge
Ausgänge
Sonstige
Signalverarbeitung und vorhandene Decoder
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Der Marantz SR6005 besticht mit überzeugender Stereovorstellung, sinnvollen Anschlüssen und verlockenden Features. Zudem ist die Bedienstruktur im Sinne des Nutzers hervorragend gelöst. Damit ist er nicht nur ein richtig guter Ersatz für einen Vollverstärker, er macht auch nachhaltig Lust auf mehr (Kanäle). In den Varianten »Pure« und »Direct« gibt er Musik sehr authentisch und natürlich wieder. Marantz war, ist und bleibt auch mit dem AV-Receiver SR6005 – einem glatten Einser-Kandidaten – hochwertiger Klangqualität verpflichtet. Dafür sind sicher nicht nur Testredakteure dankbar. Ramon Harland
| Marantz SR6005 |
| Preis: 1.099 Euro |
| Garantie: 2 Jahre |