Es entspricht dem Zeitgeist, dass viele Vor- und Endverstärker heute ohne Phono-Eingang ausgeliefert werden. Wer sich dem klangvollen Genuss von Schallplatten hingeben möchte, braucht folglich einen Phonovorverstärker. Beispielsweise einen wie den Primare R32.

Die Auswahl an Phonovorverstärkern ist mittlerweile gefühlt identisch mit der auf dem Lautsprechermarkt. Mit anderen Worten: Ein gewaltiges Angebot steht der kleinen Schar derjenigen zur Verfügung, die nach wie vor – und i-fidelity.net findet vollkommen zu Recht – aus klanglichen Gründen an der Schallplatte als Tonträger festhalten. Unterschiedliche Ansprüche führen in logischer Konsequenz dazu, dass das Spektrum sehr breitbandig ist. Das beginnt mit zigarrettenschachtel-großen, zwischen 20 und 100 Euro kostenden Böxchen, die aus einem Hochpegeleingang einen für Phono geeigneten machen. Zielgruppe für diese »Notlösungen« sind zum Beispiel AV-Receiver-Besitzer, die zweimal im Jahr eine alte Pink-Floyd- oder Supertramp-LP auflegen und keinerlei Ansprüche an die Klangqualität stellen. Von diesem Einstiegspunkt an können Frequenz des Genusses und Verkaufspreis proportional fortgeführt werden. Bis zu dem Punkt, an dem man auch die 10.000-Euro-Hürde locker passiert hat.

Wo liegt die goldene Mitte?

Wer sich einen Phonovorverstärker zulegen möchte, tut das nicht im Affekt. Da werden vorab reichlich Informationen gesammelt, dann wird ausgiebig gehört und das Erlebte im Nachhinein mehrfach diskutiert. Keine Frage, bei der Phono-Thematik gehört der Weg immer zum Ziel. Wer sich ausschließlich um die Klangqualität kümmert, wird sicher schnell fündig. Es gibt genügend Vorverstärker für den Phonobetrieb, die keine 1.000 Euro kosten und hervorragende Ergebnisse liefern. Der BlackCube von Lehmannaudio sei an dieser Stelle stellvertretend genannt.

Wer neben der Klang- aber auch eine entsprechende äußere Erscheinungsqualität wünscht, der muss schon tiefer in die Tasche greifen und erreicht den vierstelligen Preisbereich sehr viel schneller, als den meisten lieb sein dürfte. Wie ein idealer Schnittpunkt aus Preis, Klang- und Verarbeitungsqualität sowie Optik aussieht, demonstriert zum wiederholten Male Primare. In den südschwedischen Wäldern, die einem Kommissar namens Kurt Wallander auch zum Aufklären von Verbrechen dienen, hat Primare seinen Firmensitz in der beschaulichen Stadt Växjö. Ende vergangenen Jahres ist i-fidelity.net vor Ort gewesen und hat die Eindrücke in einer Reportage festgehalten.

Audiophile Geräte-Bodenankopplung: Damit der Primare auch nicht im geringsten Maße über die bei vier Füßen sich zwangsläufig ergebenden Diagonalen wackeln kann, ist einfach ein solider Fuß weniger untergeschraubt. So lasten die neun Kilogramm Gewicht des Primare R32 zwangsweise auf einem Fuß-Trio, das nicht kippeln kann. Nur beim Anschließen muss man aufpassen, dass einem der Phono-Pre nicht über eine der hinteren Ecken »wegfällt«.
Geringer Platzbedarf: Die eigentliche Signalplatine des Primare R32 belegt gerade ein Viertel des Gehäuseinneren.

So leicht verschätzt man sich

Wer den Primare R32 zum ersten Mal sieht, läuft Gefahr, ihn einfach zu ignorieren. Produktgattung und Machart liefern genügend Gründe, um ihn schnell auf mehrere tausend Euro zu schätzen. Doch Achtung, die Verkaufspreisempfehlung liegt bei gerade mal 975 Euro. Wie funktioniert das denn? Ganz einfach, technische Entwicklung und Endkontrolle der Geräte erfolgt in Schweden, der große Schritt dazwischen in Asien. Inzwischen für viele Hersteller ein gängiger Prozess, aber einige versuchen noch immer, es zu verheimlichen. Dafür gibt es keinen Grund.

Das fast neun Kilogramm schwere Gehäuse des R32 ruht auf drei Füßen, was die Standfestigkeit nicht beeinträchtigt, aber in puncto Klangqualität von Vorteil sein kann: Weil nämlich keine sich überkreuzenden Diagonalen vorhanden sind, ruht das Gewicht definitiv auf einem Punkt. Ein »Kippeln« des Gehäuses, und sei es auch noch so minimal, ist unmöglich. Die Frontplatte ist High-End-Design pur: Im Zentrum sitzt das eingefräste Firmenlogo, darüber der Schriftzug, darunter die Typenbezeichnung – schlichte Eleganz aus dem Lehrbuch.

Doch Form ohne Inhalt?

Nach Abnehmen des Gerätedeckels wird der Laie stutzen, denn zwei Drittel des Gehäuses sind mit Luft gefüllt. Doch Obacht, das hat seine Richtigkeit. Wie eingangs erwähnt, finden viele Phonovorverstärker auf kleinster Fläche Platz. Das liegt daran, dass für die eigentliche Verstärkerschaltung nur eine kleine Platine notwendig ist. Da das Netzteil nicht unbedingt positiven Einfluss auf das Signal hat, wird es bei diesen Lösungen meist in einem separaten Gehäuse geliefert.

Warum sollte also in einem Primare R32 eine wesentlich größere Platine stecken? Dafür gibt es keinen Grund. Das Netzteil sitzt – durch eine zentral durch die Mitte des Geräts verlaufende Abschirmung getrennt – in der anderen Gehäusehälfte. Also dort, wo es den denkbar geringsten Einfluss auf die Schaltung hat. So wird das auch in den deutlich teureren Phonovorverstärkern anderer Produzenten gelöst.

Notwendige Anpassungen

Tonabnehmer gibt es in den unterschiedlichsten technischen Ausführungen. Entsprechend vielfältig sind die Anforderungen an einen Phonovorverstärker, was die Möglichkeiten der Einstellungen angeht. Beim R32 kann grundsätzlich zwischen MM- und MC-Tonabnehmern per Kippschalter auf der Rückseite gewählt werden. Die Verstärkungsfaktoren betragen 41,5 dB beziehungsweise 62 dB. Für den Betrieb eines Moving-Magnet-Systems mit sehr geringem Ausgangsstrom kann durch das Umstecken von zwei Steckbrücken im Inneren der MM-Faktor auf 46,5 dB angehoben werden.

Bei den Eingangsimpedanzen kann zwischen 10, 20, 50, 100, 200, 500 Ohm und 47 Kiloohm gewählt werden. Bis auf den ein oder anderen exotischen Tonabnehmer lassen sich mit diesen normalen Werten alle Abtaster korrekt betreiben. Sollte der exakt passende Wert nicht vorhanden sein, greift man zum Nächstliegenden. Beispielsweise ist Clearaudios MC-System Stradivari nach unserer Erfahrung ideal mit 300 Ohm Eingangsimpedanz zu betreiben. Beim Primare R32 stellt man dann einfach 200 Ohm ein. Über die Richtigkeit des gewählten Werts liefert ein Hörtest schnellen Aufschluss.

Einsatz des Primare R32

In der i-fidelity.net-Testanlage sollte der schicke Schwede die Signale des Clearaudio Stradivari entzerren, verstärken und das Hochpegelsignal an den Audionet SAM G2 weiterreichen. Von dort aus ging es per HMS Concertato zur KEF Reference 205/2. Dem Primare zur Seite standen der Smart Phono von Clearaudio und der Lehmann Audio Decade. Phono-Pres haben fast ausnahmslos die Eigenschaft, dass ihre Klangqualität mit permanenter Verweildauer am Netz stetig steigt.

Deswegen verfügt der Primare R32 auch nur auf der Rückseite über einen zentralen Netzschalter. Wer also stromsparend genießen möchte, kann den R32 nach dem Hören vollständig vom Netz trennen. Klanglich lautet die Empfehlung jedoch ganz klar: eingeschaltet lassen! Durch den Wechsel des zuleitenden Netzkabels lassen sich ebenfalls klangliche Unterschiede generieren. Den Einstieg kann man leicht mit einem Energia-Kabel von HMS machen, wir verwendeten nach einigem Probehören schließlich ein Cardas-Quadlink-Kabel.

Vielleicht ist es die Zeitlosigkeit, die dieses atmosphärisch eindrucksvolle Joni-Mitchell-Album nicht altern lässt, oder es ist die in jeder Hinsicht überlegene Qualität.

Sie soll sich auch weiter drehen

Zuerst rotiert »Night Ride Home« von Joni Mitchell auf dem massiven Teller des Clearaudio Anniversary. Gegenüber dem Smart Phono von Clearaudio geht der Primare mit mehr Esprit in die Wiedergabe. Die Stimme klingt natürlicher und ist auch lebendiger. Ganz ausgezeichnet ist auch die räumliche Abbildung, was der Vergleich mit dem Lehmannaudio Decade zeigt. Gegenüber den preiswerteren Lösungen punktet der R32 mit besserem Timing und groovigerem Rhythmus. Die Saiten des Basses sind trotz ihrer intensiven Wirkung kein bisschen übertrieben.

»La Forme« von Kraftwerk ist von LP gespielt ein beeindruckender Genuss. Tief, druckvoll und wunderbar rund spielt der Primare die Eingangssequenz. Insbesondere die stabile Energie im Klangbild lässt ihn sich zumindest von seinen preiswerten Mitbewerbern absetzen. Die elektronisch verzerrte Stimme klingt so, wie sie gedacht ist: künstlich.

Mit Aloe Blacc und seinem vielsagenden Titel »Loving You Is Killing Me« läuten wir die nächste Runde ein. Bei der Beschreibung des harmonischen Klangbilds, das der R32 bietet, beschleicht einem dieses gute Gefühl, dass der Primare ausschließlich das macht, was er machen soll: Musik. Die Stimme ist unverrückbar zwischen den Lautsprechern, der Refrain-Chor atmosphärisch unter- und teils hinterlegt.

Schließlich dreht sich »Dolphin Grace« von Larry Conklin auf dem Teller. Kein Redakteur hat mehr Lust, das Klangbild zu beschreiben – jeder möchte nur noch in Ruhe zuhören. Vielleicht beschreibt das das analoge Phänomen am besten. Die 180-Gramm-Pressung liefert viele kleine Details, die – wenn ihre Entdeckung dem Tonabnehmer gelungen ist – von einem Phonovorverstärker manchmal entweder tonal verändert oder sogar ganz eliminiert werden. Stellvertretend für alle anderen Titel kann man hier »Windrose« einsetzen. Gitarre, Flöte und Bongos gestalten das Stück. Der Primare R32 nimmt jede akustische Kleinigkeit – insbesondere des Saiteninstruments – zur Kenntnis und betont sie weder über noch unter. Mit anderen Worten wird hier Neutralität gewahrt. Diese Mischung aus klanglicher, verarbeiteter und optischer Qualität zu diesem Preis ist perfekt.

Primare R32

Kategorie:   Phono-Vorverstärker für MM- und MC-Systeme

Eingänge:   Cinch (vergoldet), Kaltgerätebuchse/Netz, Erde (GND)
Ausgänge:   Cinch (vergoldet)

Wählbare Eingangsimpedanzen:   10, 20, 50, 100, 200, 500, 47.000 Ohm (kanalgetrennt)
Ausgangsimpedanz:   100 Ohm

MM-/MC-Umschaltung:   Rückseitiger Kippschalter

Zentraler Netzschalter auf der Rückseite
Netz-Indikator-Leuchte auf der Frontplatte

Abmessungen (B x H x T):   43 x 38 x 10 cm
Gewicht:   9 kg

Ausführungen:   schwarz, silber

Preis:   975 Euro
Garantie:   2 Jahre

 

Schaut man von hinten auf die Kaltgerätebuchse des Primare R32, dann liegt die Phase auf dem linken Pol.

Exklusiver Primare-Vertrieb für Deutschland

Elac Electroacustic GmbH
Rendsburger Landstraße 215
24113 Kiel

Telefon:   +49(431) 647 740

E-Mail:   info(at)elac.com
Internet:   www.elac.com
Internet:   www.primare.net

Die Primare R32 ist ein in jeder Hinsicht gelungener Phonovorverstärker. Verarbeitung, Optik und Klangqualität bilden in Summe ein Produkt, für das an anderen Stellen sehr viel mehr Geld bezahlt werden muss. Die Einstellmöglichkeiten sind praxisgerecht, so dass sich die R32 in eine Vielzahl von Anlagen nahtlos einfügen lässt und eine stabile Brücke zwischen Plattenspieler und Vor- beziehungsweise Vollverstärker schlägt. Den Anforderungen für die i-fidelity.net-Highlight-Auszeichung wird die Primare R32 natürlich mit Leichtigkeit gerecht.   Olaf Sturm

Primare R32
Preis: 975 Euro
Garantie: 2 Jahre
sehr gut
gut - sehr gut
sehr gut
sehr gut

TEST

Verstärker:
Primare R32
Autor:
Olaf Sturm
Datum:
25.03.2011
Hersteller:
Primare