
Der vom Kopfhörer erzeugte Schall kann auch glücklicherweise nicht – wie von einigen um das Wohl ihrer Ohren besorgten Kollegen vermutet – dem Gehör schaden, denn er wird ja wiederum vom Umgebungslärm entkräftet. Selbst einer so hochentwickelten Technik ist eine gewisse Trägheit immanent, und so werden fast ausschließlich lang andauernde Geräusche gefiltert. Nein, Schüsse und Babygeschrei lassen sich nicht ausblenden. Doch jedwedes konstante Geräusch reduziert sich jedoch sofort nach dem Einschalten stark, nach einigen Sekunden nimmt der Effekt sogar noch zu. Eine stetige Nachberechnung verfeinert die Abstimmung, deren Wirkung so immer weiter verbessert wird.
Dank des umfassenden – und beiliegenden – Adaptersets ist inzwischen auch der Ersatzakku geladen, und so kann nun auch der lange Flug nach Übersee starten. Mittlerweile hat sich die Nachricht von dem Wunderkopfhörer herumgesprochen, und ich bin an diesem Morgen im Terminal einer der gefragtesten Gesprächspartner im Orchester. So viel Aufmerksamkeit ist schön!
Nachdem ich in der Boeing 747-400 dank des QuietComfort 3 zwei gemütliche Stunden in angenehmer Ruhe geschlafen habe, möchte ich jetzt auch wissen, was denn nun für Töne aus diesem Kopfhörer kommen. Dank des auch für diese Verbindung bereitliegenden Adaptersets kann man sich getrost von überteuerten und fürchterlich klirrenden Airline-Kopfhörern verabschieden – der Bose findet wirklich überall Anschluss.
Die in diesem Umfeld ungewohnte Ruhe sorgt dafür, dass ich nicht wie sonst üblich lauter, sondern gehörig leiser drehen muss: Die kleinste Stufe der Skala erweist sich als absolut ausreichend, und so freue ich mich, dass ich nicht gegen den Lärm anplärren muss, um den Bordfilm verfolgen zu können. Ebenso kann ich deutlich klarer als sonst verstehen, wenn ich angesprochen werde. Es ist mit dem QuietComfort 3 so, als läge dank der neuen Ruhe ein Kontrastfilter auf der Stimme meines Gegenübers – aber warum redet der so laut?
Da ich den Klang natürlich nicht nur anhand eines Onboard-Entertainment-Systems beschreiben und beurteilen mag (und darf), muss sich der Bose zu Hause erneut beweisen. Diesmal in relativer Ruhe und mit weitaus besseren Zuspielern. Zuerst ist ein mit Lossless-Daten gefütterter iPod Touch an der Reihe. Da der Bose aktiv arbeitet, benötigt er keine starken Ausgangsstufen, und so klingt Berlioz' »Symphonie Fantastique« (Rattle, Berliner Philharmoniker, EMI) auch an dem kleinen Portable erstaunlich erwachsen. Nicht künstlich im Bass aufgebläht wie bei vielen kleinen Kopfhörern, sondern schlicht erwachsen, groß, gesund. Insgesamt geht der Klang ein wenig in die warme Richtung, lässt beispielsweise Trompeten eher golden denn silbern strahlen und sorgt mit dieser durchaus angenehmen Abstimmung für beste Langzeitqualitäten. Zudem freut sich der iPod über die aktive Unterstützung durch den Kopfhörer und quittiert dies mit einer deutlich höheren Akkulaufzeit.
Zu guter Letzt – und auch, weil dieser Adapter natürlich ebenfalls mit im Paket liegt – verbandele ich den QuietComfort 3 noch mit dem Kopfhörerverstärker Black Cube Linear von Lehmann Audio. Und siehe (höre) da: Der Bose wächst weiter. Auch hier erlebe ich wieder das eher warme, minimal eingedunkelte Klangbild, nun aber mit deutlich gesteigerter Detailfülle. Die vielen schrägen Klangfarben auf Joranes »The you and the now« (EAN 002894762854) werden für einen so kleinen Hörer erstaunlich weit aufgefächert, der Bass verfügt über einen noblen Schub, und sogar der virtuelle Raum baut sich im Kopf überaus glaubhaft auf. Dass der kleine Bose also auch in Maßen High-End-tauglich ist, hätte ich zugegebenermaßen nicht vermutet.