
Mit den Jahren der Beschäftigung mit T+A ist beim Autor dieser Zeilen vor allem eines entstanden: Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Klangqualität der Produkte. Es wäre also eine Riesenüberraschung, wenn das beim CD 1260 R anders wäre. Und richtig, der Player braucht nur kurze Zeit, um zu beweisen, dass er in der höchsten Klasse mitspielt. Zunächst reaktivieren wir einen Test-Evergreen, der sich bei der Ausarbeitung von Klangunterschieden bis heute hervorragend eignet: »Perfect Sense (Parts I And II)« von Roger Waters in der Live-Version. Es gibt Player, die tonal alles richtig machen, aber von der Konzertatmosphäre nur Bruchstücke vermitteln. Das ist beim T+A gänzlich anders, denn der bildet die Bühne in ihrer Wuchtigkeit korrekt ab und platziert die Musiker in realer Aufstellung nebeneinander – wie der Vergleich mit Bildern von der DVD beweist. Seine eigentliche Tugend besteht aber darin, dass er das Publikum nicht einen Moment unter den Teppich kehrt – in wesentlicher Aspekt, wenn man eine Live-Aufnahme genießt.
Zudem gefällt die Art und Weise, wie er »Fluss« in die Musik bringt. Um festzustellen, ob das nur titelbezogen auftritt, darf als Nächstes »Shadows In The Rain« von Sting in den 1260 R. Man kann es nicht anders sagen, es ist große Klasse, wie der T+A auch mit diesem Stück umgeht. Blitzschnelle Impulse, kleinste Intonationsgeräusche und ein rhythmischer Bass, den man nicht nur mit den Ohren wahrnimmt. Im Vergleich mit dem Audionet ART G2 setzt sich der zwar mit etwas mehr Energie ab, dafür sind aber auch gleich 1.500 Euro mehr fällig. In punkto Stimmenwiedergabe ähneln sich die beiden sogar ein wenig. Cheryl Wheeler intoniert den Titel »So Far To Fall« sehr moderat. Der Titel lebt von der Spannung zwischen Bass, Gitarre und Stimme. Preiswertere Player bieten von dieser Qualität schlichtweg gar nichts, der Titel klingt auf ihnen abgespielt fade und total langweilig. Der 1260 R hingegen schafft es, das spannungsgeladene Dreieck akustisch zu transportieren. Dabei spielt Klangqualität nicht die einzige Rolle, man kann sich selbst dabei beobachten, wie die höhere Qualität der Wiedergabe für tiefere Entspannung beim Hörer sorgt – auch das kann High End.
Klanglich richtig spannend wird es mit Randy Crawford und Joe Sample, deren Titel »End Of The Line« swingt federleicht und präzise. Bei diesem Song nutzen wir die Umschaltung der Oversampling-Algorithmen sehr intensiv. Ergebnis: Die Filter eins und zwei eignen sich weniger zum Musikhören. Spannend ist hingegen der Vergleich von Filter 3 (Bezier-Interpolator mit IIR-Filter) und Filter 4 (Bezier-Interpolator), denn beide sind attraktiv. Bei der Dreier-Version klingt die Aufnahme mehr nach Jazz-Nachtclub, die Instrumente sind rund, als Hörer ist man weniger gefordert, sondern kann sich eher dem Genuss hingeben. Deutlich aktiver geht Nummer vier mit dem Stück um: exakte Raumausleuchtung, jedes Detail ist hörbar, Crawfords Stimme gewinnt an Ausdruckskraft durch mehr Klarheit bei der Artikulation. Es bleibt also in mehrfacher Hinsicht – das hängt natürlich von der eingelegten CD genauso wie von der Stimmung des Hörers ab – eine Frage des Charakters, welche Einstellung man wählt. Bei der Entscheidung für den T+A CD 1260 R gibt es allerdings überhaupt keine Hindernisse, im Gegenteil: Dieser Player ist deutlich audiophiler als sein Vorgänger und in seiner Preisklasse ungefährdete Spitze.