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Solche Endstufen lassen sich kaum mit großorchestriertem Programm aus der Reserve locken, es sind eher die feinen Töne, welche sie zum Stolpern verleiten. Also den Verstärker-Killer »Sailing Across Seven Seas« vom Silent Jazz Ensemble in den Player eingelegt und erwartet, dass sich die feinen Trommelschläge gleich zu Beginn in unbeholfenes Dinosaurier-Gewatschel verwandeln. Doch die Prisma 350 lässt sich dazu keineswegs herab, fein fächert sie jeden Schlag auf, und das mit einer sehr angenehmen Spannkraft, also der Qualität, die alle großartigen Verstärker auszeichnet.

Mit Coldplays aktuellem Album »Ghost Stories« lassen wir das Gespann von der Leine und erleben ein akustisches Feuerwerk der ästhetischen und nicht plumpen Art. Insbesondere gefällt uns die harmonische Verteilung der Energie im Spektrum – es entsteht ein Höreindruck, bei dem man meint, die Perreaux' würden bei der Musik, die sie eigentlich nur verstärken sollen, am liebsten mitmachen. Das gilt nicht nur, wie zu erwarten war, bei dem hymnenartigen »A Sky Full Of Stars«, sondern gerade auch beim filigranen »Midnight«. Hier schaffen SM6 MkII und Prisma 350 eine düstere Atmosphäre, die unter Beibehaltung der vielen akustischen Kleinigkeiten vor allem durch die fundamentale Leistung des Endverstärkers getragen wird – sensationell.

Bis in feinste Nuancen

Unverrückbar wird das klangliche Urteil schließlich mit »Green Lights« von Aloe Blacc, hier ist es das denkbar exzellent passende Zusammenspiel zwischen Blaccs Stimme und insbesondere Bass und Bläsern. Sicher, das wird im Tonstudio so gewollt worden sein, aber nur wenige High-End-Elektronik-Gerätschaften stellen diesen Wohlklang so perfekt wieder her wie dieses Duett aus Neuseeland – das hat Suchtpotential. Angenehm ist auch das entspannte Textverständnis, im Radio ein einziges Genuschel, hier ein Beispiel für klare Sprachkultur.

Nachdem der Hörparcours durchlaufen war und auch Klarheit über die Einstufung herrschte, trafen sich die Redakteure unverabredet im Hörraum wieder. Zum Schluss sollte jetzt doch noch einmal das Thema Leistung eine Rolle spielen. Also bitte, AC/DC live und »Hells Bells« jetzt mit dem Pegel, der auch Nachbarn glücklich macht. Brachiale Gewalt oder unbändiger Spaß, hier gehen die Urteile erstmals auseinander. Fest steht aber, dass das tobende River-Plate-Stadion mit Zehntausenden grölender Fans so authentisch wird, dass wir für das Erlebnis keine zusätzliche Bildinformation mehr benötigen. Wodurch lässt sich Leistung ersetzen? Klar, durch noch mehr Leistung!

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