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mit Hans Strassner, Geschäftsführer und Chefentwickler von HMS Elektronik

 

i-fidelity.net:   Nach knapp zwei Jahrzehnten bringt HMS den oder besser die Nachfolger der äußerst erfolgreichen Energia-Netzleiste auf den Markt. Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Qualität der öffentlichen Stromnetze in diesem Zeitraum entwickelt?
 
Hans Strassner:   Gar nicht gut, um es vorwegzunehmen. So vernünftig die Förderung erneuerbarer Energien auf der Erzeugerseite und der verbrauchsreduzierenden Maßnahmen wie Schaltnetzteilen, LED- und Sparlampen etc. auf der Verbraucherseite aus ökologischer Sicht auch sind – sie sind auch recht massive Quellen hochfrequenter Störungen (Stichwort Elektrosmog), und die tun dem Klang und auch der Bildqualität unserer ungeschützten Audio/Video-Anlagen gar nicht gut.
Für den technisch interessierten Leser: Anders als in herkömmlichen Kraftwerken, in denen die kreisrund laufenden Generatoren unseren 50-Hertz-Wechselstrom erzeugen, der nur mehrfach über Transformatoren – zwar verlustbehaftet, aber ohne nennenswertes Störpotential – umgespannt werden muss, erzeugen regenerative Energien wie Windkraft und Solaranlagen Gleichstrom, und zwar von ständig wechselnder Stärke. Dieser muss erst in 50-Hertz.Wechselstrom konstanter Spannung umgeformt werden. Dies geschieht in modernen Halbleiter- Wechselrichtern, recht ähnlich in der Methode wie bei den in der Audio-Technik eingesetzten Analog/Digital-Wandlern, aber eben auf einem extrem viel höheren Leistungsniveau. Die hier erzeugten sehr steilen Stromimpulse ständig wechselnder Dauer sind Ursache des Elektrosmog. Wer sich hiervon überzeugen möchte, gehe einmal mit einem Kofferradio in die Nähe eines gut beschienenen Solardaches: Der Mittelwellen- und Kurzwellenempfang wird erheblich gestört sein.


i-fidelity.net:
  Kommt da noch mehr auf uns zu?
 
Hans Strassner:   Oh ja, das Stichwort lautet Elektromobilität. Die Umkehrung der Wechselrichterfunktion nennt sich Laderegler, mit den gleichen Problemen in Richtung Elektrosmog. Laderegler sind nötig, um aus der Netzwechselspannung den Gleichstrom zur Batterieladung zu gewinnen. Auch die DC/DC-Laderegler, die Solardächer mit einem hauseigenen Batteriespeicher verbinden – eine künftig sicher häufiger anzutreffende Methode der Nutzung solarer Energie –, sind potentielle Elektrosmog-Quellen mit ihren Rückwirkungen auf die Netzqualität.


i-fidelity.net:   Das hört sich nicht wirklich gut an. Ist das jetzt alles?
 
Hans Strassner:   Nicht ganz, es gibt da noch die »Power Line Communication« (PLC). Dies ist eine Methode zur gleichzeitigen Nutzung von vorhandenen Netzleitungen auch als Datenübertragungsstrecke. Das Verfahren wurde mit dem aufkommenden Internet zunächst in USA untersucht. Man versprach sich hiervon, weiter entfernte Haushalte preiswert anbinden zu können, Stichwort: das Problem der letzten Meile. Allerdings zeigte sich eine massive Störung von Funkdiensten, wohl durch die in den USA überwiegend oberirdische Netzanbindung und die starke Antennenwirkung derselben. Das Projekt wurde eingestellt. Die in Deutschland laufenden Feldversuche scheiterten an der Tatsache, dass sich zum Beispiel Laternenmasten als Störstrahlung aussendende Antennen betätigten. Unabhängig davon, dass dieses Prinzip keinesfalls heutige Ansprüche an Datengeschwindigkeit hätte erfüllen können, ist dieser Kelch auch hier an uns vorübergegangen.
Übrig geblieben sind Kleinstleistungsanwendungen in Richtung »Devolo« und Babyphone. Für den High-Ender nicht wirklich eine Gefährdung, solange nicht die gleiche Netzsteigleitung für den Anschluss der HiFi/Videoanlagen benutzt wird.


i-fidelity.net:   Technischer Fortschritt hat also auch Schattenseiten?
 
Hans Strassner:   In Minderheitenanwendungsbereichen ist das nicht auszuschließen. Die heute hohe Innovationsgeschwindigkeit speziell in Massenmärkten erzwingt es, hohe Stückzahlen in kürzester Zeit absetzen zu können. Das geht leider meist nur noch über den Preis mit der Folge: nur so gut wie nötig, nicht aber so gut wie möglich.Die häufig negative Folge verschlechterter Netzstromqualität für HiFi und Video macht deshalb Nachbesserung vor Ort erforderlich, womit wir beim eigentlichen Thema »Netzfilterung« sind.
 

i-fidelity.net:   Was hat sich technisch an den neuen Leisten geändert?
 
Hans Strassner:   Nachdem wir 1996 die eingangs angesprochene Filterleiste Energia auf den Markt gebracht haben, hat sich vieles an der Netzqualität geändert, allerdings nicht überall. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob eine HiFi/Videoanlage im Stadtzentrum oder gar industrienah im Vergleich zu einer eher ländlichen Wohnlage zum Einsatz kommt.
Mit den Produkten Energia Definitiva und Energia RC haben wir dem Bedarf an deutlich höherer Filterungseffizienz bereits in der Zwischenzeit in den höheren Preisklassen Rechnung getragen (siehe auch i-fidelity Tests März 2009 und Juni 2010). Die neue Energia MkII konnte technologisch hiervon nun auch in der unteren Preisklasse erheblich profitieren.
Neu ist die Einzelplatzfilterung mit komponentenspezifisch optimierter Filterung und deutlich höherer Filtereffizienz. Erreicht haben wir dies, wenngleich in niedriger Polzahl und deshalb mit Abstrichen zu den Produkten Energia Definitiva und Energia RC, durch die Verwendung der gleichen, hochwertigen Filterwerkstoffe aus nanokristallinem Material.
Und noch etwas hat die Neue von ihren größeren Schwestern übernommen: In der Ausführung Energia MkII DCS ist unsere bewährte Gleichstromunterdrückung integriert. Eine bei den heute häufig asymmetrisch belasteten Netzen sehr klangförderliche Maßnahme, die nicht nur Trafobrummen unterdrückt.
Und last but not least – die Ausführung Energia MkII Extender erlaubt den auch nachträglichen Anschluss einer zweiten Verteilerleiste, wenn die ursprünglich gewählte Steckplatzanzahl zu klein geworden ist oder lange Netzkomponentenkabel bei weiter auseinander stehenden Komponenten vermieden werden sollen. Ein effektiver Blitz/Überspannungsschutz ist selbstverständlich.
 
 
i-fidelity.net:  Haben die Besitzer hochwertiger Anlagen inzwischen ein Verständnis für eine spezielle Netzversorgung entwickelt? Was meinen Sie?
 
Hans Strassner:   Davon ist auszugehen, denn der klangliche Vorteil ist ja nicht zu überhören. Dies trifft aber bei preiswertem Standard-HiFi in besonderer Weise zu, denn hier haben die Hersteller besonders scharf zu kalkulieren. Die Störfestigkeit der Netzteile leidet nicht selten darunter. Energia MkII Basic zielt in seiner Preisklasse speziell auf dieses Marktsegment.


i-fidelity.net:   Die klanglichen Auswirkungen mit den neuen HMS-Leisten sind in unseren Testzyklen zum Teil erheblich positiv gewesen. Können Sie uns aus dem technischen Blickwinkel sagen, woran das vor allem liegt?
 
Hans Strassner:   Hierzu etwas Grundsätzliches: Es gibt kein Filter, das den Klang einer Anlage verbessern kann, wenn denn nicht gleichzeitig eine klangverschlechternde Störung vorliegt. Und diese sind je nach Einsatzort, Tageszeit und Wochentag erheblich unterschiedlich.
Eine von unserer Kundschaft häufig zu hörende Aussage, von der ich hier eine amüsant geschilderte Version zitieren möchte, lautete: »Gestern Abend, und das lag nicht am Wein oder meiner Frau neben mir, spielte meine Anlage zum Verlieben – heute Mittag nur noch zum Verschenken. Woran liegt das denn?« Wir konnten diesem Paar helfen, die HiFi-Anlage spielt jetzt immer wie sonntagabends.
Ursache dieses Phänomens sind sogenannte durch Störungen provozierte TIM-Verzerrungen. Durch die Netzversorgung in die HiFi-Anlage eingetragene Störungen bilden hierbei meist den Löwenanteil.
Für Ihre an technischen Details interessierten Leser halten wir eine 20-seitige Broschüre als Druckstück oder PDF rund um das Thema Netzversorgung bereit. Diese ist telefonisch unter  0 21 71/ 73 40 06  oder über E-Mail:  mail@hmselektronik.com  kostenlos erhältlich.

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