• Genelec G Four
  • 5 7
  • Labor Genelec G Four Seite 6
  • Testergebnis Genelec G Four

Wer diese dynamische Fähigkeit und das weiträumig Bindende langer Spannungsbögen einmal mit den Genelecs probieren möchte, dem sei beispielsweise ein Album wie »Holon« von Nik Bärtschs Ronin ans Herz gelegt. Stücke wie »Modul 41-17« der feinen ECM-Aufnahme, die sonst die Tendenz haben, erst auf wirklich dicken Anlagen in ihrer Emotionalität wie live erlebbar zu sein, lassen einen mit der G Four nicht mehr los. Der sich langsam, aber scheinbar unendlich steigernde, treibende Rhythmus, den Nik Bärtsch aus Klavier-Oszinati zusammen mit dem Schlagzeug aufbaut, während funkiger Bass und Klarinette dazu improvisieren, explodiert förmlich nach fünf Minuten im ersten Tutti, wenn sich erstmals die vollständige Melodie manifestiert. Und man schaut fast verdutzt, wenn das Werk am Schluss wieder im Nichts verebbt.

Nichts bleibt im Verborgenen

Bei anderen Stücken merkten die Tester aber wieder die rein sachlichen Analyse-Möglichkeiten, die diese Studiomonitor-Ableger offenlegen. Etwa wenn es darum geht, Dynamik zu hören, also das Intervall zwischen Lautstärkeunterschieden. Eric Claptons alte »Slowhand« ist noch zu Analogzeiten entstanden und eine gute, in Sachen Dynamik kaum bearbeitete Aufnahme. Sein neues Album »Old Sock« klang zwar als hochauflösender Download von www.highresaudio.de deutlich sauberer, aber in Sachen natürlicher Dynamik im Vergleich zur alten Aufnahme komprimiert wie eine Presswurst. Eine Messung mit dem Dynamic Range Meter bestätigte den Höreindruck exakt: Die neue Aufnahme ist im Mittel 7 dB lauter und bietet noch einen offiziellen Dynamikumfang von DR9, das remasterte »Cocain« hingegen deutlich natürlichere DR13. Wenige Lautsprecher zeigten das so deutlich.

Insbesondere im Mitteltonbereich und bei der Stimmenwiedergabe erinnerten die Finnen an bekannte BBC-Monitore. Kein Wunder, wurden die ursprünglich ja für den gleichen Zweck entwickelt. Insbesondere Sprech- und Singstimmen gab die G Four mit einer fast greifbaren Präsenz wieder – man hat das Gefühl,  eher einen ganzen Kopf zu hören statt nur die Stimme. Auch passen die Größendarstellungen realistischer als bei vielen reinen HiFi-Lautsprechern, die vielmals dazu neigen, Stimmen etwas vergrößert darzustellen. Gerade sehr nah aufgenommene Stimmen wirken über die Genelecs verblüffend realistisch und konturiert abgebildet, ob es sich nun um eine klanglich unbehandelte Stimme handelte wie Ella Fitzgerald auf der guten alten »Ella & Louis« oder um moderne Aufnahmen wie die glockenklare keltische Stimme von Liz Madden auf »Rua«. Die wurde, wie seit den 80er-Jahren üblich, dezent komprimiert, gefiltert und mit den Oberwellen eines Exciters belegt. Diese Bearbeitung ließ sich schön hören, ohne dass die künstlichen harmonischen Oberwellen des Exciters und die Originalstimme auseinanderfielen, wie dies sonst bei sehr hochauflösenden High-End-Boxen passieren kann. Hier passte alles harmonisch zusammen, die akustisch modern, aber dezent aufgepeppte Singstimme stand wie eine Eins zwischen den Lautsprechern.

Aber auch technisch weniger gelungene Aufnahmen deckte die Genelec schonungslos auf. So hätte sich Kate Bush besser einen Recording-Ingenieur anstellen sollen statt alles in Eigenregie im Homestudio aufzunehmen. Zwar ist das Album »Aerial« musikalisch ein Geniestreich, aber Unsauberkeiten bei der Aufnahme vieler Instrumente oder fehlende Auflösung bei der Stimmaufnahme lassen sich, wie beim Hörtest deutlich erkennbar, nicht ohne Spuren selbst durch bestes Mixing und Mastering verbergen. Die G Four klang eben »ehrlich« und zeigte neben den Stärken von Aufnahmen auch ungehemmt deren Schwächen auf, ohne aber diese besonders hervorzuheben.

Trotzdem, wer eine »schön« klingende Box sucht, der liegt bei Genelec falsch. Und wer eine »analytische« Box sucht, um seine Aufnahmen förmlich zu sezieren, der liegt ebenfalls daneben. Wer aber sehr direkt und unverblümt seine Musik hören möchte, der liegt genau richtig. Noch etwas verblüffte beim Hören: der fast schon unglaublich weite Sweetspot. Selbst wenn sich die Tester deutlich aus der zentralen Hörachse bewegten, blieb die Abbildung der Bühne wie festgemeißelt stehen. Das Konzept mit dem rundlichen Gehäuse und der aufwendigen Phasenankopplung des Hochtöners an den Tiefmitteltöner scheint hervorragend aufzugehen.

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