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Mit der einmal konfigurierten, neutralen Kalibrierung konnten sich die Tester der Musikwiedergabe widmen. Also, Server an, Streaming-Player eingeschaltet, Verstärker auf Pure Direct geschaltet und los. Schon mit den ersten Noten von Daft Punks »Give Live Back To Music« machte die 8260A klar: »Oha, da geht was!« Ja, in der Tat zeigte das Riesengummibärchen ad hoc, dass es in einer höheren Liga spielte als seine kleine Schwester G Four, die bereits tolle Qualitäten offenbart hatte. Aber der herausragende, homogen über das gesamte Frequenzspektrum bis in den Tiefbass reichende und dabei kristallklare Mix des Albums »Random Access Memories« der französischen Musiker demonstrierte die Ausgewogenheit der Genelec ganz vorzüglich. Auch wenn die Tester die Lautstärke über Mietwohnung-taugliche Pegel steigerten, blieb die Koax-Konstruktion gelassen und vermittelte eine selten gelungene Balance aus Grob- und Feindynamik. Sie spielte dabei mit einer ausgezeichneten Autorität im Bass, so dass man kaum nach einem Subwoofer rufen wird. Schön tief reichte der präzise Bass ebenfalls und spiegelte die gemessenen 20 Hertz auch subjektiv wider. Das bestätigt, dass das Gruppenlaufzeit-Diagramm im Prospekt der Finnen nicht geschönt ist, sondern wirklich die Zeitfolge der Dreiwege-Box wunderbar bruchfrei abgestimmt ist.

Einer der Hauptgründe für eine Dreiwege-Box …

… ist die Tatsache, dass man die menschliche Stimme mit ihrem gesamten Spektrum über ein einziges Chassis übertragen kann, statt sie an irgendeiner Tonhöhe in zwei Teile zu zerlegen, um sie über verschiedene Wandler zu schicken, wie das bei Zweiwege-Systemen zwangsweise passiert. So legten die Tester nun unverfälschte Stimmen auf den virtuellen Plattenteller des Netzwerkplayers. Dusty Springfields Stimme auf »The Look Of Love« von Burt Bacharach vom Soundtrack-Album der alten »Casino Royal«-Bond-Persiflage aus den 60er-Jahren entstand vor digitalem Voice-Processing und sollte daher so klingen wie die einer Sängerin, die vor einem Mikrofon steht. Und genau das realisierte die 8060A: Fast greifbar stand die junge Dusty zwischen den Lautsprechern und hauchte den Testern in die Ohren… Gänsehaut inklusive.

Einen guten Test für die Raumabbildung und den »Boogie-Factor« bildet seit 1976 die gute alte »Jazz At The Pawnshop«. Der swingende Jazz im schwedischen Pub legt nur bei Systemen mit gutem Timing und ausreichend detailreicher Feindynamik eine flotte Sohle hin, so dass man nicht umhin kann, mit dem Fuß zu wippen. Darüber hinaus bringt diese Aufnahme auch während der Musik die Atmosphäre der Location rüber und nicht nur zwischen den Stücken. Für die großen Genelecs war das gar kein Problem. Trotzdem merkt man als geübter Hörer, dass es sich bei der 8260A primär um ein professionelles Werkzeug handelt, denn sie schien sich stets darum zu bemühen, nie mehr zu zeigen, als tatsächlich von der Aufnahme kommt – also keinen Glitter über die Becken zu streuen, Stimmen nicht wärmer klingen zu lassen als sie waren, einen Raum nicht zu vergrößern oder Konturen in der Abbildung mit deutlichem Strich nachzuziehen, wie dies manche HiFi- und High-End-Box gerne tut. Wie schon die kleine Genelec klingt auch das Topmodell der Serie primär ehrlich, aber eben auf allerhöchstem Niveau. Mit den Möglichkeiten des DSP lässt sich aber auch der 8060A gezielt ein wenig Geschmacksverstärker beimischen, wie und wo gewünscht.

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