
Da traf es sich gut, dass »Star Wars« kommerziell wirklich erfolgreich war und die Kassen klingeln ließ. Lucas und Burtt packten mit dem frisch verdienten Geld das Problem an der Wurzel: Sie stellten ein ganzes Entwicklungsteam für eigene Studios an. Diesem stand ein damals junger Ingenieur vor, der mit audiophilen Verstärkern und Phonoentzerrern schon ein wenig Ruhm in der HiFi-Szene geerntet hatte: Tomlinson Holman. Mit seinem Team entwickelte Holman die ersten Richtlinien für einheitliche Studiodesigns nach modernen Anforderungen und auf dem höchsten Stand der Technik Ende der 70er-Jahre. Dabei ging er ganzheitlich an die Aufgabe heran, vom Raumdesign über die Akustik und die Elektronik bis hin zum Lautsprecher. Das diente zunächst alles der eigenen Verwendung, allerdings bereitete das Team durch weitreichende Normenfestschreibung eine Vermarktung des Konzeptes auf globaler Basis vor – gemäß dem guten, alten amerikanischen Motto »Think Big«. Rechtzeitig zur Produktion von »Rückkehr der Jedi-Ritter« gründete die Lucasfilm Ltd. dann ihre THX-Division mit der Aufgabe, die gesamte Wiedergabekette vom Studio bis zum Kino zu vereinheitlichen und das Konzept zu vermarkten. »THX« heißt übrigens nichts, es hat keine Bedeutung und erinnert nur an Lucas' ersten Film. Alle Erklärungsversuche der Buchstabenkombination entstanden erst nach der Firmengründung
Sie fragen sich nun, wieso hier immer von Vereinheitlichen und nicht von Verbessern die Rede ist? Nun, hexen können selbst die Ingenieure von THX nicht. Ihre Leistung besteht tatsächlich im Aufstellen von Regeln für die Produktion und Re-Produktion auf der Basis bestehender Technologien. THX legt daher auch nicht den maximalen Maßstab, sondern einen – sehr hoch angesetzten – Minimal-Standard an. THX-Kinos sollen schließlich in der ganzen Welt gebaut und wirtschaftlich betrieben werden können. Die Messlatte liegt entsprechend hoch, kein »normal« ausgestattetes Kino kann mal eben eine THX-Lizenz beantragen.
Das THX-Konzept umfasst nahezu jeden Aspekt eines Kinos. Das beginnt bei so scheinbar banalen Dingen wie der maximalen Geräuschentwicklung der Klimaanlage, geht über die gesamte Beschallung und Projektion und endet bei der Bestuhlung. Diese muss sich stets akustisch ähnlich verhalten, um unabhängig von der Zahl der anwesenden Zuschauer gleiche Klangeigenschaften zu gewährleisten. Oberstes Ziel: Das Publikum im Kino soll exakt das sehen und hören, was die Kreativen im Film- und Tonstudio produzierten und somit ein unverfälschtes Werk erleben.
Nochmals zur Verdeutlichung: THX hat nichts mit der Tonaufzeichnung an sich zu tun, sondern nur mit der eigentlichen Reproduktion. Alle Maßnahmen von THX greifen nach der Bild- und Tonerzeugung, »A-Chain«, A-Kette nennt das der Fachmann. THX besetzt hingegen die »B-Chain«, die B-Kette. Diese beginnt beim Bild mit der Leinwand und beim Ton mit dem fertigen Signal aus dem Surround-Decoder. Alle Komponenten, die zum Einsatz kommen dürfen, müssen von THX vorher lizenziert werden und dürfen dann das begehrte Logo tragen. Dabei entwickelt das THX-Team immer mit einem oder mehreren Industriepartnern zusammen das erste Exemplar einer neuen Gattung. Einzig das für THX-Kinos erstmalig entwickelte Konzept teilaktiv angesteuerter Lautsprecher benötigte das Tomlinson Holman X-Over – die Frequenzweiche, die Lucasfilm in Kleinserie ursprünglich selbst fertigte.
