i-fidelity.net-Interview mit Audirvana-Chef Damien Plisson

Damien Plisson hat mit der Audirvana+-Software Mac-Nutzern ein softwarebasiertes, klangoptimierendes Werkzeug gegeben. Zeit für uns, mal nach nachzufragen, wo die Entwicklungsreise hingeht.

02.10.2017
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Damien Plisson ist der Gründer von Audirvana.

i-fidelity.net:   Was war genau passierte an dem Punkt, an dem Sie herausgefunden haben, dass Musik, die vom Computer gespielt wird, ernste Nachteile in der Klangqualität hat?

Damien Plisson:   Im Jahr 2010 war ich auf der Suche nach einer Software, die meine CD-Bibliothek auf dem Mac verwalten konnte und ich begann im Internet zu suchen, um ein passendes Produkt zu finden. Dann habe ich einen Player gefunden, dessen Macher behauptet haben, die Klangqualität des Mac zu verbessern, aber sein Preis war viel zu hoch für mich. Und ernsthaft: von Anfang an war ich sehr skeptisch gegenüber den Verbesserungsmöglichkeiten der Klangqualität per Software. Zu diesem Zeitpunkt war ich der festen Überzeugung, dass »Bits Bits« sind und das Digitalsignal immer perfekt über einen USB-Link gesendet wird. Als Software-Ingenieur habe ich mich dann aber entschlossen, dieses Vorurteil zu überprüfen. Dazu entwarf ich in meiner Freizeit ein Open Source Projekt namens Audirvana (Eine Kombination aus Audio + Nirvana). Die Resultate waren beeindruckend und in einigen Internetforen entstand ein regelrechter Hype.


i-fidelity.net:   Nur um den i-fidelity.net-Lesern eine einfache Idee zu geben: Was braucht man denn zur Nutzung von Audirvana Plus?

Damien Plisson:   Um Audirvana Plus zu benutzen, brauchen Sie einen Computer (derzeit ausschließlich einen Mac). Bereits beim Anschluss eines Kopfhörers an den analogen Ausgang des Macs beziehungsweise dessen integrierten Lautsprecher ist der Zugewinn deutlich vernehmbar. Das Anschließen eines externen DAC oder eines Hifi-Netzwerk-Players liefert ein noch höheres Potenzial und nahezu keiner möchte das beim Hören mehr missen.


i-fidelity.net:   Wird der Computer als Quelle eingesetzt, hört man immer noch vielfach den Satz: »Digital ist digital, gibt es keinen Unterschied«, was sagen Sie dazu?

Damien Plisson:   Im Computer-Audio ersetzt die Player-Software das CD-Laufwerk als Transport, die dann den DAC oder den Netzwerk-Player speist. Die Sicherstellung eines Bit-perfekten Ausgangssignals des ursprünglichen Audiosignals ist nur eine Voraussetzung, während die Bekämpfung von Jitter- und HF-Störungen damit natürlich nicht erledigt ist. Ein Computer ist eine elektrisches Gerät, folglich erzeugt er  klangschädliche Interferenzen, welche über die Kabel (USB, Power) und HF-Interferenzen in den analogen Teil des DACs gelangen. Menge und Art dieser Interferenzen sind auf die Machart eines Computers zurückzuführen. Gesteuert wird die Hardware durch die Software und je nach Art des Rechners ist das Störpotential gewaltig, was auch einfach daran liegt, dass IT-Entwickler in den seltensten Fällen etwas mit hochwertiger Musikwiedergabe anfangen können.


i-fidelity.net:   Pioneer und Onkyo haben gerade angekündigt, dass sie Audirvana Plus in einigen von dort Komponenten anbieten. Können Sie uns einige Informationen über diese Zusammenarbeit geben?

Damien Plisson:   Pioneer und Onkyo produzieren hochwertige HiFi-Netzwerkspieler und UPnP/DLNA-kompatible AV-Receiver. Audirvana Plus entwickelt die beste Klangqualität bei Fütterung mit sauberen Digitalsignalen. Gerade im Netzwerkbetrieb wird sich das bemerkbar machen. Pionier und Onkyo und Sonoro sind die Hersteller, die zu den ersten Unterstützern gehören. Bereits seit Monaten haben sie bei der Entwicklung von Audirvana Plus 3.1 geholfen. Da Jürgen Timm von Pioneer ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit war und ist,  liegt es natürlich nahe, dass die Technik im eigenen Haus zum Einsatz kommt.


i-fidelity.net:   Was sind die nächsten Schritte für Audirvana?

Damien Plisson:   Als Entwickler stelle ich mich immer wieder neuen Herausforderungen. Aktuell arbeite ich daran Audirvana Plus für Windows zu erstellen. Auch wenn ich auf der Mac-Plattform angefangen habe, möchte ich den Windows-Nutzern die Möglichkeit geben, von der gleichen Klangqualität zu profitieren.


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