

Mario Gebhardt, Entwicklungsleiter für Audioprodukte bei Beyerdynamic.
Im Bus, in der Bahn oder an Bord von Flugzeugen gelten andere akustische Gesetze als daheim im Wohnzimmer: Umweltgeräusche beeinträchtigen den Musikgenuss, akkubetriebene MP3-Player spielen an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Zudem fehlt es unterwegs nicht selten an der Muße, sich in wirklich authentischen, audiophilen Klang einzuhören. Typische Mobilkopfhörer neigen deshalb dazu, ihre Träger mit vordergründigen Effekten zu beeindrucken, sie nerven nach einiger Zeit und versuchen die akustischen Probleme mit ihrem eigenen Sound zu überspielen.
Beyerdynamic geht hier einen anderen Weg. Die neuen mobilen High-End-Kopfhörer des Heilbronner Audiospezialisten lassen nichts weg und fügen nichts hinzu, reklamiert Beyerdynamic für seine neuen Produkte. Statt des typischen künstlich »designten« Klangs soll der Träger einfach nur Musik hören, so wie sie aufgenommen wurde. Möglich mache dies die Tesla-Technologie, eine Eigenentwicklung aus der Heilbronner Klangschmiede. Benannt nach dem 1856 im heutigen Kroatien geborenen Elektro-Ingenieur Nikola Tesla soll sie für hohe magnetische Flussdichte sorgen. Oder anders ausgedrückt: für einen besonders kraftvollen Antrieb der Schwingspule im Kopfhörer.
Den Namen Tesla wählten die Ingenieure aus gutem Grund. Der Wegbereiter des Wechselstroms und Urvater unserer modernen Energieversorgung war fasziniert von scheinbar unlösbaren Problemen. So experimentierte er früh mit kabelloser Energieübertragung und schickte Morsezeichen per Funk über viele Kilometer – Jahre bevor Guglielmo Marconi und Ferdinand Braun für ihre Entwicklung der drahtlosen Telegrafie einen Nobelpreis bekamen.
Auch der Mobilkopfhörer T 50 p und vor allem der Anfang September auf den Markt kommende Edelkopfhörer T 5 p ermöglichen laut Beyerdynamic etwas, das unter Experten lange Zeit als unerreichbar galt: perfekten Klang abseits der heimischen Stereoanlage. Sie machen damit dem Namen Tesla alle Ehre und sollen ein Hörerlebnis auf die Straße bringen, das Beyerdynamic-Kunden bereits vom stationären Topmodell T 1 kennen. Mit einem entscheidenden Vorteil: Ihr hoher Wirkungsgrad setzt möglichst viel magnetische Kraft in akustische Energie um. Das Abspielgerät muss weniger Leistung bringen, um dieselbe Lautstärke zu erzielen. Ideal für unsere mobile, von Reisen geprägte Gesellschaft – und das perfekte Accessoire für Notebook, iPod, iPad und Co.
Hinzu kommt laut beyerdynamic der Verzicht auf jede Art von akustischer Effekthascherei. Überzogene, wummernde Bässe und scharfkantige Höhen haben Tesla-Kopfhörer nicht nötig. Ihr Klangbild besteche vom ersten Moment an durch Ausgewogenheit und entfalte seine Faszination auch mit geringen Lautstärken.
Mario Gebhardt, Entwicklungsleiter für Audioprodukte bei Beyerdynamic, erklärt im nachfolgenden Interview die technischen Besonderheiten der neuartigen Kopfhörer-Konstruktion.
Was verbirgt sich hinter dem Begriff Tesla-Technologie?
»Tesla« steht in Beyerdynamic-Kopfhörern für unsere neueste Systemtechnologie, die sich durch einen sehr starken magnetischen Antrieb und eine verfärbungsarme Wiedergabe mit niedrigem Klirrfaktor auszeichnet.
Welche Vorteile bringt dieser Antrieb im mobilen Einsatz?
Die zusätzliche magnetische Kraft können wir in akustische Energie verwandeln und die Wiedergabe damit druckvoller, zupackender machen. In den mobilen Tesla-Modellen steckt eine sehr niederohmige 32-Ohm-Schwingspule, die besonders laut spielen kann. So erhalten wir einen idealen Partner für mobile Abspielgeräte mit wenig Ausgangsleistung.
Wie haben Sie diese höhere Magnetkraft erreicht?
Im Prinzip ging es darum, ein System zu entwerfen, welches einen möglichst verlustfreien magnetischen Fluss erlaubt. Dies haben wir durch eine neuartige Systemgeometrie erreicht, die uns erlaubt, die Kraft, die im Magneten sitzt, optimal bis zur Schwingspule zu übertragen. Bislang saß im Zentrum des Systems ein Neodym-Magnet, was seine Größe im Kopfhörer auch zwangsläufig einschränkte. Beim Tesla-Prinzip sitzt der Magnet ringförmig um die Spule herum. Dies erlaubt uns, mehr Energie dorthin zu lenken, wo sie benötigt wird: nämlich zur Membran.
Ist zuviel Lautstärke nicht schädlich fürs Gehör?
Ja, aber jedes Gerät hat einen Lautstärkeregler, und Sie müssen ja nicht mit vollem Pegel hören. Das Schöne an einem hohen Wirkungsgrad ist, dass er sich auch bei niedrigen Lautstärken auswirkt – durch einen feineren, detailreicheren Klang. Deshalb konnten wir unsere mobilen Tesla-Modelle sehr linear abstimmen. Sie besitzen keinen »Badewannen-Sound« wie viele andere Mobilkopfhörer, sondern geben alle Frequenzbereiche gleich laut wieder. Im musikalisch wichtigen Mittenbereich hören Sie deshalb auch mit niedrigem Pegel sämtliche Details. Die Tesla-Technologie schützt das Gehör, weil man unwillkürlich die Lautstärke zurückfährt.
Kann das starke Magnetfeld zu gesundheitlichen Schäden führen?
Nein, sicherlich nicht. Man darf die magnetische Feldstärke in einem Kopfhörersystem nicht mit elektromagnetischer Strahlung verwechseln. Im Kopfhörer herrscht ein statisches Magnetfeld, ähnlich dem Erdmagnetfeld, das noch dazu auf einen eng abgegrenzten Bereich konzentriert ist: den Luftspalt mit der Schwingspule.
Und von diesem Magnetfeld dringt nichts nach draußen?
Unsere Tesla-Systeme sind ja gerade darauf optimiert, dass möglichst wenig Magnetkraft das System verlässt – das wäre wieder ein Verlust von Effizienz. Natürlich entsteht wie bei jedem Kopfhörer durch Audiosignale in der Schwingspule eine geringfügige elektromagnetische Strahlung. Diese ist aber eher geringer als in konventionellen Systemen, weil wir wegen des guten Wirkungsgrades nur wenig Strom fließen lassen müssen.
Woher kommt dieser verfärbungsarme Klang, der die Kopfhörer auszeichnen soll?
Er ist das Ergebnis vieler Details. Besonders hervorzuheben ist der ringförmige Magnet, der es uns erlaubt, eine zentrale Bohrung direkt hinter der Membranmitte zu platzieren, um klangverfälschende Resonanzen zu minimieren. Außerdem benutzen wir eine spezielle, mehrschichtige Membran, die unerwünschte Partialschwingungen und damit Verzerrungen wirkungsvoll unterdrückt.
Warum nutzen die Tesla-Hörer kein Noise-Cancelling?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Umgebungslärm zu unterdrücken. Wir haben auf die elektronische Methode per Noise-Cancelling verzichtet, weil unsere Ohrpolster aus speziellem Akustik-Schaumstoff bereits eine hervorragende Dämpfung besitzen. Anders als beim aktiven Noise-Cancelling mit gegenphasigem Schall verspürt der Träger so keinerlei Druck auf dem Trommelfell, es gibt kein Grundrauschen und keine anderen unangenehmen Nebeneffekte. Außerdem entfällt das lästige Laden von Kopfhörer-Akkus oder der Batteriewechsel. Das schont ganz nebenbei auch noch die Umwelt.
Gibt es einen Markt für solch kompromisslose Mobilkopfhörer?
Zugegeben, es gehört etwas Mut dazu, einen Kopfhörer wie den T 5 p vorzustellen. Dieser Kopfhörer bedient keinen Massenmarkt, sondern richtet sich an Menschen, die auch unterwegs keine Kompromisse in Sachen Klangqualität eingehen möchten. Traditionell war audiophiles Hören von Musik eine Sache für Zuhause. Beim Musikhören außerhalb der eigenen vier Wände war man bereit, Abstriche in Kauf zu nehmen. Aber unsere Gesellschaft wandelt sich. Die Menschen sind viel unterwegs, die mobilen Geräte ersetzen immer mehr die Stereoanlage. Der audiophile Anspruch sollte dabei nicht auf der Strecke bleiben. Unserer Meinung nach ist die Zeit reif für Kopfhörer wie den T 5 p, den wir in Kürze auf der Internationalen Funkausstellung zeigen werden. Dieser Ausnahme-Kopfhörer bringt das heimische Hörerlebnis unverfälscht auf die Straße – für echten High-End-Klang unterwegs.