Jürgen Timm kandidiert für den Vorstandsvorsitz der High End Society

Ende diesen Monats stehen bei der High End Society Vorstandswahlen an. Nach über drei Jahrzehnten im Amt legt Kurt Hecker altersbedingt den Vorsitz nieder. i-fidelity.net hat mit dem Vorstandsmitglied Jürgen Timm über die Wahl und anstehende Aufgaben gesprochen.

20.06.2018
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Vor einigen Jahren begleitete i-fidelity.net Jürgen Timm in die Londoner »AIR Studios«. Dort stimmte er gemeinsam mit Toningenieuren Pioneer-Geräte ab.

i-fidelity.net:   Herr Timm, sehen Sie es uns bitte nach, wenn wir gleich mit der Tür ins Haus fallen: Am Ende des Monats wählt die High End Society einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Dem dreiköpfigen Vorstand des Verbands gehören Sie seit drei Jahren an. Werden Sie sich für den Vorsitz zur Wahl stellen?

Jürgen Timm:   Ein klares Ja, um Ihre Frage direkt und eindeutig zu beantworten. Bei der anstehenden Wahl geht es darum, die bereits 2015 eingeleitete Verjüngung der Verbandsführung zu vervollständigen. Mit Kurt W. Hecker hatte die High End Society einen professionell und souverän agierenden Vorstandsvorsitzenden, der in mehr als 30 Jahren mit seiner Expertise die Aufgaben des Verbandes und die Interessen seiner Mitglieder erfolgreich vertreten hat. Die unangefochtene Stellung der High End Society als internationaler Spitzenverband innerhalb der Unterhaltungselektronik geht nicht zuletzt auch auf seine engagierte und routinierte Führung zurück. Er wird dem Verband weiterhin angehören, stellt sich altersbedingt jedoch nicht mehr der Wahl für den Vorstandsvorsitz. Gemeinsam mit meinem Vorstandskollegen Mansour Mamaghani, aber auch mit Stefan Dreischärf von der High End Society Service GmbH, blicken wir auf drei Jahre intensiver und sehr guter Zusammenarbeit zurück – wir sind ein starkes Team mit richtig viel Branchenerfahrung.

Der Verband besteht aus annähernd 60 Mitgliedern einer sehr heterogenen Struktur. Kleine Manufakturen, mittelständische Hersteller sowie national wie international agierende Vertriebe und Importeure stehen mit ihren teilweise unterschiedlichen Interessen gleichberechtigt nebeneinander, vereint im Ziel, die hochwertige Musikwiedergabe zu fördern und diese Faszination, die uns antreibt, einem breiten Publikum näherzubringen. Um dieses Ziel auch künftig zu erreichen, ist die Ansprache jüngerer Zielgruppen essentiell und somit aus meiner Sicht auch eine signifikante Verjüngung bei der Führung des Verbands. Bei der High End Society Service GmbH ist die Verjüngung durch die Ernennung von Stefan Dreischärf als Geschäftsführer ja bereits erfolgreich abgeschlossen.

Es warten neue Herausforderungen auf uns, die einerseits mit dem veränderten Medienkonsum und neuen Technologien einhergehen, andererseits den Gewohnheiten und dem Verhalten einer neuen Kundengeneration geschuldet sind. Die High End Society benötigt daher neben Erfahrung und Kontinuität auch neue Ideen und Herangehensweisen, um in diesem dynamischen Umfeld weiterhin erfolgreich bestehen zu können. Dazu möchte ich auch weiterhin aktiv und engagiert beitragen und stelle mich daher der Wahl zum Vorstandsvorsitzenden der High End Society. Gutes zu bewahren, dabei Neues zu erschaffen und gemeinsam im Team die Herausforderungen anzugehen, das ist die Motivation, die mich antreibt.


i-fidelity.net:   Die Branche steht angesichts des technologischen Wandels vor großen Herausforderungen. Welche Antworten hat die High End Society auf die Fragen der Zukunft?

Jürgen Timm:   Wir erleben rasante technische Veränderungen, die unsere Gewohnheiten beeinflussen und unseren Alltag verändern. Schauen Sie sich an, wo und wie Sie heute Musik hören können, und das in allerbester Qualität. Wir alten Hasen kennen die Monokultur der LP oder CD auf dem HiFi-Altar im Wohnzimmer. Heute jedoch steht einem aufgeschlossenen Musikliebhaber ein nahezu unbegrenztes Musikrepertoire in fantastischer Qualität auf vielfältige Weise zur Verfügung, jederzeit abrufbar zu Hause oder unterwegs, allzeit hörbar in allen Räumen seines Domizils, und dabei leicht und intuitiv zu bedienen. Die Fernbedienung ist der App auf dem Tablet oder dem Sprachbefehl gewichen. Es ist meiner Meinung nach essentiell, als Vorstandsvorsitzender der High End Society im Tagesgeschäft aktiv zu sein und den Finger am Puls der Zeit zu haben. Das ist für diese Aufgabe unerlässlich.

Durch meine Tätigkeit bei Pioneer & Onkyo Europe bin ich bestens vernetzt. Unsere Mitgliedsfirmen verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz bei der Konzeption, der Herstellung und dem Vertrieb audiophiler Produkte und stellen die Speerspitze dieser Branche dar. In zahlreichen Gesprächen mit Kollegen aus unserem Verband konnte ich feststellen, dass wir auf die Herausforderungen, die uns aus der vernetzten multimedialen IT-Welt begegnen, nicht immer optimal vorbereitet sind. Hier können wir verbandsintern noch stärker miteinander arbeiten und unsere Positionen verbessern. Und wir können als High End Society im Dialog mit einer neuen Nutzergeneration das Thema der hochwertigen Musikwiedergabe noch besser vermitteln. Klare Signale und Themen an unsere Partner in den Medien und vor allem auch in den qualifizierten Fachhandel zu senden, wird eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Monate sein. Die High End Society soll meiner Meinung nach wieder stärker als Verband und nicht nur als Messeveranstalter wahrgenommen werden. Als Verband werden wir die Kernbotschaft von High End wieder stärker in den Fokus rücken und der jungen Generation vermitteln, wofür wir stehen – sonst redet über High End irgendwann einmal kein Mensch mehr. Die Service GmbH wird sich weiterhin auf ihr Kerngeschäft, die Organisation und Ausrichtung der HIGH END in München, aber auch auf neue Formate wie das HIGH END KOLLEG konzentrieren.


i-fidelity.net:   Spielt für ein so großes Unternehmen wie Pioneer »High End« überhaupt eine Rolle? Und wie sieht es bei Ihnen aus, haben Sie eine High-End-Anlage im Wohnzimmer?

Jürgen Timm:    Pioneer & Onkyo Europe besitzt neben den beiden Kernmarken auch die Vertriebsrechte der Marken Teac und Esoteric, wobei wir gerade mit Letzterer sehr erfolgreich im Markt agieren. Hinzu kommt mit »onkyomusic« ein Online-Portal mit einem der größten Kataloge für Musik in HiRes Audio- und CD-Qualität. Und mit TAD (Technical Audio Devices) verfügt Pioneer über eine Tochter, die zweifellos zur Weltspitze des High End gehört. Pioneer wurde 1937 als Lautsprecherhersteller gegründet und hat wie seine jüngeren Schwestermarken immer an Geräten für den guten Klang gearbeitet, man denke nur an die vielen Produkte mit audiophilem Anspruch zu bezahlbaren Preisen wie dem zuletzt von Ihnen getesteten SACD-Spieler PD-70AE. Zahlreiche Kooperationen wie mit den Londoner AIR Studios gehen wir ein, um Erfahrungen zu sammeln, die letzten Endes in einer Vielzahl von Produkten qualitativ herausragende Ergebnisse ermöglichen. Mir war und ist es dabei wichtig, das Terrain des Bekannten zu verlassen, sich von der Neugier antreiben zu lassen und dem Fachwissen anderer lernen zu können. Pioneer zählt bei Weitem nicht zu den Giganten der Branche und ist dabei in allen Segmenten vom traditionellen HiFi über Streaming bis hin zu Multi-Room und Sprachsteuerung vertreten.

Musik ist für mich persönlich ein besonders wichtiges Gut, Musik in guter Qualität zu hören notwendig für meine ausgeglichene Gemütslage, und Musik live zu erleben immer wieder ein fantastischer Kick, um sich zu vergewissern, dass man mit einem Beruf in dieser Branche zu einem privilegierten und ausgewählten Personenkreis gehört. In meinem Wohnzimmer spielen immer wieder wechselnde Kombinationen von Produkten aus unserem Hause auf, die einzige Konstante dabei sind dabei seit Jahren meine TAD-Monitore und ein glasfaserbasiertes Netzwerk mit einem audiophilen Musikserver.


i-fidelity.net:   Die HIGH END im Münchner MOC ist eine Erfolgsgeschichte, aber sie ist heute auch mehr denn je eine internationale Business-Messe. Die HIGH END 2018 verzeichnete einen leichten Rückgang der Besucherzahlen. Was kann die High End Society tun, um die Messe für den Endverbraucher wieder attraktiver zu machen? Oder denken Sie auch über ein weiteres Messe-Format speziell für den deutschen Markt nach?

Jürgen Timm:    Sie haben Recht, die HIGH END stößt seit einigen Jahren an die Grenzen des Wachstums, die maximale Ausstellungsfläche von rund 30.000 Quadratmetern ist im MOC erreicht, und die Besucherzahlen haben sich auf einem über die Jahre gemittelten hohen Niveau eingependelt. Dieses Jahr hat das sommerliche Wetter sicherlich viele Endverbraucher in den Biergarten und dem Grillfest zum Bundesliga-Saisonfinale getrieben. Wir verzeichnen aber sehr positive Kommentare von Messebesuchern und werden bei der Weiterentwicklung des Messekonzepts Stärken bewahren und neue attraktive Angebote hinzufügen. Der Standort MOC ist für die nächsten Jahre gesetzt und bereits gebucht, wir wollen und werden eine weitere qualitative Steigerung erreichen und die Themenfelder der HIGH END mit neuen Facetten bereichern. Die Kombination von klassischem HiFi und modernster Digital-Trends bleibt bestehen, ich persönlich strebe den Ausbau akustisch überzeugender Vorführungen für die Kernzielgruppe der HiFi-Fans und die Integration neuer Themenfelder rund um Smart Living für eine neue, stark wachsende Zielgruppe an.

In der Vergangenheit war die »High End on Tour« ein Format der High End Society, um auch regional HiFi-Messen zu veranstalten. Diese Funktion haben mittlerweile eine Vielzahl aktiver Fachhändler und Verlage übernommen. Unser Format HIGH END KOLLEG haben wir dabei schon mehrfach erfolgreich integrieren können, eine Formel, die sicherlich in der Zukunft neben Online-Angeboten dieser Inhalte weiter ausgebaut werden kann. Das HIGH END KOLLEG vermittelt interessierten Besuchern die Grundlagen für eine gute Musikwiedergabe zu Hause sowie detailliertes Fachwissen zu ausgewählten Themen wie Streaming, Raumakustik, Stromversorgung uvm. Für diese Workshops mit überschaubaren Gruppengrößen stehen Fachleute unserer Mitgliedsfirmen als Referenten bereit und stellen sich dem Dialog und den Fragen der Besucher.

Der neu gewählte Vorstand der High End Society wird ein robustes Mandat für die nächsten drei Jahre erhalten. Ideen für eine erfolgreiche Vermittlung unserer Kernbotschaft der hochwertigen Musikwiedergabe sind in unserem jungen Team reichlich vorhanden – ich freue mich darauf, diese gemeinsam mit meinen Kollegen umzusetzen.