Yamaha schlägt mit dem Slimline-Receiver RX-S600 ein neues Kapitel in Sachen kompakter Verstärker mit Vollausstattung auf. i-fidelity.net nahm das pfiffige Konzept genauer unter die Lupe, um herauszufinden, welche Nutzer diese Komponente wohl glücklich machen kann.

Yamaha ist der größte Musikinstrumentenhersteller der Welt. Man kann also davon ausgehen, dass die japanischen Herrschaften wissen, wie Musik zu klingen hat, auch in der Reproduktion. Yamaha ist auch einer der größten Hersteller anderer Maschinen, die einen coolen Sound machen, nämlich Bootsmotoren, Motorräder, Schneemobile und Jetskies. Mit den Sounds eines typischen Bond-Films sollten sich die Entwickler also ebenfalls auskennen. Gute Voraussetzungen für einen universellen Receiver wie den RX-S600, der viele Anwendungsgebiete abdecken soll, denn er vereint gleich mehrere Konzepte unter seiner robusten Blechhaube.

Das »S« im Namen weist bereits auf die kompakte Slimline-Bauform hin, und das bedeutet bei Yamaha in diesem Falle nicht nur niedrige Bauhöhe, sondern auch eine in der Tiefe begrenzte Dimension. Somit findet der RX-S600 auch in vergleichsweise zierlichen Möbeln Platz, was mit ausgewachsenen AV-Boliden meist nicht möglich ist. Trotzdem wirkt der kleine Receiver ganz schön massig, was an seinem wuchtigen Netzteil mit klotzigem Trafo und traditionell konzipierten analogen Endstufen liegt. Yamaha vermeidet den Einsatz billiger Schaltendstufen konsequent. Und damit das räumlich und thermisch in das kompakte Blechkleid passt, gibt es »nur« fünf Endstufen. Die aber lassen sich mannigfaltig verwenden: Man kann den Receiver als klassischen 5.1-Surround-Verstärker nutzen, man kann ihn aber auch in Stereo oder in Stereo plus Center und jeweils mit und ohne Subwoofer verwenden. Die übrigen Endstufen lassen sich dann wahlweise für audiophiles Bi-Amping oder zur Beschallung einer zweiten Zone, etwa der Küche oder des Büros, einsetzen.

Auch an weiteren cleveren Funktionen mangelt es nicht: Yamaha hat dem RX-S600 neben den üblichen Ingredienzien wie YPAO-Auto-Einmessung mit Raumkorrektur und Dutzenden DSP-Soundprogrammen auch ein komplettes Netzwerk-Funktionspaket spendiert. Über den LAN-Anschluss lässt sich der Receiver zum einen per App mittels Smartphone oder Tablet der gängigen Betriebssysteme steuern, zum anderen sind ein Netzwerkplayer und ein Renderer eingebaut. Damit kann man vTuner-gestütztes Internet-Radio hören und von USB, via AirPlay oder vom Server Musik abspielen. Weil sich die Mimik auch als DLNA-Renderer anmeldet, lässt sich auch von allen anderen DLNA-fähigen Anwendungen Musik in den Yamaha beamen. In absehbarer Zukunft dürfte ein Spotify-Connect-Update folgen, denn der RX-S600 gilt bereits als Spotify-Connect-Ready. Als weitere eingebaute Programmquellen dienen analoge UKW- und Mittelwellen-Empfänger, und bei der Variante RX-S600D (599 Euro) gibt es dazu noch ein DVB+-Empfangsteil.

Auch in Sachen Verbindungsmöglichkeiten bietet der RX-S600 alles, was gerade hipp ist, von Audio-Return-Channel (ARC) für den Ton aus dem TV-Tuner ohne Extra-Kabel bis zum Multimedia-tauglichen MHL-fähigen HDMI-Eingang. Das Durchleiten von 3D und Ultra-HD-Auflösungen versteht sich quasi von selbst. Eine der wenigen Einschränkungen besteht im Fehlen jedweder Video-Signalverarbeitung: Bilder werden stets nur so durchgereicht, wie sie ankommen, und das heißt für analoges Video, dass es auch nur analog zum Fernseher gelangt und nicht zu HDMI gewandelt wird, wie das teurere Modelle in komfortabler Weise tun. Aber wer nutzt heute noch eine analoge Bildquelle? Die Frage stellt sich also fast nur noch für VHS-Nostalgiker.

Beim Yamaha RS-X600 gibt es die Möglichkeit zwei Kanäle mit vier Endstufen zu verstärken. Lautsprecher mit entsprechenden Bi-Wiring-Anschlüssen profitieren von dieser Bi-Amping genannten Technik. Meist ist eine deutliche Klangsteigerung die Folge.

Für wen ist der schlanke Receiver denn nun gedacht? Er bietet sich für alle an, die kein ausgewachsenes, dezidiertes Heimkino installieren wollen, denen aber auch eine Soundbar unter dem großen Display klanglich etwas zu mager ausfällt. Der RX-S600 liegt vor allem was Schnittstellen und Ausstattung gegenüber selbst gut ausgestatteten Soundbars, von denen einige der ausgewachseneren Exemplare sogar recht anständig klingen, mit mehr als nur einer Nasenspitze vorn. Er bildet dank seines integrierten Players und Analog-Tuners und der Vielzahl von Eingängen nicht nur eine prima Schaltzentrale, sondern auch guten Komfort, denn er »denkt« an den entscheidenden Stellen mit. So kann man beispielsweise im Stand-by-Modus die HDMI-Eingänge umschalten und der RX-S600 leitet dann das Signal an das TV-Gerät weiter, um etwa über den Sat-Receiver trotz abgeschalteter Anlage mal eben Nachrichten zu schauen, in dem Fall aber mit dem Ton über die TV-Lautsprecher.

Anwenderfreundliche Flexibilität

Im Gegensatz zu einer Soundbar kann man die Elektronik damit auch außerhalb des Blickfelds verstauen und erhält vor allem die komplett freie Lautsprecherwahl. Die freie Wahl betrifft zum einen das Design, aber auch Bauform und Qualität der Boxen, ob flach und chic oder dekorativ und ausgewachsen. Sogar Wandeinbau-Modelle, die dann komplett unsichtbar verbaut werden, sind möglich. Auch die Konfiguration ermöglicht nicht nur ein typisches 5.1-Surround-Setup. Ein Betrieb in Stereo mit oder ohne Center ist vorgesehen, und bei Wiedergabe ohne Surround-Lautsprecher arbeitet ein recht anständiger Virtual-Surround-Modus, der im Test verblüffend gut und dabei angenehm unaufdringlich funktionierte. Laut Yamaha setzen wohl die meisten Kunden diese Art Produkt ohne physische Surround-Lautsprecher ein, weshalb die Tester genau hierauf beim Testen auch Wert legten. Zwei der fünf potenten Endstufen bleiben dann entweder ungenutzt, sie können als Antrieb für eine zweite Hörzone, etwa Küche oder Office, oder, wer auf Klangqualität gesteigerten Wert legt, für Bi-Amping genutzt werden, vorausgesetzt die Stereo-Lautsprecher weisen entsprechende Anschlüsse auf.

Im Testkino wurden all diese typischen Szenarien ausprobiert. Die Tester begannen mit einer klassischen 5.1-Variante. Hier konnte eigentlich nichts schief gehen, gehört Yamaha doch zu den echten Surround-Pionieren und verkauft Surround-Dekoder seit beinahe dreißig Jahren. Die Kalibrierung des Systems mittel YPAO-Messmikrofon ging flott vonstatten und lieferte prompt ein brauchbares Ergebnis. Das Set klang ausgewogen und überraschte wenig, klar, das ist für solch eine Elektronik Routine. Dann ging es um einen reinen Stereo-Aufbau mit zwei kompakten Lautsprechern, also quasi die minimale Ausbaustufe. Auch diesen Testfall meisterte der Yamaha klaglos und zeigte eine stabile Bühne mit angenehm neutralem Klangcharakter, der aber nicht langweilig wirkte. Die Tester beschlich das Gefühl, dass der RX-S600 einfach alles, was er nicht gut kann, schlicht weglässt, anstatt mit Fehlern oder Verzerrungen zu nerven.

Die HDMI-Anschlussleiste versteht alle aktuellen Standards. Praktisch: Per ARC erhält die Surround-Anlage den Ton des im TV integrierten Empfangsteils ohne Extra-Kabel. Die rechte Buchse versteht per MHL hochauflösendes Audio und Video von Smartphones und Tablets und kann diese sogar laden.
Die Fernbedienung des RS-X600 liegt gut in der Hand. Zudem verdeutlicht sie ein Stück weit die komplexe Ausstattung von Yamahas preiswertem AV-Receiver.

In der nächsten »Eskalationsstufe« kam ein Subwoofer dazu. Nach erneuter YPAO-Einmessung integrierte sich der Basswürfel erstaunlich unaufdringlich, aber potent unterstützend in das System. Nun bekamen auch die Endstufen weniger zu tun, weil der Subwoofer die schwerste Arbeit leistete, und schon klang das Ganze deutlich luftiger. Die Endstufen konnten nun stressfrei deutlich lauter spielen. Das war schon richtige Musik, insbesondere der integrierte Netzwerkspieler klang mit hochauflösender Musik vom lokalen Server richtig gut.

Letzte Ausbaustufe: Bi-Amping

Um Bi-Amping betreiben zu können, müssen die Lautsprecher – im Testkino waren es die Heco Celan GT 302 – über eine entsprechend konstruierte Frequenzweiche verfügen, die einen getrennten Anschluss für Hoch- und Tieftonwiedergabe bieten. Also entfernten die Tester die Blechbrücken, die sonst die Hoch und Tieftonanschlüsse der Box verbinden und schlossen die zwei entsprechend zugewiesenen Endstufen an die Tiefton-Terminals sowie die für Front-Links/Rechts an die Hochtoneinheit an. Der Vorteil von Bi-Amping: Die Endstufen, die den sensiblen Hochttonbereich antreiben, bleiben von den starken Rückwirkungen und wechselnden Lastverhältnissen im Bass verschont. Jeder Lautsprecher erzeugt nämlich durch seine Trägheit auch Strom, der in die Endstufe zurückfließt und die Verstärkung »irritiert«. Durch die Entkopplung der zwei Wege klang nun auch der RX-S600 wie von einer Last befreit, vor allem bei höheren Lautstärken. Der Klang wirkte nun tatsächlich schon so knackig und luftig, wie man das sonst von deutlich potenterer und teurerer Elektronik erwartet, insbesondere mit dem Subwoofer als zusätzlicher Entlastung. Wer also das klangliche Maximum aus seinem »Yamaha-chen« herauskitzeln möchte, der sollte über einen Betrieb mit Stereo-Bi-Amping plus Center und Subwoofer nachdenken. Das Set liefert dann guten Fernsehton mit dem Nachrichtensprecher kristallklar aus dem Center, potentes Hollywood-Kino dank gut gemachtem virtualisiertem Surround und nahtlos angekoppeltem Subwoofer sowie Livemusik von Blu-ray und fast schon audiophilen Klang in Stereo vom integrierten Netzwerkspieler und anderen Musikquellen.

Bei all dem war der Receiver angenehm zu handhaben, etwa durch die pfiffigen vier Szenentasten auf der Front. Damit lassen sich die typischsten Anwendungsfälle abrufen, mitsamt gewählter Quelle, Soundmodus etc. Selbst Einschalten kann man den Receiver mit diesen Tasten. Auch ein Ändern der Funktionen ist leicht: Einfach die gewünschte Taste kurz gedrückt halten, schon ist die aktuelle Konfiguration gespeichert. Clever. Auch taugt die Fernbedienung dank Tasten für Player, Sat-Receiver, TV und so weiter als Systemkommander. Optional gibt es das WLAN-Modul YWA-10 (99 Euro) für die drahtlose Netzwerkanbindung und einen Bluetooth-Audio-Empfänger YBA-11 (79 Euro) für drahtlose Musikübertragung mit Non-Apple-Geräten.

Messwerte AV-Receiver Yamaha RX-S600

Leistung:
Nennleistung @ 4 Ohm (1% THD):   135 W
Nennleistung @ 8 Ohm (1% THD):   87 W

Verzerrungen:
Klirrfaktor (THD+N, 10 Watt @ 4 Ohm):   0,0145 %
IM-Verzerrungen SMPTE (5 Watt @ 4 Ohm):   0,055 %
IM-Verzerrungen CCIF (5 Watt @ 4 Ohm):   0,014%
 
Störabstände:
Fremdspannung (- 20 kHz):   -80,9 dB
Geräuschspannung (A-bewertet):   -98,3 dB
 
Sonstige:
Obere Grenzfrequenz (-3dB / 10 W @ 4 Ohm):   140 kHz

Kanaldifferenz:   0,5 dB

Eingangswiderstand:   48,5 kOhm

Stromverbrauch:
Stand-by:   < 1 W
Leerlauf:   26 W

Abmessungen (B x H x T):  43,5 x 11 x 27,5 cm
Gewicht:   8 kg

Yamahas App »AV Controller« ist für Apple Touchscreen-Geräte und Android kostenlos erhältlich. Hier zu sehen die iPad-Version mit dem Netzwerk-Spieler.
Yamahas DSP-Programme laden zum Experimentieren ein.
Das On-Screen-Menü entspringt einem einfachen Textgenerator. Es ist dank niedriger Auflösung auch auf alten, analogen Röhren-TVs noch gut lesbar.
Die Anzeige des integrierten Netzwerk-Players auf dem Bildschirm ist schlicht, aber informativ. Wer Cover sehen möchte, der sollte die AV Controller App verwenden.

Hersteller:   Yamaha, Japan
Vertrieb:   Yamaha, Rellingen

Modell:   RS-X600
Kategorie:   AV-Receiver

Preis:   549 Euro
Garantie:   2 Jahre

Anschlüsse

  • 5 x HDMI-Eingang, 1 x HDMI-Ausgang
  • HDMI CEC
  • MHL Support
  • USB-Eingang geeignet für:   iPod/iPhone/iPad, USB Memory, tragbare Audio-Player
  • Netzwerkzugang
  • AirPlay
  • Front AV-Eingänge:   USB / Mini Jack / Composite
  • DC-Ausgang
  • Zwei optische Digitaleingänge
  • Zwei koaxiale Digitaleingänge
  • Vier analoge Eingänge
  • Ein analoger Ausgang
  • Subwoofer-NF-Ausgang
  • Kopfhörerausgang
  • FM/AM-Radio
  • Ausführungen:   Titan, Schwarz

YAMAHA Music Europe GmbH
Siemensstrasse 22-34
25462 Rellingen

Internet:   de.yamaha.com

Yamaha baut mit dem RX-S600 einen sehr kompakten Slimline-Receiver, der ein echtes »Highlight« ist. Dank seiner Maße passt er auch in Schränke und Regale, die anderen Verstärkern verwehrt bleiben. Selbst kleine Fächer sind kein Problem, da er wenig Wärme abgibt. Analogtuner, AirPlay, Internet-Radio und Streaming machen ihn zum sprudelnden Quell für Musik mit Optionen auf DVB+ (RX-S600D), Spotify-Connect (Update) und Bluetooth-Audio (YBA-11-Modul). Der RX-S600 versteht sich auf aktuelle HDMI-Funktionen von ARC bis MHL und kann sogar im Stand-by-Modus HDMI-Eingänge durchschalten. Wer die Systemfernbedienung mit Infrarot altmodisch findet, kann die übersichtliche App mit Touchscreen verwenden. Zu guter Letzt bietet Yamaha wahlweise alle Konfigurationen von 5.1-Surround über Stereo und Dreikanal mit und ohne Subwoofer und schön gemachtem Virtuellen Surround plus Zone2 oder mit audiophilen Ambitionen Stereo mit Bi-Amping. Durch die mögliche Qualität und die freie Wahl der Lautsprecher (bin hin zu »unsichtbaren« Einbaumodellen) ist dieser Receiver jeder Soundbar überlegen.   Raphael Vogt

Yamaha RS-X600
Preis: 549 Euro
Garantie: 2 Jahre

* im Bi-Amping-Betrieb »überragend«.

TEST

Heimkino:
Yamaha RX-S600
Autor:
Raphael Vogt
Datum:
11.11.2013
Hersteller:
Yamaha