Electrocompaniet bietet einen speziell für Musikliebhaber optimierten Universal-Player an. Er spielt Medien von der schlichten CD bis zur hochauflösenden Blu-ray und digitale Daten von MP3 bis zu hochauflösender Musik vom Server. Ist er wirklicher ein digitaler Alleskönner?

Lange ist es her, dass die gefürchteten Nordmannen mit ihren Langbooten hierzulande Angst und Schrecken verbreiteten. Heute assoziiert man mit Skandinavien deutlich sympathischere Werte, beispielsweise die große Zahl an Hightech-Produkten oder spannende Krimis. In langen Winternächten müssen die Wikinger heute zum Glück auch nicht mehr auf Raubzüge gehen, um ihren Hunger zu stillen. Vielmehr scheinen sie währenddessen die Ruhe mit guter Musik in der heimischen Stube zu genießen und sind dabei in den vergangenen Jahrzehnten zu wahren audiophilen Gourmets geworden. Dieser Gedanke drängt sich jedenfalls auf, wenn man sich die große Zahl von High-End- und HiFi-Herstellern und auch audiophilen Plattenlabels in Relation zur Einwohnerzahl anschaut.

Inmitten der Fjord-Landschaften bei Stavanger im Südwesten Norwegens entstehen seit nunmehr vier Jahrzehnten die stets edel anmutenden HiFi-Komponenten von Electrocompaniet AS. Die schicken nun mit dem EMP3 den Electrocompaniet Multiformat Player in die dritte Evolutionsstufe. Er soll vor allem Einsteigern den Weg in die moderne digitale Musik- und Videowelt erleichtern, denn er verarbeitet alle aktuellen Medien. Im Kern stecken ein Blu-ray Player, der alle möglichen Scheiben mit Musik und Filmen verdaut, sowie ein Netzwerkplayer, der das ebenso kann. Die Laufwerks- und die Decodermimik stammen – wie schon beim Vorgänger EMP2 – aus dem Hause Oppo. Und das ist gut so, denn diese OEM-Plattform verwenden nicht wenige High-End-Hersteller auf Grund ihrer Qualität, Kompatibilität und Performance. Aus Electrocompaniet-eigener Entwicklung und Fertigung kommen die mechanische Basis und das Gehäuse nebst der typischen, edlen Acrylglasfront sowie die komplette Technik für alles, was mit dem analogen, symmetrischen Stereoausgang zusammenhängt, inklusive der Spannungsaufbereitung, der Digital/Analogwandlung und der vollsymmetrischen Ausgangstreiber, die ihr Signal an den professionellen XLR-Buchsen abliefern – kurz: Ein vollwertiger D/A-Wandler ist in den EMP3 integriert.

Was das bedeutet, erkennt man, wenn man den rund viereinhalb Kilogramm schweren Deckel des EMP3 von seinen perfekt versenkten Maschinenschrauben befreit und abhebt. Der in nordischer Gründlichkeit verarbeitete Player wirkt picobello aufgeräumt. Das imposante, gekapselte Laufwerk arbeitet mit drei ineinander verschachtelten Subchassis, das die drehenden Scheiben und vor allem auch die empfindliche Lasereinheit vor äußeren Einflüssen wie Mikrofonie abschirmt. Das moderne Schaltnetzteil ist für einen Blu-ray Player riesig und sorgt für stabile Energieverhältnisse. Auch der integrierte D/A-Wandler versorgt sich aus diesem Kraftwerk mit Spannung und bereitet diese lokal abermals auf, glättet und stabilisiert den Energiestrom endgültig. Die norwegische Mutterplatine hängt quasi kopfüber mit den Lötstellen nach oben und den Bauteilen nach unten im EMP3, was ausschließlich durch das Platzangebot begründet ist, da sie sonst mit anderen Bauteilen der digitalen Mutterplatine des Players kollidieren würde.

Der Wandler bekommt seine Signale aus dem Dekoder von Oppo, und zwar stets als zweikanaliges Stereo. Wenn Mehrkanalaudio spielt, erhält er einen fertigen Stereo-Downmix. Eine Ausnahme gibt es, und die heißt Stereo-DSD. Dreht etwa eine SACD im Lautwerk, reicht die Schaltung den DSD-Datenstrom 1:1 an allen Signalprozessoren vorbei direkt an den Wandlerchip Cirrus Logic CS4398 durch. Der kann nämlich neben PCM das hochauflösende 1-Bit-Signal direkt verarbeiten. Alles andere, egal von welchem Format es stammt, MP3, Flac, Dolby, DTS etcetera, wird zuvor vom Decoder in PCM-Audio-Rohdaten gewandelt und gegebenenfalls als Downmix an die Electrocompaniet-Platine abgegeben. Dort landen die Bits zunächst im Skalierbaustein Texas Instruments SRC4193, den die Entwickler so programmierten, dass er die Abtastrate stets geradzahlig auf die höchstmögliche Frequenz skaliert, also auf 176,4 oder glatte 192 Kilohertz. Das wiederum erlaubt es, bei der Analog-Wandlung einen softeren und damit Impuls-schonenderen Filter einzusetzen. Der CS4398 liefert der analogen Welt ein fertiges, symmetrisches Differenzialsignal, und um dieses kümmert sich die nachfolgende, komplett diskret aufgebaute Full-Class-A-Ausgangsstufe, bevor es den professionellen XLR-Buchsen entnommen werden kann.

Bassmanagement wie es sein soll

Wer ein mehrkanaliges analoges Signal benötigt, bekommt dieses vom EMP3 über ein Oktett vergoldeter Cinchbuchsen geliefert. Die Analogsignale stammen allerdings von der etwas einfacheren Wandlertechnik des OEM-Boards. Diesen Ausgängen steht das vollständige und überraschend flexibel zu konfigurierende Bassmanagement des Players zur Verfügung, welches sich dank Lipsync-Delay und Lautstärkeregelung im Extremfall sogar wie eine komplette Surround-Vorstufe verhalten kann. Somit können direkt Aktivlautsprecher oder Endstufen betrieben werden.

Betrachtet man den Rest des Anschlussfelds, fallen einige Besonderheiten auf: Ein LAN-Anschluss gewährt Zugang zum Netzwerk und zum Internet. Als Nächstes verblüfft ein HDMI-Eingang. Wohl bemerkt – ein Ein-, kein Ausgang. Der erlaubt einem anderen Gerät, beispielsweise dem Satelliten-Receiver, Zugang zur highendigen Audio- und Video-Verarbeitung des EMP3. Und wer das einmal probiert hat, den verblüfft das knackige Bild, das plötzlich auf der Leinwand erscheint. Einzige Voraussetzung: Man muss den DVB-Empfänger videoseitig auf Durchzug stellen und die integrierte Skalierung abschalten, um stattdessen die Signalverarbeitung des Electrocompaniet zu verwenden. Auch die Audio-Qualität gewann im praktischen Test und ließ die Tester vergnügt Konzertaufnahmen von 3Sat, Arte und BBC genießen. Auch die riesige Zahl an via Satellit gesendeter Radiostationen profitierte erheblich.

Es folgen optische und elektrische konventionelle Stereo-Digitalausgänge (S/PDIF) und ein analoger Hilfs-Videoausgang (FBAS), dann kommen noch zwei HDMI-Ausgänge. Diese lassen sich entweder parallel betreiben oder getrennt nach Audio und Video. Sie bieten noch eine Besonderheit: ARC. Der »Audio Return Channel« liefert den Ton aktueller TV-Geräte zum Wandler des EMP3 und lässt sich so ebenfalls highendig verarbeiten, ohne dass man dazu eine weitere Strippe ziehen muss. Ferner stehen noch zwei USB-Anschlüsse zur Verfügung: Zum einen lässt sich hier der serienmäßig mitgelieferte WLAN-Stick einstöpseln, um den Player drahtlos in das heimische Netzwerk zu integrieren – oder man kann Speichersticks oder auch Festplatten anschließen, um Audio und Video zuzuspielen. Dass es zwei Buchsen sind, ist durchaus sinnvoll und äußerst praktisch, denn so lässt sich eine externe Platte anschließen, selbst wenn man gleichzeitig WLAN nutzt. Zu guter Letzt gibt es per Repeater-Buchse und RS232 die Möglichkeit, den EMP3 fernzusteuern oder in eine Haussteuerung zu integrieren.

Kommen wir zum Komplex der Kompatibilität. Kurz zusammengefasst: Der EMP3 verdaut wirklich fast alles. Das Laufwerk spielt CD, DVD-Video, DVD-Audio, SACD und sämtliche Blu-ray Discs inklusive aller gängigen selbst beschriebenen Medien sowie alle aktuellen optionalen Formate bis hin zu 3D-Blu-rays. Per USB oder Netzwerk lassen sich ebenfalls die gängigen Formate zuspielen, das gilt für Audio, Video und Fotos. Eine Auflistung aller verarbeiteten Formate und deren Derivate würde hier den Rahmen sprengen. Genannt seien hier nur die für den audiophilen Genießer wichtigsten Formate von PCM über Flac bis DSD, und zwar nicht nur in Stereo, sondern auch in Surround und bis 192 Kilohertz. Und weil das den Entwicklern noch nicht universell genug war, dürfen die Daten nicht nur per USB oder per Netzwerk als UPnP oder DLNA anreisen – der EMP3 kann auch im Netzwerk frei gegebene Laufwerke und Verzeichnisse (SAMBA) direkt erkennen und lesen. Das erlaubt es dem Norweger als einem der wenigen Geräte, DSD auch über das Netzwerk zu spielen, denn in den gängigen Server-Formaten UPnP und DLNA ist das bislang nicht vorgesehen. Und selbst per USB-Buchse angeschlossene Festplatten müssen nicht wie bei anderen Geräten im altertümlichen FAT-Format bespielt sein: Der EMP3 erkennt auch das moderne NTFS (Windows) – damit können auch große Video-Dateien zugespielt werden. Ebenfalls im Player integriert sind die Apps der größten Streaming-Dienste. In Deutschland ist davon allerdings bislang nur Youtube nutzbar. All das macht den EMP3 zu einer wirklich mächtigen, zentralen digitalen Musikquelle in der heimischen Anlage.

Der scharfe Norweger

Im Hörraum probierten die Tester nacheinander die verschiedenen Ausgänge aus. Ergebnis: Per HDMI klang der EMP3 ausgewogen und vergleichsweise zupackend. Eine bruchlose Raumabbildung in Surround demonstrierte eine souveräne Basis, die Detailabbildung lag über dem Durchschnitt. Begeistern kann hier vor allem die Bildqualität, die definitiv über einem Durchschnittsplayer angesiedelt ist, die eine große Ruhe und Schärfe zeigt und damit eine schöne plastische Tiefe provoziert. Das galt selbst für gute DVDs mit schnödem Non-HD-Bild, die trotzdem ziemlich knackig dargestellt wurden. Sogar gute Youtube-Clips zeigten sich auf der Leinwand des Testkinos knackscharf. Im Vergleich zu dieser stets lästig mit Jitter belasteten Schnittstelle klang der analoge Mehrkanalausgang feingliedrig und angenehm musikalisch fließend mit konturierter Abbildung und homogener Raumdarstellung.

Richtig highendig wurde es im Hörraum aber erst mit den XLR-Ausgängen. Nun gewann die gesamte Darstellung an Präzision und Ruhe. Im Vergleich wirkte der Stereo-Ausgang zunächst zurückhaltender als seine Mehrkanal-Nachbarn. Doch dieser erste Eindruck täuschte. Der extrem störarme symmetrische Ausgang spielte schlicht sauberer und differenzierter, einige feindynamische Details, vor allem von hochauflösenden Musikdateien, wurden jetzt erst hörbar. Schalteten die Tester nach einer Weile des Genusses des symmetrischen Ausgangs wieder auf HDMI um, klang dieser im direkten Kontrast etwas blutleer und beinahe harsch. XLR lieferte schlichtweg mehr Musik und Raum, und das auf die unaufdringlichste Weise und in einem nur als harmonisch zu umschreibenden Paket. Jede Aggressivität ist dem Electrocompaniet-Wandler fremd. Trotzdem lieferte er etwa Klavieranschläge und andere impulsive Ereignisse ungebremst energiereich ab. Eine angenehme Balance.

Das ist wirklich angenehm

Für die Freunde audiophiler Musik vom eigenen Server meldet sich der Player als UPnP- und DLNA-Renderer an. Das erlaubt das bequeme Kontrollieren mit entsprechender Software oder App mittels Rechner, Tablet oder Smartphone – man muss nicht einmal den Fernseher für das Menü einschalten. Das ist schon ein hoher Komfort. Bedauerlich ist allerdings, dass sich Titelfolgen Hardware-bedingt nicht gapless spielen lassen. Zwischen zwei Dateien klafft stets eine, wenn auch sehr kurze Lücke. Das war es aber auch schon an Kritik für die Streaming-Funktion, denn was der Streamer beziehungsweise der Renderer des EMP3 im Gegenzug beherrscht, ist Springen und Suchen in einem Stück unabhängig vom Dateiformat – und das ist bis heute keine Selbstverständlichkeit.

Messwerte  Universal-Player Electrocompaniet EMP 3

Verzerrungen:


Klirrfaktor (THD+N):   0,0039 %
IM-Verzerrungen (SMPTE):   0,0133 %  
IM-Verzerrungen (CCIF):  0,0032%


Störabstände:

Fremdspannung (20 kHz):   -97,0 dBr
Geräuschspannung (A-bewertet):   -100,4 dBr


Wandlerlinearität:

-50 dB:   0,005 dB
-60 dB:   0,005dB
-70 dB:   0,001 dB
-80 dB:   0,002 dB
-90 dB:   0,017 dB


Sonstige:

Ausgangsspannung:   3,07 V
Kanaldifferenz:   0,006 dB
Ausgangswiderstand:   703 Ω
DC-Ausgangs-Offset:   < 0,5 mV


Stromverbrauch:

Stand-by:   < 1 W
Leerlauf:   19 W






Audiophil: Wer dem EMP3 auf digitalem Wege sowieso nur das Bild entlockt und für den Ton den edlen XLR-Ausgang verwendet, der kann Audio für HDMI komplett abschalten. Das verhindert eventuellen zusätzlichen Jitter.
Komfortabel: Legt man eine CD ein, holt sich der EMP3 die Metadaten wie den Titel und das Coverbild aus der kostenlosen Internet-Datenbank Gracenote. Damit spielt man CDs so komfortabel wie Musikdateien.
Gesucht – gefunden: Gerade bei langen Stücken ist es oft praktisch, suchen oder, wie im Bild, springen zu können. Das können bislang wenige Mediaplayer so gut wie der Electrocompaniet.

Hersteller:   Electrocompaniet, Norwegen
Vertrieb:   MRV, Erlangen
Produkt:   EMP3
Kategorie:   Universal-Player

Abspielbare Formate:
   CD, DVD, SACD, DVD-Audio, Blu-ray (2D und 3D), AVCHD, HDCD, Kodak Picture CD, CD-R/RW, DVD±R/RW, DVD±R DL, BD-R/RE, BD-R/RE DL

Ausgänge (analog):   1 Paar XLR Stereo, 7.1-Cinch

Ausgänge (digital):   2 x HDMI, 1 x TosLink, 1 x SPDIF

Eingänge (digital):   HDMI-Audio/HDMI-Video

Abmessungen (B x H x T):   47 x 10 x 32 cm
Gewicht:   10 kg

Preis:   2.850 Euro
Garantie:   3 Jahre

 

Electrocompaniet Europe GmbH
Matthias Roth
Wurzerstraße 16
53175 Bonn


Tel.:  
0228-92394291

Internet:
   www.electrocompaniet.de

E-Mail:   info@electrocompaniet.de

Ist Digital-Audio mit nur einer einzigen Komponente auf hohem Niveau möglich? Mit dem Electrocompaniet EMP3 geht genau das. Er spielt alle relevanten Medien von der CD über SACD bis zu Blu-ray und dient gleichzeitig als hochauflösender Netzwerkspieler. Als kleine Extras liefert er Komfort wie UPnP- und DLNA-Steuerbarkeit und ist als Videoprozessor und High-End-Audiodecoder für externe HDMI-Geräte einsetzbar. Er bietet digital angeschlossen und analog mehrkanalig eine sehr hohe Audio-Qualität und als Stereo-Spieler per XLR wirkliche audiophile Qualitäten mit feiner Dynamik, tiefem Raum und fließenden Rhythmen. All das verpacken die Norweger in ein wertiges 10-Kilogramm-Paket in edler Acryl- und Goldoptik. Die Extra-Auszeichung »Highlight« für den EMP3 versteht sich damit von selbst.  Raphael Vogt

Electrocompaniet EMP3
Preis: 2.850 Euro
Garantie: 3 Jahre

TEST

Blu-ray Player:
Electrocompaniet EMP3
Autor:
Raphael Vogt
Datum:
12.08.2013
Hersteller:
Electrocompaniet