Ultrakompakte Lautsprecher in »Ei«-Form haben bei KEF mittlerweile Tradition. Im 5.1-Set E305 stellt KEF nun die neueste Generation als Paket zusammen. Kompaktes High End oder Design-Gag? i-fidelity.net hat es mit großem Spaß ausprobiert.

KHT heißen seit gut zehn Jahren die Mini-Satelliten/Subwoofer-Systeme von KEF, die mit der vielleicht genialsten Form der Natur ein einzigartiges Design aufweisen: das Ei. Die Kugel besitzt die geringste Oberfläche für ihr Volumen, und wenn man sie mechanisch noch etwas optimiert, stabilisiert sich das Ganze sogar noch. Das wussten schon die Dinosaurier, und wie stabil so eine Form ist, kennt auch jeder von seinem Frühstücksei: Man muss schon ein bisschen Gewalt anwenden, um die feine Schale zu knacken. Die KEF-Satelliten des neuen E305-Sets besitzen in etwa die Größe eines Straußeneis, das beim Legen ja sogar einen Sturz aus einem guten Meter unbeschädigt überlebt. Die Form eignet sich also bestens als Gehäuse, wenn dieses stabil und vibrationsarm sein soll. Die leichte Asymmetrie verhindert zudem konzentrierte Resonanzen und erst recht stehende Wellen. Genial. Das Gleiche gilt natürlich erst recht für den geschlossenen Subwoofer.

Doch der Reihe nach. Das Lautsprecher-Set KEF E305 ist klassisch als 5.1-Set konfiguriert. Es besteht aus vier Satelliten E301 und der Center-Variante E301c. Die Satelliten besitzen alle dasselbe Koaxial-Zweiwege-Chassis und das gleiche Gehäuse. Beim Center ist lediglich der Fuß nicht auf der schmalen, sondern auf der langen Seite des Eis angebracht, um ihn flacher zu halten. Im Basskeller arbeitet der Subwoofer E-2, der in einem größeren Ei-Gehäuse steckt und für seine Leistungsdaten verblüffend kompakt geraten ist. Das Set bietet KEF in Schwarz und Weiß an. Optional kann man die E301-Satelliten auch paarweise einzeln kaufen (358 Euro/Paar) und dazu die Standfüße E305 Stand erwerben (99 Euro/Stück).

Schaut man sich die Satelliten genauer an, fallen die pfiffigen Füße auf. Die verleihen den Böxchen nicht nur einen erstaunlich sicheren Stand. Dank des Kugelgelenks lassen sie sich auch in alle Richtungen anwinkeln und sogar so drehen, dass die als Wandhänger dienen, entsprechende Vertiefungen sind bereits eingebracht. So flach wie die Füße sind, so erstaunlich ist die Tatsache, dass die Entwickler noch richtige Metall-Anschlussklemmen darin unterbringen konnten, wenngleich es »nur« Federklemmen statt Schraubterminals sind. Mit Bananensteckern oder Kabelschuhen kommt man aufgrund des geringen Platzangebots im Fuß nicht weiter, blanke Kabelenden oder, professioneller, aufgepresste Ader-Endhülsen sind angesagt und auch eher Kabel von weniger als 6mm² Querschnitt. Auch der kleine Auslasstunnel für das Kabel spricht eher für schlanke Strippen. Großzügige Gummilippen am Rand schützen Möbel vor Kratzern, falls man die E305 darauf stellt und entkoppeln die Satelliten gleichzeitig vom Untergrund. Das wirkt alles durchdacht und sauber verarbeitet, vor allem auch robust und kompakt, aber nicht filigran.

KEF-Markenbotschafter Johan Coorg führte das E305-System erstmals auf der High End 2013 vor. Insbesondere die harmonische Einbindung des Subwoofers ins klangliche Geschehen gelang perfekt.

Das innen vielfach versteifte Gehäuse beherbergt hinter dem abnehmbaren Frontgitter das eigentliche Herz der Satelliten, das Uni-Q-Koaxchassis. Auch hier setzten die Entwickler mit einer ganzen Reihe neuer Ideen an, um das Bestehende zu verbessern. Der brandneu entwickelte 12-Zentimeter-Konus-Treiber verwendet nun auch die aus der großen »Blade« bekannte geriffelte Sicke, die einen größeren linearen Hub zulässt und damit lauter und gleichzeitig verzerrungsärmer zu spielen in der Lage sein soll. Eine Cone-Breakup-Control genannte Dämpfung erlaubt es ferner, die Alu-Membran stärker zu beanspruchen. Ebenfalls neu ist die innere, hintere Sicke, die den bisherigen Luftspalt zum Hochtöner abdichtet und dadurch potentielle Strömungsgeräusche verhindert. Auch der zentrale Hochtöner erbte einige Technologien vom großen Bruder Blade, etwa den Tangerine-Waveguide zur besseren akustischen Ankopplung an den Konus und damit eine homogenere Schallverteilung im Raum. Ein rückwärtiges Luftvolumen sorgt für eine resonanzarme Dämpfung der Kalotte, deren Geometrie ebenfalls überarbeitet wurde. Die Frequenzweiche zeigt nun auch fast schon audiophile Merkmale wie etwa die sanfte Ankopplung des Mitteltöners mit einem Filter 1. Ordnung (6dB/Oktave), außerdem kommen besser klingende und quasi nicht alternde Folienkondensatoren zum Einsatz.

Durchdachte Technik auch für tiefe Frequenzen

Auch im Subwoofer stecken zahlreiche neue Ideen, von der seit Dinosaurier-Zeiten bewährten Formgebung einmal abgesehen. Ungewöhnlich für diese Klasse und Größe: Das Gehäuse ist geschlossen und arbeitet weder mit Bassreflex noch mit Passivmembranen. Ein besonders leistungsfähiges Tiefton-Chassis und die entsprechend kompensierte kräftige Verstärkung erlauben das. Der Vorteil dieses Konzepts liegt in der Kontrolle des Basssignals und der Vermeidung von Strömungsgeräuschen. Dazu muss der 20-Zentimeter-Konus sehr lange Hübe vollziehen können und sehr steif sein. Kein Problem für KEF. Mit fein abgestimmten Linkwitz-Filtern sorgen die Ingenieure für eine phasengenaue Ankopplung des Subwoofers an die Satelliten, vorausgesetzt beides steht gleich weit vom Hörer entfernt. Ansonsten gibt es drei Schalter zur Anpassung des Subwoofers an den Raum, für die Aufstellung mit Phasenumkehr und für automatisches Stand-by. Pfiffig: Die Buchsen für das Eingangssignal und den Strom sind versenkt und diagonal angeordnet, was sie zum einen gut zugänglich macht und zum anderen eine gute Kabelführung ohne Knicke oder Schleifen erlaubt.

Im Hörraum wurden die Satelliten zunächst verkabelt und tendenziell auf den Hörplatz ausgerichtet , dann machten sich die Tester an das optimale Einrichten der Anlage. Das Einpegeln der verschiedenen Kanäle funktioniert dank der identischen Satelliten tatsächlich fast schon mit dem Ohr. Der Subwoofer, das hörte man schon bei den ersten Tests, spielt verdammt tief für seine Größe, was physikalisch auch schnell den maximalen Pegel beschränkt, wenn die Entwickler keine entsprechende »Bremse« einbauen. Etwas ungewöhnlich beim Woofer: Er hat keinen Pegelsteller. Da aber das System gut aufeinander abgestimmt ist, passte der Pegel natürlich stressfrei beim Einmessen in den Regelbereich des AV-Verstärkers. Wie immer in solchen Fällen verlassen sich die Tester nicht auf eine Einmessautomatik und schon gar nicht auf irgendein Equalizing, schließlich sollen die Lautsprecher alleine zeigen, was sie können. Der akustisch trockene und neutrale Raum des Testkinos besitzt ohnehin keine ausgeprägten Schwächen.

Nach dem Konfigurieren aller Kanäle auf »klein«, also bassbegrenzt, und dem Subwoofer auf »ja« im Signalmanagement sowie dem anschließenden Einpegeln kam die Übergangsfrequenz an die Reihe. Schon bei der Premiere des E305 fragten die Tester die Entwickler nach praxisgerechten Werten. Mit 100 Hertz als Ausgangswert läge man ganz gut, hieß es, und in der Tat klang das Set auf Anhieb recht stimmig. Nach diversen Versuchen landeten die Tester bei 90 Hertz. Schon bei diesen ersten Versuchen, die man am besten mit breitbandiger Popmusik gehörmäßig prüft, klang das E305 mit Daft Punks neuem Album »Random Access Memories« sensationell transparent und druckvoll zugleich, wie man das von einem derart kompakten Sub-Sat-System nicht erwartet. Und vor allem klang das System dabei vollkommen entspannt, keine Spur von Anstrengung kam zu Gehör.

Das Set lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Das war umso erstaunlicher, als die Daft-Punk-Aufnahme recht breitbandig bis in sehr tiefe Bassbereiche reicht und dort noch prallen Pegel verlangt. Ein Griff unter das Subwoofer-Gehäuse bestätigte den Testern dann aber auch schon mit fühlbar heftigen Auslenkungen, dass der kleine Subwoofer bereits tüchtig am Arbeiten war. Die Aufnahme bot sich also auch gut dazu an zu probieren, was bei steigender Lautstärke passiert, wenn der Woofer bereits bei Zimmerlautstärke gut zu tun hat. Also steigerten die Tester langsam die Lautstärke und es passierte … nichts: Es wurde ausschließlich lauter. Erst beim Verlassen mietwohnungstauglicher Lautstärken konnte man klar erkennen, dass der Sound schlanker wurde, weil der Begrenzer des Subwoofers einsetzte. Doch der erledigt seine Sache sensationell unauffällig und schützt die tanzende Membran vor dem mechanischen Kollaps. Doch während die meisten Schutzschaltungen und Begrenzer hässliche Störgeräusche erzeugen, bleibt das Klangbild des KEFs lobenswert sauber. Es wurde also Zeit, die nächste Stufe zu zünden…

Weil im Netzwerkplayer ohnehin gerade der Ordner »Daft Punk« geöffnet war, luden die Redakteure den Soundtrack von »Tron Legacy«, der auch von den französischen Disco-Funkern stammt. Im Gegensatz zum neuen Album ist der Soundtrack deutlich fetter abgemischt und komprimiert wie eine Presswurst. Naturgemäß ging nun der KEF-Woofer etwas früher in die Knie und sein Begrenzer wurde etwas deutlicher mit seiner eigenen Kompression hörbar. Aber: Für einen Basserzeuger dieser Größe klang das schlicht sensationell, tönen die meisten Kollegen dieser Klasse deutlich dünner und die Musik und erst recht. Filme zwingen sie viel eher in die Knie. Respekt!

Bei all dem haben die Satelliten die E305-Sets die Ruhe weg. Für solch ein Kompaktsystem klangen sie fast schon audiophil ausgewogen und geschmeidig. Vor allem im Mittel- und Hochtonbereich konnte das Uni-Q-Chassis seine Stärken ausspielen. Es spielte präzise und dennoch entspannt und konnte verblüffende Pegel herausdrücken, dabei wurde es selbst bei großen Lautstärken nie lästig. Und wie von KEFs Entwicklern versprochen, geriet der Übergang zum Subwoofer so unauffällig wie selten. Positiv viel den Testern auch auf, wie angenehm sortiert und dennoch nie übertrieben kontrastiert die Bühnenabbildung gelang. Oft hat man bei Koax-Treibern ein wenig das Gefühl, dass sie Konturen schon etwas überbetonen, das war beim E305 jedoch nicht der Fall. Die Wiedergabe wirkte wunderbar entspannt, dabei dynamisch und sehr breitbandig. Ein solch kompaktes und dabei preiswertes System so ausgewogen hinzubekommen, das gelingt wenigen Herstellern auf diesem Niveau. Das ist wirklich klasse.

Hersteller:   KEF

Modell:   E305

Kategorie:    Mehrkanal-Lautsprecher-Set (5.1)

Satelliten Modell:   E301/ E301c

Konstruktion:   Zwei-Wege-Bassreflex

Bestückung des Uni-Q:   HF: 19 mm belüftete Aluminium Hochtönerkalotte,   MF: 115 mm Aluminium Mitteltönerkalotte

Abmessungen (B x H x T):
   14 x 26 x 16 cm

Gewicht:   2,5 kg


Subwoofer Modell E-2

Konstruktion:   Aktiver Subwoofer (geschlossen)

Bestückung:   1 x 20-cm-Chassis

Leistung:   250 W eingebauter Class-D

Kleinsignaleingang:   Cinch

Abmessungen (B x H x T): 
  43 x 32 x 27 cm

Gewicht:   7,5 kg

Set-Preis:   998 Euro

Garantie: 
  5 Jahre

 

GP Acoustics GmbH
Am Brambusch 22
44536 Lünen

Telefon:   +49 (0) 2 31 / 9 86 03 20

Internet:   www.kef.com/de

E-Mail:   info@gpaeu.com

Das Surround-Set E305 von KEF überzeugt neben seinem zeitlosen Design mit pfiffigen Detaillösungen, beginnend mit den in die Füße integrieren Wandhalterungen bis hin zur Möglichkeit, weitere E301-Satelliten nachkaufen zu können. Der kompakte Subwoofer spielt erstaunlich tief und dabei sauber und hält sich in seinem Grenzbereich dank clever gestalteter Begrenzer dezent im Hintergrund, anstatt Störgeräusche zu erzeugen. Sehr gelungen. Die Satelliten und der baugleiche Center spielen angenehm entspannt und dabei doch detailreich, vor allem sehr ausgewogen und dynamisch. Das Ei bietet hier die Quadratur des Kreises und wird dafür mit klarem i-fidelity.net-Referenz-Stempel versehen.   Raphael Vogt

KEF E305
Preis: 998 Euro
Garantie: 5 Jahre

TEST

Lautsprecher:
KEF E305
Autor:
Raphael Vogt
Datum:
24.07.2013
Hersteller:
KEF