Audionet stellt mit dem DNP sein bislang komplexestes Produkt vor. Die Multifunktionsmaschine beinhaltet einen analogen, symmetrischen Vorverstärker, einen D/A-Wandler, eine aktive Frequenzweiche, eine elektronische Raumkorrektur, einen High-End-Audio-Streamer und UKW-Radio. Ach ja, Phono lässt sich nachrüsten oder gleich mitbestellen. Wenn das alles auch noch gut klingt – könnte so die Zentrale fast jeder künftigen High-End-Anlage aussehen?

Digital Network Preamplifier, kurz DNP, nennt die feine High-End-Elektronik-Manufaktur Audionet aus Bochum ihren jüngsten Spross. Und der wirkt konzeptionell zukunftsweisend, und zwar möglicherweise nicht nur für Audionet. Die Gerätegattung Verstärker-mit-D/A-Wandler-und-Streamer gibt es nun schon seit geraumer Zeit und sie erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Sie bietet ja auch unübersehbare Vorteile auf der technischen Seite und ermöglicht andererseits eine einfachere Bedienung als ein Stapel getrennter Komponenten. Meist bauen die Hersteller dazu die digitalen Bauteile als Modul in einen fernbedienbaren Verstärker ein. Tja, so einfach machen es sich die Bochumer nicht, und das ist gut so.

Schaut man durch die Lüftungsschlitze der robusten Haube oder traut sich, wie die Tester, das massive Stück loszuschrauben, um in das Labyrinth der Schaltungen einzutauchen, dann staunt selbst der Kenner nicht schlecht, mit welch unfassbarem Aufwand dieses Manufaktur-Meisterstück gefertigt ist. Wenige große Platinen mit dem dominierenden und imposanten Netzteil sind mit Dutzenden kleiner und kleinster Tochterplatinen und -platinchen bestückt. Und wenn man wie die Tester einmal die seltene Ehre hatte, mit Chefentwickler Volker Wischniowski direkt an seinem Arbeitsplatz in der Entwicklungsabteilung sprechen zu dürfen, der weiß, wie viel Gehirnschmalz in jedem Detail steckt. Stundenlang kann man dem Diplom-Ingenieur zuhören und lernt dabei über Analog- und Digitaltechnik mehr als in einem Semester an der Uni, während er eine Platine nach der anderen aus dem Entwicklungsmuster pflückt oder Bauteile aus der Krabbelkiste fischt und zu jedem Stück neben den schnöden technischen Details und den faszinierend ausgeführten klanglichen Eigenschaften auch noch ein Anekdötchen zu erzählen weiß.

Kaum am fertigen Verstärker nachzuvollziehen, sondern nur am teilzerlegten Muster erkennbar sind dabei die Entwicklungsanstrengungen, die besonders am DNP kniffelig umzusetzen waren, nämlich die Signalwege – ob analog, digital oder gemischt – so kurz wie möglich zu halten und dabei die gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Baugruppen zu minimieren. Die Quadratur des Kreises galt es dabei zu lösen, denn entweder sitzen die Bauteile nahe beieinander und beeinflussen sich bei kurzem Weg oder umgekehrt. Hinzu kommt, dass dies für analoge und gleichzeitig für digitale Signalanteile im Gerät gelten sollte.

An dieser Stelle kommen wir zu den Fähigkeiten, die der DNP so mit sich bringt, und die füllen eine lange Liste. Einiges erklärt sich aber schon bei der Betrachtung des rückwärtigen Anschlussfelds. Das beginnt links mit dem Kaltgeräteanschluss mit ordentlichem Netzschalter. Gleich darüber befindet sich eine massive Messing-Schraubklemme für eine zusätzliche Erdung. Ein passender Schuko-Blindstecker mit extra-dickem Masseleiter liegt serienmäßig bei. Die zusätzliche Erdung bringt, abhängig vom verwendeten Netzanschluss, zusätzliche Ruhe ins Klangbild. Dann folgt eine Buchse für ein externes Netzteil. Weiter gibt es Anschlüsse für kabelgebundene Steuerbefehle per Audionet-Link, Triggersignal oder RS-232. Der nächste Block nimmt Daten aller Art entgegen, entweder vom LAN-Kabel oder der WLAN-Antenne (serienmäßig beiliegend), per USB-Anschluss mit iPod-Schnittstelle und per USB-2.0-Audio-Anschluss für Audiophiles bis 192 Kilohertz direkt vom Computer.

Grenzenlose Vielfalt

Weiter geht es mit einem Antennenanschluss für UKW und immerhin neun Digital-Audio-Eingängen mit einer AES/EBU-Buchse und zu gleichen Teilen Cinch- und TosLink-Buchsen. Der letzte Anschlussblock ist komplett analogen Ein- und Ausgängen gewidmet, es gibt je ein Stereo-Paar symmetrisch. Installiert man das optionale Phonomodul (450 Euro, per Jumper MM/MC konfigurierbar), mutiert der Line-In-5-Eingang zum Phono-Anschluss, für den es auch eine eigene Masseklemme gibt. Gleich darunter befindet sich der große Klinken-Kopfhöreranschluss. Dieser ist im Menü getrennt schalt- und regelbar. Mit dem XLR-Pärchen gibt es insgesamt drei Stereo-Vorverstärkerausgänge, die sich auch parallel betreiben lassen, um zum Beispiel Bi-Amping professionell verkabeln zu können.

Das letzte Paar Ausgangsbuchsen treibt entweder eine zweite Hörzone oder dient der professionellen Ansteuerung von einem oder zwei Subwoofern. Hierfür besitzt der DNP ein komplettes Bassmanagement mitsamt aktiver Weiche, Raumentzerrung, Pegel- und Laufzeitanpassung. Übrigens kann man einen wählbaren Eingang »auf Durchzug« stellen, dann ist der DNP quasi nur noch ein Stück Draht. Damit lässt er sich sogar als High-End-Stereo-Quelle in eine Surround-Anlage einbinden. Bei dieser Fülle an Schnittstellen sollte wirklich für jeden etwas dabei sein.

Kleiner Exkurs zum Thema Strom: Es macht Sinn, die gesamte HiFi-Anlage von einer Steckdose aus zu verteilen, schon damit alle Komponenten auf demselben Masse-Potential liegen. Viele Steckdosenleisten bieten jedoch leider viel zu wenige Verbindungen. i-fidelity.net löst das Problem im Testkino mit der Oehlbach Powersocket 905, die immerhin acht gedrehte Schuko-Dosen bietet und dann noch zwei USB-Stromanschlüsse beinhaltet, um etwa das iPad und das Smartphone zu laden. So viele Dosen braucht kein Mensch, denken Sie? Schauen wir mal: Der DNP benötigte bis zu drei Stück – für Stromversorgung, Extra-Masse-Anschluss und Ladegerät für die Fernbedienung–, dazu kamen zwei Aktiv-Lautsprecher und ein -Subwoofer, ein Blu-ray Player und ein Fernseher. Schon waren alle acht Dosen besetzt. Und dabei sind weder ein Kabel- oder Sat-Receiver noch der Server oder der Router eingesteckt. Ein Minimum von acht Steckdosen für die Anlage ist also wirklich sinnvoll und hilft zum Beispiel, Brummschleifen zu minimieren.

Denn sie wissen, was sie tun: Seine vielfältigen Funktionen bedingen die hohe Komplexität des Audionet DNP. Insbesondere die stabile Stromversorgung der einzelnen Baugruppen ist perfekt realisiert. Dass der betriebene Aufwand gerechtfertigt ist, zeigen die sensationellen Messwerte des DNP im i-fidelity.net-Testlabor.
Experten ins Gespräch vertieft: Audionet-Entwicklungsingenieur Volker Wischniowski (links im Bild) und i-fidelity.net-Testredakteur Raphael Vogt diskutierten sehr ausführlich viele der durchdachten Detaillösungen des DNP.
Die Signalwege im Audionet DNP sind äußerst kurz gehalten. Deshalb sitzen die hochwertigen, zum Teil nur für Audionet gefertigten Bauteile an einigen Stellen in vier Stockwerken übereinander.

Bei all diesen Möglichkeiten scheint der DNP sehr komplex zu sein, aber er ist, das sei vorweggenommen, in der Praxis zum Glück wirklich einfach zu handhaben. Zunächst kann man den DNP einfach wie jede analoge Stereo-Vorstufe einsetzen: Quelle wählen, laut und leise drehen – fertig. Wer das nicht am Gerät erledigen möchte, der setzt sich einfach mit der serienmäßigen Systemfernbedienung von Logitech in seinen Sessel. Der stromlinienförmige Handgeber bietet alle gängigen Tasten für Verstärker, Fernseher und Quellen und – statt unübersichtlicher Bedienebenen – einen modernen, farbigen Touchscreen. Für sämtliche Audionet-Komponenten ist die Logitech vorprogrammiert, man kann also sofort loslegen. Möchten Sie Ihre weiteren Geräte mit auf das gute Stück gelegt haben? Dafür ist bereits von Audionet ein Logitech-Account eingerichtet, und so lassen sich problemlos auch Fernseher, Sat-Receiver und andere Komponenten schnell mit auf die Tasten bekommen. Eine formschöne Ladeschale hält den edlen Handgeber griffbereit und lädt den Akku.

Dank der digitalen Audio-Eingänge kann man genauso einfach stereophone digitale Signale spielen, sei es vom CD-Laufwerk, einem DVD- oder Blu-ray-Disc-Spieler oder dem Sat-Receiver. Schon hier versteht der DNP Auflösungen bis 192 Kilohertz und 24 Bit, wie sie beispielsweise die feinen Klassikaufnahmen des skandinavischen Labels 2L von Blu-ray liefern. Dank der USB-Buchse lassen sich auch iPod/iPhone/iPad direkt anschließen oder ein Memorystick und sogar Festplatten mit Musik direkt anklemmen: Verzeichnis wählen, Play drücken, Musik läuft. Apple-Geräte werden gar komplett mit dem DNP ferngesteuert. Die Navigation zeigt dabei im einfachsten Fall das wunderbar klare, große, grafische Display auf der Front des Bochumers. Der DNP spielt alle gängigen Dateiformate, sogar die noch vergleichsweise exotischen AIFF und ALAC (Apple Lossless Audio Codec) und natürlich die wichtigsten wie Flac auch gapless, also übergangslos zwischen den Stücken.

Der Vorsprung bleibt

Bis dahin ist der DNP konventionell und problemlos einsetzbar. Und er klingt sensationell, wie man das bei Top-Komponenten von Audionet nicht anders erwartet: Er strahlt förmlich mit feinem Glanz auf den Instrumenten, leuchtet noch die letzten Winkel des Aufnahmeraums aus, separiert und staffelt die Instrumente und einzelne Stimmen kristallklar neben- und hintereinander und stellt all das Filigrane auf einen spürbar präsenten Körper. Die USB-Daten laufen bereits über den integrierten Mediaplayer, und das ist gut so, denn kaum eine externe Quelle kann so gut klingen wie ein integrierter Streaming-Client, das demonstrieren viele Geräte unterschiedlicher Hersteller und Preisklassen immer wieder. Kurze Signalwege, lokale D/A-Wandlung und geringer Jitter machen sich eben bemerkbar. So auch beim DNP. Das geht aber auch professionell vom Server. Die Verbindung mit dem lokalen Netzwerk via Kabel oder WLAN gelang im Test prompt. Die lokalen Server erschienen augenblicklich in der Liste, und auch die Navigation funktionierte überdurchschnittlich schnell. Das klare, grafische Matrixdisplay auf der Front gibt vergleichsweise übersichtlich Auskunft über die gewählten Verzeichnisse und Titel sowie die Daten des laufenden Titels, außerdem über die Füllung des Datenpuffers und die Samplingrate.

Mit der Android-App Audionet Music Manager, kurz aMM, lassen sich die Grundfunktionen des DNP steuern und der Streaming-Client komfortabel kontrollieren.

Wer es noch übersichtlicher haben und Listen sowie Cover-Anzeigen benutzen möchte, der erhält in Googles Play-Store den Audionet Music Manager, kurz aMM. Für andere Plattformen gibt es die App zumindest bislang nicht. Aber mit über 70 Prozent Marktanteil im Smartphone-Markt ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ein Android-Gerät hat, eben signifikant größer als bei Apple mit rund 21 Prozent (Quelle: IDC Worldwide Mobile Phone Tracker, 14. Februar 2013). Schlimmstenfalls gibt es schon für unter 100 Euro ein Android-Tablet im Handel, preiswerter als eine gute Systemfernbedienung. Mittels aMM lassen sich die Grundfunktionen des DNP schön grafisch handhaben, es gibt sogar einen wirklich feinfühligen Lautstärkeregler, den man richtig drehen kann. Der Kern des aMM ist aber die komfortable UPnP-Steuerung für den Streamer.

Das geht schon sehr gut

Wer es noch komfortabler und umfangreicher möchte, für den gibt es als kostenlose Java-Software – lauffähig auf Windows und Mac – den Audionet Remote Control Point, kurz RCP. Es mag zunächst abwegig klingen, aber so ein kleines Netbook auf dem Schoß stellt sich in der Praxis als angenehm praxistauglich heraus – bequemer und übersichtlicher kann man ein Gerät wie den DNP wirklich nicht bedienen. Das Wuseln im Musikarchiv und Editieren von Playlists geht hier so übersichtlich, schnell und intuitiv von der Hand wie selten.

Doch der RCP ist noch viel mehr, und damit kommen wir zu den Punkten, die den DNP bislang ziemlich einzigartig auf dem Markt machen. Schließlich beinhaltet er ein komplettes Raumkorrektur- sowie ein Bassmanagement-System. i-fidelity.net berichtete bereits mehrfach über den audiophilen Einsatz guter Subwoofer. Selbst vermeintlich ausgewachsene Standlautsprecher lassen sich locker um eine ganze Oktave im Frequenzgang nach unten erweitern, und das macht eine Menge an Raum und Präsenz im Klang aus. Das gilt erst recht für kompakte Boxen, die mit einem gut angepassten Subwoofer die Vorteile kleiner Schallquellen mit der Wucht und Dynamik telefonzellengroßer Referenzboxen zu kombinieren verstehen. Wenn, ja wenn die Anpassung der Stereo-Lautsprecher mit dem Subwoofer gelingt. Dazu müssen die akustischen Eigenarten der verwendeten Lautsprecher natürlich nicht nur ungefähr zusammenpassen, es muss vor allem ein nahtloser akustischer Übergang hergestellt werden können. Und dazu bedarf es eines guten Signalmanagements, das neben Pegel und Phase gute Hoch- und Tiefpassfilter sowie eine feinstufige Laufzeitanpassung anbietet. Wenn dann noch ein Netzwerk von exakt dosierbaren Equalizern die Raumentzerrung hinzubringt, dann strebt das Klangbild plötzlich in neue Höhen. Und genau das alles kann der DNP mit links. Pro Ausgangskanal dürfen fünf vollparametrische Filter verwendet werden, selbst für jeden Subwoofer.

Das Audionet-Programm RCP (Remote Control Point) dient sowohl der Konfiguration und Steuerung des DNP als auch, wie hier im Bild, der komfortabelsten Steuerung des Streaming-Clients.
Die künftige Version des Mess- und Akustikanalyseprogramms CARMA 4, hier die Beta-Version, arbeitet direkt mit dem DNP zusammen und steuert Raumkorrektur- und Subwoofer-Einstellungen.

Nun machen diese Filter nur dann Sinn, wenn man auch weiß, wo man etwas einstellen muss. Dazu bietet Audionet, wiederum als Multi-Plattform Java-Software, das Messystem CARMA (Computer Aided RooM Analyzer) kostenlos zur Verfügung. Schon seit geraumer Zeit erhältlich ist die Version 3, deren Stärke in der Analyse liegt und deren Ergebnisse sich in den RCP importieren lassen. Die Filter setzt man dann manuell. i-fidelity.net konnte auch schon einen Blick auf das kommende CARMA 4 als frühe Beta-Version werfen. Das kommuniziert dann direkt mit dem DNP und erleichtert so die Analyse und vor allem das Setzen der Laufzeiten. Das gesamte Setup mit allen Bassmanagement- und Raumentzerrungs-Einstellungen lässt sich im DNP auf 20 frei benennbaren Speichern verwalten, damit sind sogar verschiedene Szenarien leicht zu handhaben.

Das alles haben die Tester natürlich ausprobiert und es macht schon gehörig Spaß, weil die Filter wirklich gut klingen und nicht wie in vielen anderen Fällen eine Dynamik-Einbuße verursachen. Dynamik und Auflösung verändern sich seitens DNP nicht, aber hat man die richtigen Korrekturen gesetzt, hört man mehr Details, das Klangbild gewinnt an Musikalität und Durchhörbarkeit. Auch die tonale Balance lässt sich mit diesen Mitteln wunderbar feineinstellen, sogar andere lästige Resonanzen des Hörraums können erfolgreich kompensiert werden. So lässt sich etwa eine asymmetrische Akustik weitgehend ausbalancieren (Beispiel: links reflektierendes Fenster, rechts diffuses Bücherregal). Wer sich an solche Aufgaben nicht herantraut, der sollte sich einen kompetenten Händler suchen, denn diese Anpassungen lohnen sich und steigern die Qualität je nach Raum und dessen Akustik ungemein.

Der DNP klingt mitreißend

Im praktischen Hörtest probierten die Tester auch die Zuspielung externer digitaler Quellen, die allesamt wegen der mehrstufigen Signalauffrischung und Taktberuhigung im DNP hervorragend schlackefrei und feingliedrig klangen, dabei eine präzise Raumabbildung zeigten und eben nicht langweilig exakt tönten, sondern organisch musikalisch fließend, so dass die Tester ganz unwillkürlich mit dem Fuß mitwippten. Das galt erst recht für den USB-Audio-Eingang. Vom Audionet-Support gibt es für Windows-Rechner einen passenden Treiber, bei Apple-Rechnern braucht man den bei aktuellen Geräten nicht. Zuspielungen von CD-Qualität (44,1 Kilohertz / 16 Bit als Flac-Dateien) klangen bereits etwas freier und feindynamischer als vom externen Hardwareplayer zugespielt. Richtig auf blühte der DNP aber mit hochauflösenden Aufnahmen auf, etwa bei Andrea Bocellis »Passione« oder Nils Landgren Funk Units »Funky Abba« von www.highresaudio.de.

Noch spannender fanden es die Tester, dieselben Dateien über USB-Audio und den internen Streamer zu vergleichen. Der Streamer klang etwas knackiger und ließ tiefer in den Raum hineinhorchen, Instrumente klangen länger aus. Die USB-Zuspielung via JRiver Mediaplayer klang räumlich etwas flacher und kürzer, dynamisch eine Spur softer, aber dafür floss die Musik noch einen Tick grooviger. Trotzdem, in dieser Konstellation gewann in der Summe der interne Streaming-Client des DNP. Der Audionet DNP ist eben ein Gesamtkunstwerk, das jeden einzelnen Euro wert ist.

 

mit Audionet-Geschäftsführer Thomas Gessler

 

i-fidelity.net:   Herr Gessler, können Sie uns bitte erklären, in welche Kategorie Sie den Audionet DNP einordnen? Respektive an welche Kundengruppe Sie beim DNP denken?

Thomas Gessler:
   Der DNP entzieht sich einer klassischen Kategorisierung. Er ist ein typischer analoger Vorverstärker mit einer Informationsfülle und -dichte, die für die meisten Zuhörer nicht vorstellbar schien. Er ist ferner ein universeller, audiophiler Hightech-D/A-Wandler, der selbst einer SetTop-Box Töne entlockt, die man nicht glauben will, ferner ein Streaming Client beziehungsweise Renderer, der klanglich und von seinen Bedienmöglichkeiten her den Stand der Dinge markiert, sowie ein Equalizer- und Bassmanager, der dem Thema hochwertiger Musikwiedergabe und auch dem Spaß dabei eine echte neue Dimension hinzufügt.
Damit ist auch der Interessentenkreis umrissen: ganz einfach undogmatische Menschen, die Musik auf höchstem Niveau hören und sich dabei nicht beschränken wollen. Der DNP übersetzt die Fülle der heutigen technischen Möglichkeiten in puren Wohlklang und tiefes emotionales Erlebnis. Zur High End präsentieren wir übrigens unser neues Supernetzteil Audionet EPX, das den DNP – und nicht nur den – noch weiter auf ein kaum zu glaubendes Niveau heben wird.


i-fidelity.net:   Dass ein mittelständisches Unternehmen wie Audionet in der Lage ist, ein derart komplexes High-End-Gerät zu fertigen, findet i-fidelity.net sehr bemerkenswert. Wie groß war der Mehraufwand für die Realisierung?

Thomas Gessler:   Es ist ja nicht so, dass wir unsere Systeme nur vertreiben würden, sondern wir entwickeln sie vor allem auch. Und es ist aus unserer Unternehmenshistorie auch so, dass wir uns mit den Dingen sehr grundsätzlich beschäftigen. Es geht uns ums Wissen, nicht um das Hörensagen.
Ein Beispiel hierfür ist CARMA, eine Software zur Messung und Beurteilung des Klangs in einem Hörraum. Wir haben uns nicht nur mit dem Thema »Wie klingen Wiedergabesystem – Hörraum zusammen« beschäftigt. Wir haben gleichzeitig auch ein Analyse-Instrument dafür geschaffen, mit dem wir fundierte Aussagen treffen und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen können. Mal ganz davon abgesehen, dass wir uns damit einen extrem tiefen und fundierten Zugang zu diesem Thema erarbeitet haben. Und das ist ein wesentlicher Grund, weshalb unsere Equalizer anerkanntermaßen so verflixt gut klingen.
Zur High End wird es übrigens das neue CARMA 4 – nach wie vor kostenlos von unserer Webseite herunterladbar – geben, das dann in jeder Hinsicht absolut professionelle Mess- und Analysemöglichkeiten bieten wird. Das Gleiche gilt für unsere Bedien-Apps. Auch hier haben wir es geschafft, aus dem Nichts wegweisende Lösungen zu entwickeln. Wir sind also nicht mehr nur ein Hardware-Hersteller, der deutlich größere Teil unserer Arbeit macht mittlerweile die Firm- und Softwareentwicklung aus – alles selbstgemacht und damit in Form gepflegter Software und fundierter Kompetenz für unsere Kunden verfügbar. Insgesamt ist das ein enormer Aufwand, den wir in diesem Bereich treiben!


i-fidelity.net:
   Sie arbeiten mit verschiedenen Zulieferern, die zum Teil sogar Audionet-spezifische Bauteile fertigen. Wie zufrieden sind Sie mit deren Leistungen?

Thomas Gessler:
   Gehäuse, Transformatoren, Platinen, SMD-Bestückung, aber mittlerweile auch ein wesentlicher Teil der eingesetzten Komponenten wie etwa Kondensatoren, lassen wir speziell für uns fertigen – in Indien, Japan, China, vor allem aber auch in Deutschland. Im neuen Audionet EPX etwa setzen wir Elna-Kondensatoren ein, die dieses Weltunternehmen ausschließlich für uns fertigt. Jeder Unternehmer weiß: Einzelstücke sind ok, Großserie ist ok. Aber kleine und mittlere Stückzahlen machen Falten und graue Haare, weil die Anforderungen genau so hoch sind wie bei der Großserie. Das bedeutet konkret, dass Aufwand und Kosten extrem steigen. Mit unseren Zulieferern läuft es sehr gut, mit ihnen verbindet uns überwiegend eine lange Geschäftsbeziehung und sie kennen unseren Qualitätsanspruch. Aber sie lassen es sich ja auch bezahlen.


i-fidelity.net:
   Denken Sie, dass das Musikhören via Festplatte die Zukunft ist oder sind Sie der Meinung, dass damit nur eine weitere, äußerst komfortable Quelle hinzugekommen ist?

Thomas Gessler:
   Musikhören via Festplatte wird sich so selbstverständlich in unser Leben einschleichen und seinen Platz einnehmen wie etwa der Computer oder das Internet, da bin ich mir sicher.


i-fidelity.net:
   In Ihrer Funktion als Audionet-Geschäftsführer passen Sie sich seit über einem Jahrzehnt Modeströmungen nur äußerst selten an. Während sich ein Großteil der Branche ab dem 9. Mai in München zur High End trifft, läuten Sie das Kapitel »Neue Wege für München« ein. Was hat es damit auf sich?

Thomas Gessler:
   Da sich die High End nicht richtig entscheiden kann, ob sie Fach- oder Publikumsmesse sein will, hatten wir aus meiner Sicht immer das Problem, dass wir uns weder um unsere Händler und Importeure noch um unsere vielen treuen Kunden so kümmern konnten, wie sie es verdient haben. Aus diesem Spagat wollen wir uns in diesem Jahr mit einem Konzept befreien, das sowohl Konsultationen nach Terminabsprache als auch einen freien geselligen Teil vorsieht, mit einem neuen Ort und mit flexiblen Zeiten. Davon erwarten wir uns fruchtbarere und erfolgreichere Ergebnisse für alle Beteiligten.

Analog-Vorverstärker

DAC-Sektion

Verstärkung
Verstärkungsfaktor:   10,3 dB / 3,28-fach
max. Ausgangsspannung:   6,6 V
 
Verzerrungen:

Klirrfaktor (THD+N):   0,0005 %
IM-Verzerrungen (SMPTE):   0,0005 %
IM-Verzerrungen (CCIF):   0,0003 %
 
Störabstände:

Fremdspannung (- 20 kHz):   -102,3 dB
Geräuschspannung (A-bewertet):   -104,9 dB
 
Sonstige:
Obere Grenzfrequenz:   > 185 kHz
Kanaldifferenz:   0,0 dB
Eingangswiderstand (unsymmetrisch):   46 kOhm
Ausgangswiderstand (unsymmetrisch):   24 Ohm
DC-Ausgangs-Offset:   1,2 mV

Stromverbrauch:
Aus:   0 W
Stand-by:   < 1 W
Leerlauf:   88 W

 

Laborkommentar

Der analoge Vorverstärker des Audionet DNP glänzt mit überragend niedrigen Verzerrungswerten und erstklassigen Störabständen - besser geht's praktisch nicht mehr. Die Klirrwerte der Wandlersektion markieren ebenfalls die Grenze des mit 16 Bit Machbaren, die Störabstände sind sehr gut. Rundum erstklassige Arbeit, der DNP ist ohne Fehl und Tadel.

 

Hersteller:   Audionet
Modell:   DNP
Kategorie:   High-End-Prozessor-Vorverstärker

Besonderheiten

  • 2.0 bis 2.2 Stereo-Betrieb (2 analoge Subwoofer-Ausgänge oder als Multiroom- Ausgänge nutzbar)
  • Parametrischer Equalizer und Delay-Manager für alle Ausgänge
  • Double-Precision-Bassmanager mit 48 Bit-Auflösung und frei wählbaren Grenzfrequenzen und Filtergüten
  • Intelligent Sampling-Technologie mit asynchronem Upsampling auf 192 kHz/24 Bit
  • Bypass-Mode für Heimkino-Integration
  • Schaltbarer Kopfhörerausgang
  • Automatische Netzphasenerkennung


Anschlüsse

  • Audio-Eingänge (Analog)      
  • 4 Paar Cinch line, vergoldet, teflon-isoliert
  • 1 Paar Neutrik XLR symmetrisch, vergoldet


Audio-Eingänge (Digital)

  • 4 Cinch, 75 Ohm, vergoldet, teflon-isoliert
  • 4 optisch (TosLink)
  • 1 Neutrik XLR AES/EBU, 110 Ohm, vergoldet, teflon-isoliert
  • 1 USB Audio Typ B


Audio-Ausgänge

  • 2 Paar Cinch Pre-Out, vergoldet, teflon-isoliert
  • 2 Cinch Sub-Out (Multiroom), vergoldet, teflon-isoliert
  • 1 Paar Neutrik XLR symmetrisch, vergoldet
  • 6,3 mm-Klinkenbuchse für Kopfhörer, schaltbar


Weitere Anschlüsse

  • 1 USB 2.0 Typ A
  • WLAN-Antenne (SMA)
  • 1 Ethernet 10/100 MBit (RJ 45)
  • FM-Antenne, 75 Ohm
  • RS232 (Steuereingang)
  • Schraubanschlüsse für Plattenspieler-Erdanbindung
  • Schraubanschluss für zusätzliche Erdanbindung, vergoldet
  • Ferneinschaltung über Audionet Link OUT, optisch (TosLink)
  • 3,5mm-Klinkenbuchse als Trigger-Ausgang mit 12V-Schaltspannung (optional mit 5V)
  • Kaltgeräte-Einbaustecker


Streaming-Formate:

  • WAV (bis 192 kHz/24 Bit)
  • FLAC (bis 192 kHz/24 Bit)
  • ALAC (bis 96 kHz/24 Bit),
  • AIFF (uncompressed, bis 192 kHz/24 Bit)
  • MP3, AAC, WMA, OGG-Vorbis


Abmessungen (B x H x T):
   43 x 12 x 36 cm
Gewicht:   12 kg

Preis:
   10.490 Euro
Garantie:   3 Jahre (Einsendung der Garantieanforderung Voraussetzung)

 

Idektron / Audionet
Unternehmens- und Technologieberatung GmbH & Co.
Entwicklungs- und Produktions-KG
Alboinstraße 36-42
12103 Berlin

Telefon:   0 30 / 23 32 42 10

Internet:   www.audionet.de

Facebook:   https://www.facebook.com/audionet.international/?fref=ts

http://www.audionet.de/

Um die Frage aus dem Vorspann aufzugreifen: Ja, so sollte die HiFi-Anlage der Zukunft aussehen. Audionets geniale Kombination aus analogem und digitalem Vorverstärker mit Bassmanagement und Raumkorrektur ermöglicht dank der Steuer- und Kontrollmöglichkeiten via serienmäßiger Touchscreen-Fernbedienung, App (aMM) und Laptop (RCP) einen Komfort wie kaum ein Mitbewerber. Und dank des zugehörenden Messsystems CARMA überzeugt jede Anlage in jedem Raum mit Höchstleistungen. Das Gesamtpaket funktioniert so genial gut und trotz seiner Komplexität so simpel wie wenige andere Lösungen. Der DNP stellt in jeder Hinsicht eine Meisterleistung dar. Nie ließ sich mit einer einzigen Komponente fast jede Anlage so highendig zum Klingen bringen, mit selten gehörter Feindynamik und Raumabbildung. i-fidelity.net gratuliert Audionet zu einer weiteren Referenz!   Raphael Vogt

Audionet DNP
Preis: 10.490 Euro
Garantie: 3 Jahre

TEST

Verstärker:
Audionet DNP
Autor:
Raphael Vogt
Datum:
02.05.2013
Hersteller:
Audionet