Heimkino-Lautsprechersets gibt es viele. Klanglich gut spielende, ohne Tricks und doppelten Boden gibt es wenige. Nubert bietet mit dem WS-201-Set eine Lösung für eine besonders unauffällige Installation an. So schmal wie die Lautsprecher darf dann sogar das Budget ausfallen. i-fidelity.net hat sich die Flachmänner plus kleinem Woofer zum Test ins Kino bestellt.

Es gibt viele Gründe, ausgewachsene Lautsprecher nicht frei in den Raum zu stellen, obwohl eben genau das in der Regel die besten klanglichen Ergebnisse bringt. Vielen Anwendern fehlt dafür aber schlicht der Platz. Auch ästhetische Gründe werden oft angeführt, obwohl es ja nun wirklich schicke Lautsprecher auf dem Markt gibt. Einfach eine Box nehmen und sie an die Wand zu schieben, ist aber keine Lösung, denn akustisch geht das bei gewöhnlichen Lautsprechern praktisch immer in die Hose – der Klang bläht sich auf und die Mitten klingen topfig. Nun könnte man natürlich die Stichsäge ansetzen und entsprechend konstruierte Einbaulautsprecher in der Wand »versenken« – sie gibt es mittlerweile in praktisch allen Preisklassen und Qualitätsstufen. Das aber ist insbesondere in einer Mietwohnung wenig angesagt, und kaum jemand in Deutschland ist bereit, sich eine Fakewall – eine Trockenbauwand vor der eigentlichen Wand – zu installieren, was auch eine elegante Versteckmöglichkeit für Einbaukomponenten darstellt.

So bleiben als Kompromiss On-Wall-Lautsprecher, also Modelle, die für die Positionierung direkt an der Wand gedacht sind und dort in der Regel hängend montiert werden. Genau so etwas stellen die schlanken Nubert nuBox WS-201 dar. Sie sind akustisch und mechanisch genau hierfür entwickelt. Technisch verwenden sie die gleichen Materialien und Lautsprecherchassis wie der Rest der wohlbeleumundeten nuBox-Serie. Ihr Gehäuse aber reicht nur 10,8 Zentimeter in die Tiefe (12,3 Zentimeter sind es mit Abdeckung) und baut daher nur etwa soviel auf wie ein aufgehängter Flachbildfernseher. Auch von vorne wirken die Flachmänner elegant schlank mit 14 mal 38 Zentimetern. Nubert bietet verschiedene Holzvarianten für den Korpus an mit silberner, Graphit-farbener oder schwarz glänzender Front. Damit dürfte sich für praktisch jedes Ambiente ein passendes Modell finden lassen. Zum Test sandte Nubert der Redaktion die Variante mit schwarz foliertem Korpus und schwarz glänzender Front. Die Verarbeitung wirkte perfekt, die Folie geht für das Geld in Ordnung, die Passungen saßen hundertprozentig und die glänzende Frontplatte sah schon fast nach Klavierlack aus.

Technisch ist die WS-201 für den Betrieb an der Wand optimiert, kann aber auch freistehend betrieben werden. Eine entsprechende akustische Anpassung lässt sich dank der aufwendigen Frequenzweiche an den zwei Schaltern neben den robusten Ganzmetall-Lautsprecherklemmen vornehmen. Ortsfilter nennt sich das bei Studiomonitoren. Drei verschiedene integrierte Wandhalter mit Schlüssellochöffnungen erlauben eine flexible Positionierung in vertikaler oder horizontaler Ausrichtung. Damit nichts vibriert oder an der Tapete scheuert, liegen der Packung selbstklebende Gummidämpfer bei, die sich entsprechend der Ausrichtung aufbringen lassen.

Neben dem Standardhochtöner der nuBox-Serie arbeiten in der schlanken Erscheinung zwei Tieftöner von nur 11,5 Zentimeter Membrandurchmesser. Damit diese nicht mehr als mechanisch zumutbar arbeiten müssen, was zu Verzerrungen führen würde, begrenzt die Frequenzweiche deren Arbeitsfeld auf Frequenzen über 125 Hertz. Das entlastet die Chassis dramatisch, und auch der Verstärker wird weniger beansprucht. Gleichzeitig erhöht diese Schutzmaßnahme die nutzbare Dynamik und die erreichbare Lautstärke des Lautsprechers erheblich. Gut gemacht. Damit spielt die WS-201 bereits tief genug, um etwa im Alleingang in Stereo neben einem Flachbildfernseher dessen flachen Sound auf HiFi-Niveau zu hieven.

Im Heimkino aber braucht es idealerweise wenigstens fünf dieser Lautsprecher, und auch die Anforderungen im Bass liegen auf höherem Niveau. Doch auch zu einem 2.1-Set lassen sich die nuBox-Kombis schön zusammenstellen und bieten schon Stereo oder mit einer Surround-Virtualisierung einen guten Ersatz für große Lautsprecher. Bei der Filmwiedergabe kommt jedoch im Frequenzkeller ein wichtiges Element ins Spiel, das uns Filme – und nicht nur Action-Kracher – fühlbar erleben lässt. LFE, Low Frequency Effects, heißt der ».1«-Kanal einer Mehrkanalaufnahme oder Fernsehübertragung korrekt. Er bringt erst den Extraschub, der sonst einfach zu Übersteuerungen in den restlichen Kanälen führen würde, denn er beinhaltet nur Frequenzen unterhalb von 120 Hertz und seine Signale werden pauschal mit +10 Dezibel verstärkt. Technisch bedeuten +3dB bereits eine Verdoppelung der Lautstärke, was de facto heißt, dass die Verstärker und Tieftöner mehr als achtmal so viel arbeiten müssen, wenn es zur Sache geht. Daher gibt man diese Aufgabe einer dezidierten, potenten Bassbox, die sonst nichts zu tun bekommt. So ist das im Kino.

Wertarbeit aus dem Ländle

Das heißt, auch im Heimkino bekommt am besten ein Subwoofer die LFE ab. Und wenn man – wie im Falle des WS-201-Sets – gleich fünf kleinere Lautsprecher verwendet, lässt man den Woofer den Bass, den die Satelliten nicht übertragen, gleich auch noch mit übernehmen, was ihn allerdings zusätzlich beansprucht. Entsprechend potent sollte der Kraftwürfel ausgelegt sein. In diesem Falle bestellten sich die Tester – im Sinne des Versuchs »wie unauffällig kann eine vollwertige Surroundanlage heute werden?« – den kleinsten nuBox-Subwoofer AW-331, der mit dem Set angeboten wird. Beim Auspacken fragten sich die Tester jedoch, ob der Winzling nicht doch etwas zu putzig geraten war, um als ernsthafter Spielpartner im Sextett mithalten zu können.

Dank der von Nubert angebotenen Oberflächenvielfalt muss der Subwoofer AW-331 sicher nicht hinter Gardinen oder dem Sofa verschwinden. (Foto: Nubert)
Gründer und Chefentwickler: Günther Nuberts akustische Leidenschaft hat bereits zu vielen außergewöhnlichen Lautsprechern geführt. Der Subwoofer AW-331 und die kompakten WS-201 gehören auch dazu. (Foto: Nubert)

Der aktive Bass bringt allerdings alle Voraussetzungen mit, um seine Sache wirklich gut zu machen. Er arbeitet mit einem sehr langhubigen 18-Zentimeter-Chassis, das eine Endstufe mit immerhin 150 Watt anschiebt. Zur Steigerung der Effizienz dient ein riesiges Bassreflexrohr, das mit strömungsgünstiger Trichteröffnung am Boden endet. Damit das auch richtig atmen kann, steht der AW-331 auf großen Füßen, die in robuste Metallaufnahmen eingesteckt und mit einem extra-Gummi bedämpft werden. Für den Betrieb im Heimkino vorteilhaft ist die Möglichkeit, den Frequenzgang zu subsonischen Frequenzen hin zu beschneiden, was den Grenzpegel erheblich steigern kann. Auch ein stufenloser Phasenregler hilft dabei, die Anpassung wirklich nahtlos zu gestalten, hier verwenden viele Mitbewerber ungenaue Phasenschalter.

Im Kino einmal aufgebaut und eingemessen, konnte es losgehen. Zunächst experimentierten die Tester mit den Ortsfiltern der WS-201 und der Übergangsfrequenz zum Subwoofer im Bassmanagement des Denon AVC-A1HD als Referenzverstärker. Schnell stellten sich 125 Hertz als geeignet heraus. Schon bei den ersten Musikstücken ließen die Satelliten erkennen, dass ihre Stärken im Mittel- und Hochtonbereich liegen. Feine Auflösung und fein abgestufte Dynamik sorgten auch für eine in diesem Preisbereich ungewöhnlich gute Bühnenabbildung und gute Separation einzelner Instrumente. Naturbedingt wirkte aber trotz Subwoofer-Unterstützung der Körper vieler Instrumente etwas zierlicher als in natura, insbesondere wenn die WS-201 frei standen. An der Wand wirkten sie robuster im Klangbild. Trotzdem, die Stärke lag eindeutig in der Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten ähnlichen Spektrums, beispielsweise dem Saxophon.

Im Rahmen der Möglichkeiten

Der AW-331 erstaunte mit anständig tiefer Wiedergabe, die man solch einem kompakten Böxle kaum zutraut. Aber auch Günther Nubert kann die Physik nicht überlisten, und so kämpfte der kompakte Woofer bei LFE-angereicherten Filmen wie »Tron Legacy« tapfer bis zu Pegeln leicht jenseits der Zimmerlautstärke, bevor sein Softclipping einsetzte, um Schaden abzuwenden. Großartig: Selbst bei Volllast halten sich Klirr und Störgeräusche in engem Rahmen, was für die Qualität des Chassis und der Gehäusekonstruktion spricht. Bei Musik konnte der Subwoofer freier durchatmen, dann waren selbst bei breitbandiger Popmusik wie »Ghosts n Stuff« von Deadmou5 schon gehörige Lautstärken drin. Wer mehr Schub benötigt, für den bietet Nubert ja auch größere Subwoofer an. Wer indes auch ohne reale Konzertlautstärke leben kann, der kommt mit dem kleinen Modell verblüffend weit. Zumal er bis zur Grenzaussteuerung erstaunlich erwachsen klingt.

Hersteller:   Nubert GmbH
Modell:   nuBox WS-201
Kategorie:   On-Wall-Kompaktlautsprecher

Bestückung:    1x Hochtöner mit 19 mm Seidengewebekalotte,     2x 115 mm Tieftöner mit Polypropylenmembran

Impedanz:    4 Ohm

Ausführungen:   Gehäuse in Dekorfolie Schwarz, Ahorn oder Nussbaum, Schallwand in Silbermetallic, Graphitmetallic oder hochglänzendem Schwarz, Frontabdeckung Akustikstoff Schwarz

Abmessungen (B x H x T):   14 x 38 x 11
Gewicht:
   5 kg

Preise
189 Euro/Box Front Silber/Korpus Schwarz oder Ahorn, Front Graphit/Korpus Nuss
199 Euro/Box in der Ausführung »Black&Black« (Front Hochglanz Schwarz/Korpus Schwarz)
Garantie:   5 Jahre


Hersteller:   Nubert GmbH
Produkt:   nuBox AW-331
Kategorie:   Aktivsubwoofer

Bestückung:
    1x 180 mm Longstroke-Tieftöner

Absicherung:    Softclipping-Funktion (schaltbar)

Ausführungen:
       Gehäuse in Dekorfolie Schwarz, Ahorn oder Nussbaum, Schallwand in Silbermetallic, Graphitmetallic oder hochglänzendem Schwarz, Frontabdeckung Akustikstoff Schwarz

Abmessungen (B x H x T):   21 x 35 x 34 cm
Gewicht:   5 kg

Preise
299 Euro Front Silber/Korpus Schwarz oder Ahorn, Front Graphit/Korpus Nuss
309 Euro in der Ausführung »Black&Black« (Front Hochglanz Schwarz/Korpus Schwarz)

Garantie:   5 Jahre

 

Nubert electronic GmbH
Goethestraße 69
73525 Schwäbisch-Gmünd

Telefon:  08 00 / 6 82 37 80
Internet:   www.nubert.de
E-Mail:   info@nubert.de

Wer für ein überschaubares Budget ein Surround-Lautsprecherset sucht, das kompakt ist und sich rundherum für die platzsparende Wandmontage eignet, der liegt hier genau richtig. Dank ordentlicher Empfindlichkeit und harmlosen Impedanzverlaufs verträgt sich das Nubert-Set auch mit kleineren Verstärkermodellen gut. Der Subwoofer verblüfft angesichts seiner kompakten Größe mit vollmundig tiefem Bass und wirkt klanglich erwachsen. Wer gerne laut Filme schaut, der sollte vielleicht ein größeres Modell wählen. Das ganze Set wirkt schlüssig und ist dank der Ortsfilter an den Lautsprechern und der ausgefuchsten Filter am Subwoofer sehr flexibel anzupassen. Die Stärken der Nuberts liegen physisch klar in der Wohnraumfreundlichkeit und akustisch in der räumlichen Abbildung.   Raphael Vogt

Nubert nuBox WS-201      
Stückpreis: 189 Euro      
Garantie: 5 Jahre      
       
Nubert nuBox AW-331      
Preis: 299 Euro      
Garantie: 5 Jahre      
       

TEST

Lautsprecher:
Nubert nuBox WS-201 und nuBox AW-331
Autor:
Raphael Vogt
Datum:
05.03.2013
Hersteller:
Nubert