Marantz ist seit über drei Jahrzehnten bekannt für aufwendig gemachte Musikmaschinen. Das schicke Melody Media Musikcenter befindet sich auf Höhe der Zeit und bietet weit mehr als ein klassischer Receiver: Es spielt CDs, analoges, digitales und Internet-Radio, streamt vom Server, von der Festplatte und vom iPod sogar drahtlos, der zudem auch die Steuerung übernehmen kann. i-fidelity.net lud sich den Klangwürfel im Verbund mit Lautsprechern der Boston Acoustics A-Serie zum Test ein.

Etwas Schnuckeliges soll her, schick soll es sein, zudem dezent und leicht in der Handhabung. Musikalisch, feinzeichnend und vollwertig klingen soll es natürlich auch, vielleicht sogar die nächste Party anheizen, ein Festessen dezent untermalen oder auch mal zum genussvollen Durchhören eines klassischen Albums bei einem Gläschen Wein einladen. Wenn es jetzt noch preiswert ist, dann ist das Gerät praktisch schon gekauft.

So etwas gibt es nicht, oder?

Die i-fidelity.net-Tester luden sich das Marantz Melody Media ein, welches genau gesagt M-CR603 heißt, denn das verspricht all das oben Genannte. Und weil sie in vielerlei Hinsicht exakt dazu passen, bestellte die Redaktion auch gleich ein Paar Boston Acoustics A-25 in Weiß sowie den passenden Tieftonwürfel ASW-250 mit, schließlich ist das Melody Media auch in der Lage, einen Subwoofer anzusteuern.

Äußerlichkeiten: Das Melody Media ist in Schwarz und Champagner zu erhalten. Es sitzt mit seinen großzügig gerundeten Ecken auf einer circa 30 Zentimeter großen quadratischen Grundplatte und wirkt mit seinen elf Zentimetern Höhe und dem hochglänzenden Deckel fast zierlich elegant. Geraden und Radien spiegeln sich überall im Design. Ausgeschaltet wirkt der Marantz eher unauffällig; schaltet man ihn jedoch mit der zentralen, Taste ein, erwacht das kristallklare, große und dimmbare Matrixdisplay. Das Ganze wirkt dann schlicht edel.

Alle Grundfunktionen finden sich auf den logisch gruppierten Tasten, dazu gibt es vorne eine USB-Schnittstelle, einen analogen Miniklinkeneingang für Mobilgeräte und eine Kopfhörerbuchse. Die USB-Schnittstelle nimmt Musik von Festplatten, Speichersticks oder iOS-Geräten wie iPod, iPhone oder iPad entgegen. Für die kleinen Mobilgeräte liefert Marantz sogar eine Art kleinen Klappstuhl mit, der dem Player einen präsentablen Platz bietet.

Die Fernbedienung lässt sich trotz vielfältiger Funktionen bereits nach kurzer Zeit gut steuern.

Das Anschlussfeld auf der Rückseite liegt tief unter den Deckel zurückversetzt, was hilft, die Kabel zu verstecken und das klare Design nicht zu stören. Zwei Paar Lautsprecher finden hier mit ordentlichen Schraubklemmen Kontakt. Für Bi-Wiring lassen sich die Klemmen im Menü entsprechend zusammenschalten – oder man kann für einen zweiten Raum ein Extrapärchen Schallwandler anklemmen. Eine Cinchbuchse liefert ein Summensignal mundgerecht für einen Subwoofer.

Aller guten Dinge sind?

Drei Antennenanschlüsse verraten Tuner für Mittelwelle, UKW und digitales DAB+. Einfache Wurfantennen für die drei Empfänger werden mitgeliefert. Ein optischer Digitalanschluss nimmt beispielsweise die Signale eines Sat-Receivers oder Blu-ray Players in Stereo mit bis zu 96 Kilohertz Samplingrate auf. Der MX-Port dient aktuell zur Kontaktaufnahme für den Bluetooth-Audio-Empfänger RX101 (99 Euro), der per A2DP-Format drahtlose Musik vom Telefon, Tablet oder Computer empfängt – und zwar unabhängig vom Betriebssystem. Er ist damit offen von Apple iOS über Android bis zu Windows.

Die Fernbedienung verfügt über eine Metalloberfläche, was sie sehr wertig erscheinen lässt. Die Tastengruppen wirken logisch und meiden Doppelbelegungen. Wer das Melody Media per iPad, iPod oder iPhone steuern möchte, für den gibt es eine kostenlose App von Marantz im App-Store. Die erlaubt neben der übersichtlichen Navigation auch die Anzeige von Album-Covern. Auch das Frontdisplay am Gerät zeigt Grafiken, allerdings nur simple Icons und keine Covers oder Senderlogos. Leider spricht es nur Englisch, macht sich aber gut verständlich. Die aktuelle Auswahl, der eingestellte Sender oder der spielende Titel stehen riesig groß in der Anzeige, was auch aus mehreren Metern Entfernung vom Sofa aus gut lesbar ist. Zur Inbetriebnahme meldete sich das Menü mit der Nachricht, dass eine neue Firmware verfügbar ist.

Die Inbetriebnahme ging, wie heute üblich, quasi vollautomatisch und problemlos vonstatten, dauerte allerdings eine gute Dreiviertelstunde. Mit frischer Betriebssoftware neu gestartet, meldete das Menü, man könne nun kostenlos Apples drahtlose Musikübertragung AirPlay nachrüsten. Auch dies wollten die Tester natürlich ausprobieren. Dazu muss man die Daten seines Melody Media per Computer auf der Marantz-Homepage im Bereich AirPlay eintragen und eine Freischaltung beantragen. Hat man das ohne Tipphehler erledigt, zeigt das Melody Media beim nächsten Start an, dass man nun das AirPlay-Upgrade aufspielen dürfe. Das dauert abermals eine Viertelstunde, geht aber ebenfalls vollautomatisch. Einer weiteren Bedienung bedarf dieses Feature anschließend nicht mehr. Spielt man aber nun Musik auf einem Apple-Gerät, kann man diese mit einem Fingertipp auf das Melody Media umleiten und sie auf den großen Lautsprechern genießen. Das funktionierte im Test problemlos und klang ganz hervorragend.

Die Standardquellen machten allesamt einen guten Eindruck. Der Empfang von UKW-Radio mit RDS-Anzeige der Sender und die Handhabung des DAB+-Digitalradios gestalteten sich übersichtlich, der Empfang war störungsfrei und die Klangqualität gut. Gleiches galt für die CD-Wiedergabe vom flott agierenden Laufwerk. Etwas zögerlich startete der Streaming-Client, der sämtliche als rohe Daten angelieferte Musik zu interpretieren hat, egal ob man nun einen Memorystick oder eine mobile Festplatte in die USB-Buchse steckt oder beispielsweise das Internet-Radio startet. Hat er sich aber erst einmal das Inhaltsverzeichnis einverleibt, navigiert er angenehm flott. Alle in der Anleitung spezifizierten Daten las der Marantz klaglos mit nur zwei kleinen Auffälligkeiten: Bei PCM-Dateien als WAV-Format zeigte er keine Metadaten (Interpret, Titel, Album), dafür spielte er auch FLAC-Dateien mit 88,2 Kilohertz Samplingrate ab, obwohl die nicht in den Spezifikationen stehen. Schließt man ein iOS-Gerät an die USB-Buchse an, hat man die Wahl, die Musik über die Fernbedienung und das Display des Melody Media zu steuern oder wahlweise über den Apple-Touchscreen.

Komfortabel und clever gemacht ist die Möglichkeit, das Musikcenter auch als Wecker zu verwenden. Die integrierte Uhr kann sich per Internet-Referenz selbst stellen, man muss nur die Zeitzone korrekt wählen. Ein Weckkommando mit Musik lässt sich mannigfaltig einstellen, wie man es von guten Radioweckern gewohnt ist. Einziger, kleiner Wermutstropfen: Im Stand-by zeigt der Marantz die Uhrzeit nur für ein paar Sekunden an, wenn man auf der Fernbedienung »Clock« drückt. Einen Sleeptimer zum Wegschlummern bei sich selbst abstellender Musik haben die Japaner natürlich auch eingebaut.

Zu den Lautsprechern

Verschiedene Modelle der A-Serie von Boston Acoustics untersuchten die Tester bereits mit ausschließlich positiver Resonanz. Das gilt auch für das kleinste Modelle der Serie, den A25. Hält man solch ein Böxlein – in diesem Falle in makelloser glanz-weißer Lackierung und mit Lederprägung – mit seinem erstaunlich satten Gewicht in der Hand, fragt man sich schon, wie diese Verarbeitung – perfekte Oberflächen, präzise Spaltmaße, Metall-Markenlogo, magnetisch haftende Stoffabdeckung, bündig versenkte Lautsprecherchassis und Anschlüsse, gerundeter Bassreflexkanal und Wandhalterung – für nur 129 Euro (pro Stück) gewinnbringend zu Stande kommen soll. Wahlweise lässt sich der Korpus auch in Kirsche oder Schwarz ordern.

Die mächtige Membran des Boston Acoustics ASW250 arbeitet nach dem »Downfire«-Prinzip, also in Richtung Fußboden. Trotz des niedrigen Preises haben die Ingenieure in diesem Aktivbass eine Menge Know-how zur Anwendung gebracht.
Heiko Panzer ist Produkt- und Marketingmanager für Marantz und Boston Acoustics. Zur M-CR603 Melody bemerkt er: »Wir sind überzeugt davon, dass diese Anlage in ihrer wirklich gelungenen Mischung aus Klangqualität, Ausstattung und Anschaffungspreis auch anspruchsvollere Kunden zufriedenstellen kann.«

Gleiches gilt für den Subwoofer ASW250, der schon im Test der A-Serie im Surround-Set seine Qualitäten unter Beweis stellte. Sein langhubiger Tieftöner und das große Bassreflexrohr sind nach unten gerichtet. Die vom Tieftöner ins Innere bewegte Luft tritt durch den Abstand zum Boden aus, den robuste Gummifüße gewähren. Seine Elektronik umfasst die heute üblichen Standardfunktionen von automatischer Stand-by-Schaltung, die den Verstärker nach Verstummen der Musik stromsparend schlafen legt, bis zu einem Extra-Eingang für fertig gefilterte Eingangssignale vom Bassmanagement eines AV-Verstärkers. Im Falle der Ansteuerung durch die kleine Marantz-Musikmaschine muss man allerdings einen der normalen Eingänge verwenden, da deren Subwoofer-Ausgang lediglich die zwei Stereokanäle zusammenführt, diese aber nicht in der Frequenz begrenzt. Es sind also zunächst die Grenzfrequenz und der Pegel des ASW250 an die A25 anzupassen und die Phase zu prüfen. Einmal eingestellt, spielte das Set nun über eine Oktave tiefer im Bass.

Nachdem das Musikcenter …

… komplett installiert und eingestellt war, konnten sich die Tester an den angenehmen Teil ihrer Arbeit machen, den eigentlichen Hörtest. Und bei dem mussten sich die Ohrenzeugen immer wieder vor Augen halten, dass das komplette Set, das da spielte, nur rund zwölfhundert Euro kostet. Dank der Kombination aus ordentlicher Elektronik im Melody Media und der offensichtlich gut getunten Endstufen spielte das System mit den agilen Kompaktmonitoren und dem Subwoofer derart erwachsen, dass schonmal die Mittel- und Grundtonauflösung ein wenig bemängelt wurde. Machten sich die Tester dann allerdings wieder die Preisklasse bewusst, relativierte sich das sofort wieder und sie stellten klar: Wow, man vergisst bei diesem erwachsen wirkenden Gesamtbild schnell, dass die Kombi nur halb so viel kostet wie Systeme, die vielleicht ein bisschen Mehr an Auflösung zu liefern in der Lage sind.

Die Endstufen des Marantz treiben die Boston-Lautsprecher mit ordentlich Reserven und Kontrolle an und ermöglichen für die kompakte Größe erstaunliche Lautstärken, bevor es zu hörbarer Kompression oder gar zu Verzerrungen kommt. Die Klangbalance blieb dabei wunderbar ausgewogen, und bei wandnaher Aufstellung oder gar Wandmontage zeigte das Doppel auch einen körperhaften Grundton. Der durch den Subwoofer signifikant erweiterte Bass fügte sich praktisch nahtlos an und erzeugte im Trio ohne Mühen die Illusion ausgewachsener Standlautsprecher. Noch etwas lauter könnten große Standlautsprecher wie die A360 spielen. Genügend Schub dafür sollten die Verstärker des Melody Media locker liefern können.

Messwerte Receiver Marantz  CR 603

Leistung:
Nennleistung @ 4 Ohm (1% THD):   42,5 W
Nennleistung @ 8 Ohm (1% THD):   38 W

Sonstige:
Klirrfaktor (THD+N, 10 Watt @ 4 Ohm):   0,26 %
Obere Grenzfrequenz (-3dB / 10 W @ 4 Ohm):   22 kHz


Stromverbrauch:

Stand-by:   < 1 W
Leerlauf:   12,5 W

 

Das integrierte Internetradio des Marantz arbeitet mit dem kostenlosen vTuner oder den Bezahldiensten von Napster und last.fm.
Der Streaming-Client des Marantz startet relativ träge, nutzt aber die Zeit zum Sammeln der Inhaltsverzeichnisse, was ihn anschließend um so flotter navigieren lässt.
Bei den meisten Musikdateien und Musik vom iPod zeigt das Melody Media die wichtigsten Metadaten wie Titel, Album und Interpret. Lange Texte zeigt es als flüssig animiertes Laufband.
Der traditionelle UKW-Tuner bietet einige Funktionen des Radiotext-Dienstes RDS mit Senderkennung im Klartext oder auch Spartensuchlauf.
Der integrierte digitale DAB+-Empfänger liefert vorzügliche Klangqualität, falls der Sender diese auch bietet.
Hat man einen iPod, ein iPad oder iPhone angeschlossen kann man wahlweise die Musik mit dem Apple-Gerät steuern oder mit Titelanzeige mit dem Marantz arbeiten.
Das Updaten des Melody Media ging quasi automatisch. Es dauerte mit über einer halben Stunde relativ lange, dafür kommt das Produkt auf den neuesten Stand.
Nach Registrierung auf der Marantz-Homepage erhält man kostenfrei das Upgrade auf Apples drahtlose Musikübertragung AirPlay.
Praktisch: Die Marantz-App findet selbst das zu steuernde Gerät und passt die Ikons und den Funktionsumfang selbst an.
Chic: Die App bildet neben den Text-Metadaten, die auch das Frontdisplay zeigt, auch die Cover von Musikdateien ab.
Selten für eine Hersteller-App: Man kann sich die Oberfläche der Marantz-App frei gestalten und an den eigenen Bedarf anpassen.

Marantz M-CR603 Melody Media

Ausstattung
CD-Kompatibilität:    CD / CD-R/RW / WMA / MP3
Tuner:    DAB / DAB+ / UKW (RDS) / AM
Senderspeicherplätze:   99
Streaming Audio vom PC
Internetradio
vTuner / Napster / last.fm
USB Audio (vorne ) / Made for iPod / Works with iPhone
DLNA zertifiziert    (v1.5)

Kompatible Daten für Streaming:   MP3 / WMA / AAC / LPCM / WAV / FLAC
Uhr
Einschlaf-Timer
Programmierbarer Timer: ein Mal / täglich

Eingänge/Ausgänge:
Analog Ein- /Ausgang:   3 / 1
Digital-Optisch Ein-/Ausgang:   1 / -
AUX-Eingang (vorne):   1
M-XPort für RX101 (Bluetooth-Audio-Empfänger)
iPod / iPhone-kompatibler USB-Eingang (vorne)
Subwoofer-Vorverstärkerausgang
Kopfhörerausgang
iPod Eingang (direkt / Dockingstation)
Mehrraum-Unterstützung für zusätzlichen Raum

Abmessungen (B x H x T):   28 x 12 x 31 cm
Gewicht:   4,3 kg

 

Marantz Deutschland und Boston Acoustics Deutschland
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Hakenbusch 3
49078 Osnabrück

Telefon: 05 41 / 4 04 66 - 0
Fax: 05 41 / 4 04 66 - 66

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Internet: www.marantz.de

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Schweiz
Piega SA
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CH-8810 Horgen

Telefon: 0 44 / 7 25 90 42
Fax: 0 44 / 7 25 91 92
E-Mail: marantz@piega.ch


Welche Versprechen hält das Marantz Melody Media? Kompakt und schick? Ganz sicher, auch die Verarbeitung passt. Wiedergabe traditioneller Medien? Analoger Tuner und DAB+-Digitalradio und CD-Wiedergabe? Top. Neue Medien? Streamen über das Netzwerk und Internetradio mit tausenden Stationen, direktes Einspielen von Musikdateien von Memory-Stick, Festplatte oder Mobilgerät – alles integriert. Drahtloses Abspielen vom Mobilplayer, Tablet oder Smartphone? Kein Thema, geht per kostenlosem AirPlay-Update mit allen Geräten von Apple und mittels Adapter von allen anderen per Bluetooth. Komfort? Das Steuern per Fernbedienung oder iOS-App funktioniert übersichtlich, selbst Schlaf- und Weckfunktionen gehören zum Paket. Preiswert ist das Maschinchen mit 649 Euro auch noch und klingt sogar sehr ordentlich. Die Boston Acoustics A25 Kompaktmonitore und der Subwoofer ASW250 harmonieren wunderbar im Verbund mit dem Marantz. Das Set spielt klanglich herrlich breitbandig und unaufdringlich präsent. Für so wenig Geld: sensationell!   Raphael Vogt

Marantz M-CR603 Melody Media      
Preis: 649 Euro      
Garantie: 2 Jahre      
       
Boston Acoustics A25      
Paarpreis: 258 Euro      
Garantie: 5 Jahre      
       
Boston Acoustics ASW250      
Preis: 299 Euro      
Garantie: 2 Jahre      

TEST

Micro-HiFi-Systeme:
Marantz M-CR603 Melody Media
Autor:
Raphael Vogt
Datum:
24.07.2012
Hersteller:
Marantz