JVCs aktuelle Projektor-Generation verspricht neben vielen Detailverbesserungen vierfache HD-Auflösung und CinemaScope-Projektion. i-fidelity.net untersuchte das mittlere Modell mit Vollausstattung daraufhin genauer.

Wer sich die aktuellen Projektoren von JVC erstmals von außen anschaut, der wird keinen Unterschied zu den Vorgängern feststellen und auch keinen zwischen den einzelnen Modellen. Eine Ausnahme in einem Detail bildet der Benjamin der Serie. Der DLA-X30 besitzt im Gegensatz zum Vorgänger X3 keine automatische Türe mehr vor dem Objektiv, den Staubschutz besorgt nun ein weißer, manuell aufsteckbarer Kunststoffdeckel. Das war es rein äußerlich auch schon. Alles andere sieht exakt gleich aus, mal abgesehen von den Beschriftungen. Doch die inneren Werte der Modelle unterscheiden sich sehr wohl, und das nicht gerade unerheblich.

Beim kleinsten der drei Modelle, dem JVC DLA-X30, lautet die Devise Evolution statt Revolution: Der automatische Objektivschutz fällt zwar weg, dafür kann er nun das Objektiv genau wie seine größeren Geschwister automatisch in verschiedene Positionen fahren und ermöglicht damit eine rein optische und damit verlustfreie Formatumschaltung für CinemaScope-Breitwandprojektion. Ein guter Tausch. Detailverbesserungen an der 3D-Wiedergabe und dem Lampensystem liefern etwas mehr Licht, und auch die 3D-Wiedergabe gewinnt ein wenig an Qualität, zumal nun auch die beliebte Zwischenbild-Berechnung für stereoskopische Bilder einsetzbar ist. JVCs größte Verbesserung gegenüber dem Vorgängermodell aber dürfte der Preis sein: 3.000 statt bislang 4.000 Euro stehen auf der Rechnung. Alle Achtung!

i-fidelity.net bestellte sich zum eigentlichen Test den DLA-X70, das mittlere Modell der Reihe, das die Kinokasse allerdings auch schon mit 7.000 Euro belastet. Er bietet bis auf ein Detail die gleiche Ausstattung wie das Topmodell DLA-X90 für knapp 10.000 Euro, das sich noch selbst justieren kann und – im Werk von Hand getunt – noch mehr Kontrast bieten soll. Der X70 ist aber auch schon mit dem auffälligsten neuen Feature, das die Zahl der sichtbaren Pixel glatt vervierfachen soll, ausgestattet. Ja, Sie lesen richtig, JVC ist in der Lage, die doppelte Zahl an Bildpunkten in horizontaler und vertikaler Richtung zu zeigen und damit rund acht Megapixel. Doch mehr dazu später im Detail. Eine weitere tolle Funktion ist die erweiterte Konvergenz-Einstellung, die das neue superdetailreiche Bild auch wirklich nutzbar macht.

Zum Grundsätzlichen

Alle aktuellen JVC-Projektoren basieren auf reflektiven LCD-Panels die im JVC-Jargon D-ILA heißen, was für »Digital Direct Drive Image Light Amplifier« steht, etwa digitale Bilderzeugung durch Lichtverstärkung. Der Vorteil dieser Technik, die generisch LCoS für Liquid Crystal on Silicon (Flüssigkristall auf Silizium) heißt: Das Flüssigkristall schwimmt wie ein See auf einem Chip und dieser übernimmt direkt die Ansteuerung. Gegenüber traditionellen transmissiven, also wie ein Dia durchleuchteten LCD-Panels, bietet das viele Vorteile. So lassen sich auf den D-ILA-Chips beliebig viele Leiterbahnen und Transistoren hinter dem Flüssigkristall verbergen und ermöglichen dadurch eine gleichzeitige Ansteuerung aller Pixel – transmissive Panels bauen ihr Bild zeilen- und spaltenweise auf. Auch besteht zwischen den einzelnen Pixeln bei LCoS-Chips kaum ein Spalt, die nervige Gitterstruktur wie bei einer grobmaschigen Gardine entfällt fast völlig. Weil das Licht auf dem gleichen Weg wieder zurückgespiegelt wird wie es kommt, benötigt man auch ein Polarisationsfilter weniger, was den Kontrast steigert, denn das Licht fällt durch das gleiche Filter zurück, durch das es kam. LCoS-Projektoren wie die JVCs oder auch Sonys SXRD-Projektoren bieten daher typischerweise einen sehr homogenen, flächigen, fast analog wirkenden Filmlook.

JVC baut seine Lightengines, also die eigentlichen Projektionseinheiten, komplett selbst. Alle Modelle beinhalten neben den drei D-ILA-Panels eine Filterung per Wiregrids statt konventioneller Polarisationsfilter, was unter anderem den schlichtweg sensationellen Schwarzwert der JVC-Projektoren ermöglicht. Die 220-Watt-Lampe sorgt für ordentlich Licht auf der Leinwand, und daraus ergibt sich ein gigantischer nativer Kontrast ohne die bei anderen Herstellern gängigen adaptiven Blenden. Die Kühlung per Gebläse ist im Vergleich zu anderen Projektoren relativ leise, das Arbeitsgeräusch ist sehr unauffällig und konstant. In hoher Lampenstufe, etwa für 3D-Projektion, wird es dann deutlich hörbar, bleibt aber unaufdringlich. Die Luft saugen die hinteren Gitter an, die Abluft bläst erwärmt aus den vorderen Ecken. Das ermöglicht auch eine wandnahe Montage.

Das Anschlussfeld umfasst zwei 3D-fähige HDMI-Anschlüsse. Sie geben per Auto-Lip-Sync-Funktion an moderne AV-Verstärker die Latenzzeit bekannt, also die Dauer der aktuellen Bildverarbeitung, die daraufhin den Ton so verzögern, dass er wieder perfekt mit dem Bild synchronisiert, und zwar vollautomatisch. Ansonsten finden analoge Signale im VGA- oder Component-Format Anschluss. Unter den Eingängen befindet sich eine Buchsenleiste zum steuern und regeln. In der Mini-DIN-Buchse findet der Infrarot-Emitter zur Synchronisation der 3D-Shutterbrillen seinen Anschluss. RS-232 dient zur Fernsteuerung des Projektors durch Raumsteuersysteme. Zwei Buchsen liefern 12V-Schaltsignale, um Leinwände, Cache oder Anamorphoten, CinemaScope-Vorsatzobjektive, zu triggern. Das Ganze ruht auf vier Stellfüßen. Ein kompaktes Bedienfeld in der Mitte der Rückseite ermöglicht die Handhabung ohne Fernbedienung. Der Netzwerkanschluss dient genau wie die verdeckte USB-Buchse bislang nur der Wartung, etwa für Firmware-Updates.

Freiheit bei der Aufstellung

Am gegenüberliegenden Ende des Gehäuses lugt das Objektiv zentral aus dem Projektor-Innern. JVC verwendet seit Jahren das gleiche, und das ist gut so, denn die Glasoptik zeichnet knackscharfe Pixelquadrate auf die Leinwand mit kaum sichtbarer Verzeichnung und randscharfer Abbildung ohne Chromate Aberation (Regenbogenkonturen). Zoom und Shift lassen sich überdurchschnittlich weit verstellen und erlauben eine mehr als flexible Platzierung des Projektors – und das sogar beim Einsatz ohne Anamorphot mit CinemaScope-Leinwänden. Neu ist, dass die D-ILA-Projektoren ihr ohnehin schon bequem mit der Fernbedienung in allen Parametern elektrisch verstellbares Objektiv nun auch von ganz alleine in bis zu drei verschiedene Positionen fahren können.

Das konnten jahrelang nur die Beamer von Panasonic, und nun neben JVC auch die neuen Topmodelle von Sony. Damit wird ein bequemer Einsatz von CinemaScope-Leinwänden wie im »richtigen« Kino möglich. In guten Kinos bleibt das Bild nämlich stets gleich hoch, die Vorführer zeigen es abhängig vom Filmformat nur unterschiedlich breit. Da mehr als die Hälfte aller Hollywoodfilme im Breitwandformat aufgenommen sind und HDTV und erst recht Blu-ray mittlerweile auch die gleiche Bildschärfe zeigen wie die großen Kinos, bietet es sich an, auch zu Hause die Filme bei gleicher subjektiver Größe – der Bildhöhe – in größerem oder kleinerem Panorama zu zeigen. Deshalb hängt auch im i-fidelity.net-Testkino eine solche CinemaScope-Leinwand im 21:9-Format.

Artensterben: Nur noch hochwertige Signale, HDMI mit 3D, analoges Component-Video und VGA, nimmt der JVC entgegen. Einfache FBAS- und S-Video-Signale sind nicht mehr vorgesehen. Eigentlich zu Recht.

Die Umschaltung beim JVC erfordert den richtigen Projektionsabstand, damit sowohl 16:9 als auch 21:9 im Zoombereich liegen. Im Testkino bedeutete dies circa fünf Meter Abstand des Projektors für das 3,5 Meter breite CinemaScope-Bild. Auch eine Position für US-Standard-Kinoformat programmierten sich die Tester, das ist nämlich ein wenig breiter als 16:9 (1,85:1 statt 1,78:1) und wird sonst mit kleinen schwarzen Balken gezeigt. In den Tagen mit dem DLA-X70 im Test- und Alltagsbetrieb verstellten die Tester das Format viele Dutzend Mal, und der Mechanismus des JVC-Objektivs zeigte dabei eine gute Wiederholgenauigkeit. Das ist gut. Weniger gefiel der etwas gemächliche Ablauf: Das Umpositionieren des Objektivs von 21:9 auf 16:9 benötigt rund 30 Sekunden. Das konnte der Panasonic PT-AT5000 mehr als doppelt so schnell. Die Funktion bietet auch einen interessanten Einsatz für 3D-Liebhaber, denn der JVC speichert auch den Fokuspunkt. Damit ist es möglich, für 3D eine zweite Leinwand mit höherer Reflektivität, sprich mehr Gain, zu verwenden, die man vor der konventionellen Leinwand herunterlässt, um bei 3D an Helligkeit zu gewinnen.

Die wohl aufregendste Neuerung ...

… am X70 gegenüber seinen Vorgängern drückt das »4K«-Logo aus. 4K, das bezieht sich in der Welt des digitalen Kinos auf die auf glatte Tausender gerundete horizontale Auflösung. Entsprechend bezeichnen die Profis Standard-High-Definition mit 1280 x 720 Pixeln, wie es beispielsweise die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten verwenden, als 1K und Full-HD mit 1920 x 1080 Bildpunkten wie auf Blu-ray gängig entsprechend als 2K. Gleiches gilt aber auch für das Digitalkinoformat 2048 x 1080. JVC projiziert mit dem X70 und X90 ein 4K-Bild mit 3840 x 2160 Bildpunkten auf die Leinwand. Wer sich die technischen Daten des Projektors anschaut, wird sich wundern, dass die D-ILA-Panels weiterhin nur die normale Full-HD-Auflösung bieten. Betrug? Marketing-Schummelei? Sicher nicht, JVC arbeitet seriös. Die japanischen Entwickler griffen in ihre bewährte Bauteile-Kiste der Profi-Abteilung und kramten ein optisches Element hervor, das sie in ihrem super-hochauflösenden 8K-Profiprojektor bereits seit Jahren einsetzen. E-Shift nennt sich der trickreiche Glassandwich, dessen genaue Funktionsweise sie bislang verschweigen. Das E-Shift-Element ist in der Lage, durch Anlegen einer elektrischen Spannung durchfallendes Licht minimal zu brechen. In diesem Falle verschiebt es das Bild um ein halbes Pixel nach oben und rechts. Das geschieht mehrere Mal pro Filmbild. Da die hausgemachten D-ILA-Panels schnell genug schalten, lässt sich auf diese Weise die Zahl der darstellbaren Spalten und Zeilen tatsächlich verdoppeln. Durch die jeweils 50-prozentige Überlappung der Bildpunkte verschwindet das Pixelraster auf der Leinwand praktisch völlig. Es entsteht ein flächiges, homogenes Bild fast ohne sichtbare Struktur.

Nun kommen am Eingang aber maximal 2K-auflösende Full-HD-Bilder an. Daher werkelt im X70 eine mehrstufig dosierbare Interpolation, die die Bilder hochrechnet. Und das macht sie gut. Resultat auf der Leinwand: ein völlig pixelstruktur-freies Bild, das in der Tat feiner und detailreicher wirkt als alles bisher Dagewesene. Genial. Genial erscheint das vor allem deshalb, weil es die 4K-Auflösung elegant preiswert realisiert. Sonys neuer Top-Projektor VPL-VW1000 arbeitet mit echten 4K-Panels aus den Profi-Kinoprojektoren. Er kostet folglich rund das zweieinhalbfache des JVCs. Einziger, vermeintlicher, Vorteil des Konkurrenten: Der Sony versteht auch am Eingang 4K-Signale, wenn auch nur bis maximal 30 Hertz. Bislang gibt es aber keine Quelle dafür, weder vom Sender noch von einer Scheibe, bei Blu-ray ist nicht einmal in Ferne von solchen Auflösungen die Rede. Auch das für 4K-Fotodarstellung angekündigte Update für die Playstation3 lässt auf sich warten (Stand Februar 2012). Mit den bestehenden 2K-Auflösungen am Eingang kann man sich als JVC-DLA-X70-Kunde also getrost entspannen.

3D verarbeiten die D-ILA-Projektoren seit der vorigen Generation, und sie machten das seit Anfang an sehr gut. Hier hat sich nicht viel getan. Für 3D benötigt man den Infrarot-Emitter PK-EM1 für 79 Euro. Er sucht per Mini-DIN-Buchse Anschluss und ruht auf einem verstellbaren Fuß beim Projektor. Im Test reichte seine über Leinwand reflektierte Infrarot-Leuchtkraft aus, um die Shutterbrillen sicher zu takten. Nun kann man die bisherigen JVC-Brillen PK-AG1 verwenden oder sich die neuen PK-AG2 kaufen (139 Euro/Stück). Die neue ist nun per Mini-USB-Stecker aufladbar und besitzt einen richtigen Schiebeschalter zum ein- und ausschalten. Sie ist etwas leichter, dafür fallen die Shuttergläser vertikal ein wenig kleiner aus. Das 3D-Bild des X70 wirkt klar und plastisch, ist aber mit den 3D-Voreinstellungen nicht ganz frei vom Cardboard-Effekt: Einzelne Objekte lassen ein wenig an Plastizität vermissen, weil beide 3D-Gammas nicht ganz homogen verlaufen. Dafür liegt das Übersprechen, die 3D-Geisterbilder, auf sehr gutem, niedrigen Niveau und tauchen nur bei ungünstigen Motiven allenfalls erahnbar in Erscheinung. Alles in allem: ein sehr gutes 3D-Bild.

Vorteilhaft überdacht haben die Ingenieure von Entwicklungsleiter Akira Kobayashi die Tastenbelegung der ansonsten unveränderten Fernbedienung. So erhielten die 3D-Funktionen zwei direkte Tasten, was den bisherigen, lästig-mehrstufigen Weg über das Hauptmenü überflüssig macht. Ähnliches gilt für das neue Lens-Memory, das ebenfalls für die sofortige, optische Bildformatumschaltung eine eigene Taste erhielt. Der Steuerstab liegt dabei angenehm in der Hand, eine zarte Gummierung schmeichelt mit ihrer Oberfläche. Die logisch gruppierten Tasten leuchten blendfrei in angenehm warmem Licht. Perfekt fürs dunkle Kino.

Optimales Ergebnis mit korrekter Justage

Die Fernbedienung bietet den Zutritt in das On-Screen-Menü des Projektors. Dessen Struktur hat sich seit langem bewährt. Für den Laien bieten sich schier unüberschaubare Justage-Möglichkeiten. Die Konfiguration und Kalibrierung überlässt man daher am besten einem Fachmann. Dann braucht man als Anwender nurmehr fertig belegte Speicher abzurufen, die man bei JVC neuerlich auch frei benennen kann, was der Übersicht gut tut. Mit dem neu entwickelten Scalerboard konnten die Entwickler einige neue Features realisieren, die wirklich die Bildqualität voranbringen. So war JVC vor vielen Jahren der erste Hersteller, der eine Konvergenz-Einstellung einführte um die drei Grundfarben auf der Leinwand so genau wie möglich zur Deckung zu bringen – schließlich besteht so ein Beamer quasi aus drei ineinander verschachtelten Projektoren – je einer für Rot, Grün und Blau.

Vor kurzem überraschte dann Sony mit einer feineren Konvergenz-Korrektur. Konnte JVC nur pixelweise verstellen, was einen maximalen Fehler von 0,5 Pixeln zulässt, konnten die Konkurrenten zehntel-pixelweise die Farben per Scaler verschieben. Das kostet schlimmstenfalls einen Hauch Detailschärfe, verbessert aber die Konturenschärfe signifikant. Nun zog JVC nach, mit einem Drei-Stufen-Plan. Grob kann man immer noch die Panelansteuerung um ganze Pixel schieben. Dann kann man wie bei Sony mit einem feineren Menü die Einstellung auf ein sechzehntel Pixel genau global justieren. Wer dann noch fleißig sein möchte, kann an 121 Positionen die Konvergenz feinsteinstellen. Farbdeckung perfekt.

Zur Demonstration der E-Shift-Funktion: Zunächst sehen Sie einen kleinen Schriftzug auf der Leinwand im herkömmlicher, nativer HD-Auflösung. Schaltet man E-Shift ein, sieht man das 4K-aufgelöste Bild mit den überlappenden Pixeln und der gut dosierten Interpolation des Scalers. Die Pixelstruktur verschwindet fast völlig. (Bild: JVC)

Ein weiterer Eingriff heißt Helligkeitskorrektur und verschiebt die Helligkeit der Grundfarben gegenüber Weiß. Damit lässt sich die Farbmischung auf die Schnelle verschieben. Die Verbesserungen der Bewegungsdarstellung sind gleich geblieben, nun aber auch für 3D anwendbar. JVC bietet zwei Stufen der Schwarzphasen-Einfügung, was die Bewegungen artefaktfrei knackig scharf macht, weil sie wie ein Filmprojektor die Einzelbilder für das Auge klar trennt. Dafür flimmert sie aber auch wie ein alter Filmprojektor in großen, hellen Flächen und man verliert ein wenig Helligkeit. Zwei Zwischenbild-Berechnungen stehen zur Verfügung, was artefaktbehaftet ist und den Filmlook verändert, aber dafür keine Helligkeit kostet. Geschmacksache. Eine 2D/3D-Umwandlung ist ebenfalls neu. Wie viele andere Schaltungen dieser Art, wandelt der Projektor allerdings das Bild nicht in ein dreidimensionales um, sondern projiziert das weiterhin zweidimensionale Bild in die dritte Dimension vor oder hinter die Leinwand.

Weiterhin ein Schmankerl sind die Möglichkeiten für den Fachmann, mit entsprechenden Kenntnissen und Messgeräten das gesamte Farbmanagement detailliert kalibrieren zu können. Seit der Februar-Firmware sind zwar die Voreinstellungen schon sehr ordentlich, aber man kann den X70 dank Gamma-Equalizer und Farbverwaltung nahezu perfekt auf den Punkt bringen, wie einen Referenzmonitor im Studio. Das gilt nicht nur für HD-Videos, sondern auch für professionelle Farbräume wie den Digitalkino-Standard DCI oder den in der Grafik und Profifotografie üblichen Adobe-RGB.

Aller Aufwand dient dem Genuss

Nach der Einrichtung, dem Konvergieren und der Kalibrierung des Testgeräts konnten sich endlich auch die i-fidelity.net-Mannen dem Filmgenuss hingeben. Und was der DLA-X70 auf die Leinwand zaubert, lässt wirklich schwärmen. Das stets aufs Neue verblüffend tiefe Schwarz und dem dank des E-Shift mit 4K aufgelösten Bilds entsteht ein absolut plastischer und homogener Bildeindruck von verblüffender Tiefe. Wohlbemerkt, wir reden von konventionellem 2D-Film. Die Signalverarbeitung leistet auch bei Zuspielung niedriger Auflösungen von DVD oder Sat-Receiver gute Dienste mit stabilem De-Interlacing und feiner Skalierung ohne Doppelkonturen. Gleiches gilt für das De-Interlacing von 1080i-HD-Signalen, die sich kaum noch von 1080p unterscheiden lassen. Auch 3D-Signale vom Sender im 1080i-Side-By-Side-Format verarbeitet der JVC picobello, was leider nicht alle Projektoren können.

Sehr lästig ist die fehlende Automatik für die Umschaltung der verschiedenen Helligkeitsskalen von RGB- und Componentsignalen via HDMI, insbesondere wenn man Geräte wie die Playstation3 einsetzt, die beides ausgeben. Dafür entschädigen wieder Bilder von ungewöhnlicher Tiefenwirkung und ausreichend Licht, um die große CinemaScope-Leinwand strahlen zu lassen. Das stets faszinierende satte Schwarz verleiht beispielsweise dem Weltraum aus »Star Wars« oder »Star Trek« echte Tiefe und lässt dank perfekt einstellbarer Konvergenz knackig funkelnde Sterne leuchten. Einmal korrekt eingestellt, malt der JVC wunderbar ausgewogene und dabei satte Farben ohne jede Übertreibung. Auch 3D-Filme lassen sich genießen, zeigen realistische Tiefe und Details, ob von Blu-ray oder aus dem Fernsehen.

Im THX-Modus sollte der Projektor gut vorkalibriert aus dem Werk kommen. Wie die RGB-Balance und das leicht driftende Gamma zeigen, liegen die Werte nicht dramatisch daneben, aber eine durchschnittliches Delta-E um 6 ist auch nicht wirklich toll. Dafür haut die Farbmischung schon sehr genau hin.
Nutzten die Tester zur Kalibrierung nach der Grobeinstellung mit den RGB-Reglern der Farbtemperatur-Wahl den Gamma-Equalizer, ließen sich Gamma und Farbbalance leicht, mit etwas Fleißarbeit auf den Punk kalibrieren. Alle Delta-E-Werte unter 2 sind absolutes High End und mit bloßem Auge perfekt. Dank der Farbverwaltung ließ sich auch die Farbmischung auf Referenz-Studiomonitor-Niveau bringen. Besser geht praktisch nicht.
Auf die Schnelle probierten die Tester auch die Voreinstellungen der Profiwelt aus. Den vor allem bei Grün riesig erweiterten Farbraum des AdobeRGB-Standards nutzen vor allem Grafiker und Profi-Fotografen. Diese supersatten Farben erreicht JVC mit zusätzlichen Filtern, die wie ein Dia in den Lichtweg geschoben werden. Das kostet etwas Lichtleistung, ermöglicht es aber den Profis, den X70 ohne sonstige Kompromisse zu verwenden. Das können nur ganz wenig Projektoren.
In drei Schritten lässt sich beim DLA-X70 die Konvergenz der Grundfarben perfektionieren.
Zunächst pixelweise schalten. Dann kann man global in 16tel-Pixeln feineinstellen und ...
...zu guter Letzt in 121 Zonen feinst einstellen.
JVCs strukturiert seine Menüs klar und logisch in drei Ebenen. Übersichtlich: Fünf Benutzerspeicher lassen sich im Klartext benennen.
Die tiefer liegenden Menüebenen lassen die Feineinstellungen zu, hier etwa MPC, die Interpolation für die 4K-Auflösung.
Clear Motion Drive nennt JVC zusammengefasst seine Verbesserungen für die Bewegungsdarstellung. Stufe 1 und 2 arbeiten artefaktfrei mit Schwarzphasen, Stufe 3 und 4 mit Zwischenbild-Berechnung. Der letzte Modus ist in der Lage, US-DVDs statt mit ruckeligen 60 Hertz auf glatt laufende 24 Hertz umzusetzen.
Professionelle Kalibrierer können mit dem Gamma-Equalizer die Farbbalance und Gammakurve exakt auf die Norm bringen und so für einen plastischen und homogenen Bildeindruck sorgen.
Mit JVCs Farbverwaltung gewinnt der Kalibrierer exakten Einfluss auf die Farbmischung des Projektors. Korrekt eingestellt, ergeben sich lebensechte, weil normgerechte, und satte Farben auf der Leinwand.

Auflösung:   nativ 1920 x 1080 Pixel, mit E-Shift 3840 x 2160 Pixel
Anschlüsse: 2 x HDMI, 1 x Komponente, VGA, 2 x Trigger, IR-Emitter, RS-232, LAN

Abmessungen (B x H x T): 45,5 x 17,9 x 47,2 Zentimeter
Gewicht:
15,4 Kilogramm

Preis:   6.999 Euro
Garantie:   2 Jahre

Lampe:   1.000h/1 Jahr

 

JVC Deutschland GmbH
Grüner Weg 12
61169 Friedberg


Beratungs-Hotline (Beratung, Bedienung)
Tel.:   01 80 / 5 66 66 10 01

Internet:   www.jvc.de

JVC baut mit der zweiten Generation seiner X-Serie-Projektoren Heimkino-Beamer auf der Höhe der Zeit. Der DLA-X70 dürfte aktuell wohl der beste Allrounder auf dem Markt sein. Schade ist nur, dass JVC das 3D-Zubehör getrennt verkauft. Sensationelle Schwarzdarstellung, perfekt auf den Punkt kalibrierbare Farben, Gamma und Farbräume, sogar aus der Profiwelt, sorgen für plastische Bilder selbst auf größeren Leinwänden. Der Trick mit dem E-Shift für die Vervierfachung der Auflösungen auf 4K lässt sprichwörtlich die Pixel verschwinden und verbessert gleichzeitig in Kombination mit der ausgefuchsten Konvergenz-Einstellung die Detaildarstellung. Das mit drei Lens-Memories automatisch verstellbare Objektiv setzt der Sache die Krone auf. Insgesamt: Das ist Heimkino auf absolutem High-End-Niveau. Bravo.   Raphael Vogt

JVC DLA-X70
Preis: 6.999 Euro
Garantie: 2 Jahre

* Urteil kalibriert: überragend

TEST

Projektion:
JVC DLA-X70
Autor:
Raphael Vogt
Datum:
27.02.2012
Hersteller:
JVC