Musik von Festplatte, Mobilplayer und Internet ist hip, quasi immer und scheinbar unendlich verfügbar. Denon bietet nun mit dem Streamingclient DNP-720AE eine passende universelle und audiophile Quelle, die sogar noch Apples AirPlay beherrscht und auch einen Analog-Tuner beinhaltet.
Dezent und aufgeräumt: Der DNP-720 lässt sich so einfach bedienen, wie er sich optisch auf der Front gibt. Das klare Display gibt ausführlich Auskunft, stellt die wichtigsten Infos groß und von weitem sichtbar dar.

Selbst hartgesottene Traditionalisten können der immer weiter verbreiteten digitalen Musik aus dem Internet, der Festplatte und den omnipräsenten mobilen Musikplayern, und sei es das eigene Smartphone, kaum noch widerstehen. Noch vor ein paar Jahren waren via Napster – ja, der heute große, seriöse Musikdienst hat mal als Tauschbörse in rechtlicher Grauzone begonnen – aus dem Web gesaugte Dateien unbekannter Herkunft aber alles andere als ein Garant für Qualität, und MP-3-Player (128 kBit) klangen noch richtig grausig.

Das Niveau steigt

Die eigene Musik in feiner Qualität selbst gerippt, gar als High-Definition-Audio im Netz gekauft (Tipp: highresaudio.com), klingt korrekt verarbeitet oftmals besser als vom CD-Spieler wiedergegeben, und bequem vom Telefon oder Mobilplayer Gestreamtes klingt häufig sogar schon sensationell. Selbst das in Deutschland vielfach leidige Thema Radio mit furchtbar komprimiertem Sound und geringer Programmvielfalt lässt sich heute mit qualitativ und vor allem quantitativ großer Auswahl an Stationen aus aller Welt via Internet ins Wohnzimmer holen. Wäre doch schön, wenn das alles eine Maschine könnte – kompakt, einfach in der Handhabung und vielleicht noch mit einem analogen UKW/MW-Tuner bestückt, damit man wirklich alle Dauerberieselungsquellen in einem Paket hat.

Genau das bietet uns Denon mit dem DNP-720AE. Streamingclient heißt diese Gattung technisch, Denon nennt den DNP-720AE einen Netzwerk-Audio-Player oder Digital Network Player auf Englisch, daher auch die Bezeichnung »DNP«. Mit seinem schlanken Design reiht sich der DNP-720AE nahtlos in Denons HiFi-Sortiment ein. Er verarbeitet Musik aus dem lokalen Netzwerk, aus dem Internet, von USB und dem klassischen UKW- und Mittelwellenrundfunk. Mit Ausnahme des analogen Radios können alle Signale auch dem optischen TosLink-Digitalausgang entnommen werden. Sparsam bestückt, wirkt die Font übersichtlich und dezent, dennoch reichen die wenigen Bedienelemente – Einschalter, Quellentaste und Cursorring – aus, um alle Grundfunktionen zu steuern. Die obligatorische Fernbedienung enthält deutlich mehr Tasten, was vor allem viele Bedienschritte abkürzt. Da gibt es etwa ein komplettes Set Laufwerkstasten und einen Ziffernblock sowie diskrete Tasten für alle potentiellen Quellen.

Im Netz zu Hause

Die Kommunikation mit dem Anwender läuft über das große und kristallklare OLED-Matrix-Display, das bei silbernen Geräten Ton in Ton mit der gebürsteten Alufront sehr edel wirkt. Wer will und kann, darf auch Denons kostenlose iOS-App für Apples iPhone/iPad/iPod-Touch verwenden und hält damit die Bedienoberfläche direkt in Händen. Ein Blick auf die Rückseite des Geräts zeigt die Anschlüsse für die analogen Antennen, eine Buchse für die mitgelieferte WLAN-Stummelantenne und den LAN-Anschluss, der Ton kommt wahlweise analog aus einem Cinchbuchsenpärchen oder einem optischen TosLink-Anschluss wieder heraus. Eine einfache Mittelwellen- und eine UKW-Wurfantenne gehören zum Lieferumfang.

Frei von Schnick-Schnack: Die Rückseite bietet die Radio- und WLAN-Antennenanschlüsse, einen klassischen LAN-Anschluss, Digital-Audio per optischem TosLink und Cinch-Analogaudio.

Die Installation gestaltete Denon vorbildlich. Ein klares, gut übersetztes und erfreulich redseliges Display führt durch die Erstinbetriebnahme beginnend mit der Sprachauswahl. Die Netzwerkeinrichtung gibt die Auswahl zwischen Draht- und Luftschnittstelle. Wer ein Kabel legen kann, der möge es nutzen, denn es bietet wesentlich geringere Störempfindlichkeit , Übertragungssicherheit der Daten und eine höhere Bandbreite als das zugegebenermaßen bequemere WLAN. Auch ein Blick auf mögliche Firmware-Updates lohnt sich, wie die Tester festgestellt haben, die gleich eine neue Version laden konnten. Auch hier: Ein vorbildlich geführtes und erklärtes Prozedere sorgt für ein gutes Gefühl bei der Neuprogrammierung der Maschine. Das hat Denon gut im Griff.

Dann kann es schon losgehen. Da der DNP-720 praktisch jede Art gängiger digitaler Musik versteht, war eine Menge auszuprobieren. Im Denon-Prospekt steht noch, dass die iOS-Kompatibilität nur bis Version 4.3 reicht. Das frisch auf iOS 5.0 upgedatete iPad im Hörraum spielte aber klaglos und stressfrei über den Streamer, egal ob per USB elektrisch verknüpft oder über Airplay per WLAN. Auch die Denon Remote App auf dem gleichen Datentablett fand den Streamer sofort und erlaubte die grafische Touchscreen-Bedienung. Einzig alphanumerische Eingaben beherrscht die App nicht. Zum Einloggen per Passwort, beispielsweise bei kostenpflichtigen Musikdiensten braucht man einmalig die Fernbedienung. Die zwei verbreitetsten Bezahldienste hat Denon vorinstalliert: Napster und Last.fm.

Mehr als genug

Billiger, weil umsonst, sind die klassischen Internet-Radiostationen. Rund 14.000 (in Worten: vierzehntausend!) davon hat Denon programmiert. Zur Orientierung sind diese sehr treffend kategorisiert nach Herkunft und Genre, und auch die Stationen mit hoher Datenrate sind für jedes Genre in eine Kurzliste eingetragen. Per Suchfunktionen lassen sich einzelne Sender auch gezielt anwählen. Natürlich können die Lieblingsstationen auch, wie aus analoger Zeit gewohnt, auf Stationsspeichern abgelegt und direkt wieder angewählt werden. Das passiert auch quasi automatisch mit einer Liste, die die letzten verwendeten Stationen und Stücke anzeigt. Die Internet-Radiostationen bieten recht unterschiedliche Klangqualität von quäkigem Telefonsound bis zu recht highendig, sogar besser als UKW.

Der USB-Eingang auf der Front ermöglicht den Anschluss mobiler Geräte auf einfachste Art und Weise.

Eine weitere Möglichkeit, Musik in den Client zu bekommen, sind DLNA-Server (Digital Living Network Alliance). Dies kann eine Harware sein, sei es ein dezidierter Multimedia-Server wie ihn viele Hersteller mittlerweile anbieten oder ein einsprechender Datenserver mit der entsprechenden Softwareunterstützung. Eine weitere Lösung sind reine Software-Server, die entsprechenden Programme gibt es für Windows, Macs und die gängigen Smartphones und Tablets.Bei entsprechender Software-Ausstattung zeigt der Denon stets auch die Titel, Spielzeiten et cetera an. Eine weitere Unterstützung gilt der »Weitergeben auf«-Funktion von Windows 7: Befindet sich ein Windows-7-Rechner im Netzwerk, kann man von praktisch jeder Musikdatei mittels rechter Maustaste die »Wiedergeben auf«-Funktion aktivieren, klickt dann den Denon an, woraufhin sich eine Playliste und Laufwerkskontrolle öffnen und die Musik eben über den DNP-720 erklingt. Höhere Samplingraten werden dabei allerdings von Windows auf 44,1 Kilohertz heruntergerechnet. Nicht zuletzt lassen sich  auch Speicherriegel, MP3-Player oder mobile Festplatten direkt an den USB-Port anstöpseln und die Musik via DNP-720 wiedergeben. Der Speicher muss aber im gängigen FAT16- oder FAT32-Standard formatiert sein, um gelesen werden zu können. Besonderheit bei Apple-Geräten: Verbindet man beispielsweise ein iPad mit dem USB-Port, lässt sich per Mode-Taste der Denon-Fernbedienung auswählen, ob man die Musik per Denon oder iOS-Gerät kontrollieren und gegebenenfalls auch dessen grafische Nutzeroberfläche verwenden möchte.

Wie viele Sprachen sprechen Sie?

Der Denon versteht praktisch alle gängigen Formate: MP3, WMA, AAC, FLAC, und WAV. Dabei sind die verlustfreien Formate FLAC und WAV bis 96 Kilohertz und 24 Bit erlaubt. Klar, alles in Stereo, mit Mehrkanalaufnahmen kann der DNP nichts anfangen. Schade ist nur, dass der Denon wie fast alle Streamer Apples verlustfreie Apple-Lossless-Dateien (ALAC) nicht lesen kann. Das könnte sich in Zukunft ändern, weil Apple den Codec ganz frisch als Creative-Commons-Lizenz freigegeben hat und damit quasi kostenlos zur Verfügung stellt.

Zu guter Letzt noch der analoge Tuner. Sein Signal bleibt analog, weshalb es nicht über den Digital-Ausgang zu hören ist. Hier funktioniert alles wie bei Radios gewohnt, hübsch aufbereitet mit allen nur erdenklichen RDS-Funktionen wie Radiotext bei UKW.

Das Auflösungsvermögen steigt

Im Hörtest stellte sich die Wiedergabe über den Denon Streamer schnell als angenehm schlackefrei und feingliedrig heraus, egal ob die Tester eine ordentlich gerippte CD (MP3 mit 320 kB variable Datenrate, separat Stereo) spielten oder gar hochauflösende FLAC-Dateien wie etwa Keith Jarretts »Köln Concert« in 96 Kilohertz / 24 Bit. Digital über das hervorragende optische Kabel Oehlbach Hyper Profi Opto 100 wiedergegeben, spielte der Streamer wunderbar frei und dynamisch mit ungestressten Höhen, reichen Klangfarben und straffem, tiefen Bass. Das Ganze klang einfach wunderbar unangestrengt und mühelos.

Analog zeigte der DNP-720 eine leicht andere Charakteristik, verlor eine Spur dieser Leichtigkeit und Auflösung, und auch der Bass gelang nicht mehr ganz so trocken wie über den Digitalausgang. Allerdings reden wir hier von einem klanglichen Niveau, das mit  schnödem MP3 einen gleich teuren klassischen CD-Spieler mit wehenden Fahnen hinter sich lässt. Auch was die Qualität der Decodierung angeht, leistet sich der Decoder keine Schwächen, unter vergleichbaren Bedingungen erstellte Dateien verschiedener Formate klangen auch auf gleichem Niveau. Auch der Signalpfad spielte kaum eine Rolle, der gleiche Datensatz klang gleich, ob er per USB-Stick, über das Netzwerk oder vom AirPlay-Funknetz am Denon eintraf.

Möglichkeiten

  • Streaming von iTunes-Inhalten, vom iPhone, iPad oder iPod touch via AirPlay
  • Internetradio mit über 14.000 Stationen und Podcasts
  • Unterstützung für Last.fm und Napster (Abo erforderlich)
  • DLNA-Musikstreaming vom PC, der NAS oder dem Smartphone
  • Digitale Direktwiedergabe vom iPod und iPhone via USB
  • Wiedergabe von Mediendateien vom USB-Player
  • UKW/MW-Tuner mit RDS und Radiotext
  • W-LAN- und LAN-Schnittstelle
  • Unterstützt MP3 / WMA / WAV / AAC / FLAC / WMA Lossless (Transcode) / FLAC 96/24



Netzwerk-Sektion

  • Typ Wi-Fi / LAN
  • W-LAN-Standard IEEE 802.11b und IEEE 802.11g
  • Kompatible Musik-Server DLNA / WMP11 / Twonky Vision
  • Windows 7 »Play-To«-kompatibel


Tuner

  • UKW-Abstimmbereich:   87.5 MHz – 108.0 MHz
  • MW-Abstimmbereich:   522 kHz – 1611 kHz
  • RDS


Stromversorgung
Leistungsaufnahme:   18 W
Leistungsaufnahme im Bereitschaftszustand:   0,2 W
Stromverbrauch im Netzwerk-Stand-by-Modus:   7,5 W

Abmessungen (B x H x T):   43,4 x 7,5 x 27 cm
Gewicht:   3 kg

Empfohlener Verkaufspreis:   499 Euro
Garantie:   2 Jahre

 

Vorbildlich: Die Einrichtung eines jungfräulichen DNP720 beginnt mit der Sprachauswahl. Der Denon spricht ein klares Deutsch.
Draht oder Luft: Der Streamer erhält seine Daten wahlweise vom klassischen LAN-Kabel oder per Wireless-LAN.
Dank DHCP erkennt der Denon seine Netzwerkeinstellungen selbst, er fragt sie beim Router ab.
Es lohnt sich, hin und wieder nach frischer Firmware zu schauen. Funktionen und Radiolisten hält Denon vorbildlich auf dem Laufenden.
Dauerberieselung: Drei Wege zur Musik aus dem Internet stellt Denon zur Verfügung: klassisches Internetradio mit gut 14.000 vorprogrammierten Stationen sowie die Streaming-Dienste Napster und Last.fm.
Strom oder Zeit sparen: Der Denon kann seine Netzwerkelektronik auf Stand-by schalten, was Strom spart. Für den Startvorgang müssen Nutzer dann allerdings rund eine Minute einkalkulieren.
Simpel: Wer ein iPhone, iPad oder einen iPod-Touch verwendet, kann die Musik verlustfrei und drahtlos via WLAN an den DNP-720 streamen. Dazu muss man den Denon einfach auf dem Touchscreen als »Lautsprecher« auswählen.
Das analoge Radio bietet für UKW volle RDS- und Radiotext-Unterstützung.

Denon Deutschland GmbH
An der Kleinbahn 18
D-41334 Nettetal

Tel.: 0 21 57 / 12 08 - 0
Fax.: 0 21 57 / 12 08 - 10

Internet:   www.denon.de

Denon bietet mit dem DNP-720AE eine wunderbar universelle Quelle für das Digitalzeitalter. Das eingängige Bedienkonzept mit dem in Gestaltung und Struktur klaren Frontdisplay (auch über die iOS-App) macht die Verwendung angenehm und trotz sehr unterschiedlicher Signale einheitlich. Komprimierte und unkomprimierte Musik klingt wunderbar mühelos, feinzeichnend und dynamisch, insbesondere über den Digitalausgang. So darf digitale Musik gerne strömen.  Raphael Vogt

Denon DNP720AE
Preis: 499 Euro
Garantie: 2 Jahre

TEST

Streamer:
Denon DNP720AE
Autor:
Raphael Vogt
Datum:
17.11.2011
Hersteller:
Denon